Flughafen Hamburg

Der Mann, dem die Piloten folgen

| Lesedauer: 8 Minuten
Berndt Röttger
Fabian Hesselschwerdt, Chef der Verkehrsaufsicht, mit einem „Follow me“-Fahrzeug.

Fabian Hesselschwerdt, Chef der Verkehrsaufsicht, mit einem „Follow me“-Fahrzeug.

Foto: Berndt Röttger

Fabian Hesselschwerdt ist Chef der gelb-schwarz karierten „Follow me“-Wagen auf dem Flughafen Hamburg.

Hamburg. Treffpunkt: mitten auf dem Flughafen. Der 34-jährige Fabian Hesselschwerdt ist Chef der Verkehrsaufsicht – aber den Namen mag er eigentlich nicht, und vorstellen kann sich auch kaum jemand etwas darunter. Fabian Hesselschwerdt ist Chef der gelb-schwarz karierten „Follow me“-Wagen auf dem Flughafen Hamburg.

Und die hat jeder schon einmal gesehen. Im Flughafen-Podcast Check-in begleiten wir Hesselschwerdt bei seiner Arbeit an Stellen auf dem Flughafen, an die man sonst nie kommt. Am Ende machen wir sogar einen Spaziergang auf der Landebahn. Eine Reportage an sechs unterschiedlichen Orten …

Check-in: Wir starten im Büro

Näher an den Flugzeugen steht wohl kein Schreibtisch auf dem Airport. Wenn Fabian Hesselschwerdt vom Monitor aufblickt, dann hat er das Vorfeld und die parkenden Jets im Blick. „Das ist der schönste Arbeitsplatz am Flughafen“, sagt er. Auf einem Schrank steht ein Rahmen mit einem Foto der wohl bekanntesten Boeing 747.

Und darunter geschrieben: „Mit Anerkennung und Dank für Fabian Hesselschwerdt von der Crew der Air Force One und dem Piloten des Präsidenten.“ Was es damit auf sich hat, erzählt Fabian Hesselschwerdt gern: „Ich war 2017 an der Vorbereitung und Planung und auch an der Durchführung des G20-Gipfels beteiligt. Eines meiner Themen war die Betreuung des Teams, der Air Force One sowie Ankunft und Abflug des US-Präsidenten während des Gipfels. Das wurde bereits sehr weit im Vorfeld vorbereitet. Dadurch kam es zu einer sehr intensiven Zusammenarbeit. Das hat sehr viel Spaß gemacht.“

Sein Alltag? „Wir sind hier für den Flugbetrieb auf den Vorfeldern und Pisten des Flughafens zuständig. Die meisten Menschen werden uns wahrscheinlich nur mit den gelb-schwarzen Autos und dem Einwinken der Flugzeuge in Verbindung bringen – aber wir machen deutlich mehr. Wir sorgen dafür, dass die Start- und Landebahn jederzeit in sicherem Betriebszustand sind. Wir kümmern uns darum, dass sich keine Vögel rund um die Startbahnen befinden. Wir leiten den Winterdienst und sind natürlich an allen Notfall-Verfahren beteiligt. Mein Team ist täglich 24 Stunden das ganze Jahr über im Dienst.“

Fabian Hesselschwerdt ist ausgebildeter Pilot. Doch bei seinem Abschluss in der Finanzkrise 2008 wurden keine neuen Piloten eingestellt. Er studierte zusätzlich Verkehrsmanagement und arbeitete zunächst auf einem kleinen Flugplatz in Norddeutschland und in Jeddah in Saudi-Arabien, bevor er 2015 zum Hamburg Airport kam.

