Prozess in Hamburg

Falsche Polizistin räumt Betrug von Rentnerinnen ein

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Bettina Mittelacher
Die Angeklagte Aysun Ö. mit ihrem Verteidiger.

Die Angeklagte Aysun Ö. mit ihrem Verteidiger.

Foto: Bettina Mittelacher / HA

Die Angeklagte soll 158.000 Euro ergaunert haben, indem sie ihren Opfern vorspielte, sie könne das Geld vor Kriminellen schützen.

Hamburg. Sie nannte sich „Frau Sommer“, gab sich als Kriminalbeamtin aus und tat so, als komme sie in den besten Absichten. Um die Sicherheit der älteren Mitbürger besorgt und stets im Bestreben, deren Vermögen vor dem Zugriff finsterer Gesellen zu schützen. Doch tatsächlich ist es gerade die Pseudo-Polizistin gewesen, die Rentnerinnen um ihre Ersparnisse betrog. Insgesamt rund 158.000 Euro zockte Aysun Ö alias „Frau Sommer“ mit einer Betrugsmasche, die als „Falsche-Polizisten-Trick“ bekannt wurde, bei den Hamburgerinnen ab.

Die Vorwürfe, die der 43-Jährigen im Prozess vor dem Landgericht gemacht werden, räumt die Angeklagte im Wesentlichen ein. Laut Ermittlungen lief die miese Täuschung so: Mittäter von Aysun Ö. gaben sich am Telefon als Polizeibeamte aus und behaupteten gegenüber den verunsicherten Rentnern, deren Ersparnisse seien in Gefahr, weil eine Einbrecherbande in der Gegend unterwegs sei. Das Geld der Opfer könne allerdings in Sicherheit gebracht werden, wenn sie sämtliche Bargeldbestände aus ihrem Hause sowie weiteres Geld, das auf der Bank liegt, der Polizei übergeben.

Prozess in Hamburg: Falsche Polizistin gibt Tatbeteiligung zu

Nun schlüpfte Aysun Ö. in die Rolle einer Polizistin, klingelte bei den vertrauensvollen Opfern und ließ sich deren Ersparnisse übergeben. Beim Versuch, Geld in die Türkei zu transportieren, wurde Ö. anlässlich einer Zollkontrolle am Flughafen festgenommen, so die Anklage weiter. „Ich gebe zu, dass ich mich an den Taten beteiligt habe“, heißt es in einer Erklärung der Angeklagten. Familienangehörige ihres früheren Partners seien die Drahtzieher des ausgeklügelten Betrugs, ist der Tenor der Aussage von Aysun Ö. Diese lebten in der Türkei. „Mir war klar, dass beide in kriminelle Handlungen verwickelt waren.“

Ihr damaliger Freund habe ihr erzählt, dass seine Verwandten „Scheiße mit älteren Menschen machen. Ich dachte an den Enkeltrick.“ Von diesen Leuten sei sie dann in deren Machenschaften eingespannt worden. Als sie begriffen habe, dass sie sich bei den Opfern als Polizistin ausgeben und das Geld abholen solle, „habe ich mich erst gesträubt, dann aber mitgemacht“, schildert die Angeklagte. Denn den Anweisungen der Hinterleute, insbesondere einer Frau, die sie als „hartherzig und bestimmend“ bezeichnet, habe sie sich nicht widersetzen können.

Anteil an der Beute verspielt – "Und ich habe Urlaub gemacht"

Ihren Anteil von der Beute habe sie teilweise verspielt, sie sei einkaufen gewesen und habe Schulden bezahlt. „Und ich habe Urlaub gemacht.“ Zu spät sei ihr klargeworden, „dass ich mich in eine richtig schlimme Sache habe reinziehen lassen. Ich hatte aber nichts mit der Planung zu tun.“

Heute, beteuert Aysun Ö., „schäme ich mich sehr dafür, dass ich mich über das Geld gefreut habe. Ich habe mir eingeredet, dass das reiche Leute sind, denen das nichts ausmacht.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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