Im „Follow me“-Wagen auf dem Flughafen

Eigentlich ist der „Follow me“-Wagen ein normaler VW-Bus: Nur an der Stelle des Beifahrersitzes befindet sich ein komplettes Büro. Was das alles ist? Fabian Hesselschwerdt erklärt es: „Büro trifft es eigentlich schon ganz gut. Es ist tatsächlich der Arbeitsplatz von meinen Kolleginnen und Kollegen. Hier ist eine Menge Technik verbaut: Wir haben einen Computer, mit dem wir auf alle Anwendungen des Flughafens zugreifen können. Wir haben aber auch ein Spezialprogramm, mit dem wir beispielsweise das aktuelle Verkehrsgeschehen auf und um den Flughafen beobachten können. Das ist wichtig für die Kollegen, dass sie abschätzen können, wann welches Flugzeug kommt. Neben dem Computer gibt es mehrere Funkgeräte für die Frequenzen vom Tower und vom Vorfeld. Wenn viel los ist und auf vielen Kanälen gesprochen wird, ist das für den Mitarbeiter durchaus herausfordernd, das Richtige für sich herauszuziehen. Dazu gehört ein bisschen Routine.“

Auf der Landebahn des Hamburger Flughafens

„Herzlich willkommen auf unserer Piste 05/23“, sagt Fabian Hesselschwerdt, als wir auf der wegen Wartungsarbeiten gesperrten, mehr als drei Kilometer langen Landebahn zwischen Niendorf und Langenhorn anhalten. Wir befinden uns hier etwa 200 Meter vor dem Aufsetzpunkt. „Haben Sie Lust auf einen Spaziergang dorthin?“, fragt Hesselschwerdt. Na klar, wann geht man hier schon einmal spazieren. Auf der Landebahn sind riesige weiße Pfeile aufgemalt. Die Zahlen der Pistenbezeichnung sind mehr als sechs Meter lang. Der Mittelstreifen ist einen guten Meter dick. Am Aufsetzpunkt sind jede Menge schwarze Gummistreifen von den Flugzeugreifen zu sehen. Hesselschwerdt: „Das Gummi wird bei Wartungsarbeiten abgetragen. Wir haben ein Messfahrzeug, mit dem wir die Reibwerte des Asphalts und den Bremsweg hier auf der Piste bestimmen können. Das nutzen wir übrigens auch im Winter, um mögliche Glätte zu messen.“ Dann sind wir am Aufsetzpunkt angekommen – das ist nicht zu übersehen: Die Landebahn ist übersät von schwarzen Gummistreifen, rechts und links gibt es zwei breite, weiße Streifen. Für den Piloten nicht zu übersehen.

Am Lieblingsplatz

„Und jetzt nehme ich Sie mit auf den Flughafen-Hügel, den kennen viele, auch dadurch, dass ja Hamburg Airport dort mit einer Hecke bepflanzt ist. Und das ist nebenbei mein Lieblingsplatz auf dem Flughafen. Von hier aus haben Sie eine ganz andere Perspektive auf den Flughafen“, sagt Hesselschwerdt. Auf den Hügel führt keine Straße. Wir gehen die Wiese hinauf. Wenn man den Hügel vom Terminal sieht, denkt man gar nicht, dass er so hoch und dass er oben so groß ist. Fabian Hesselschwerdt: „Von hier aus blickt man auf die startenden Flugzeuge herunter.“

Wir fahren weiter auf einem Kontrollweg neben der Start-und-Lande-Bahn. „Jetzt sind wir ganz im Norden des Flughafengeländes“, sagt Hesselschwerdt und weist auf eine riesige Fläche abseits des eigentlichen Flugfeldes: „Das ist die Fläche, auf der wir im Winter den Schnee lagern, den wir von den Landebahnen räumen. Da kommt einiges zusammen. Spätestens alle sechs Stunden müssen wir die Start-und-Lande-Bahnen kontrollieren – also abfahren und prüfen, ob die Oberfläche in gutem Zustand ist, dort keine Fremdkörper liegen und ob die Befeuerung in Ordnung ist.“

Hinter dem startenden A320

Und wir haben Glück: Es wird Zeit für eine Kontrolle der Start- und Landebahn. Wir reihen uns hinter einem auf die Startfreigabe wartenden A320 der Eurowings ein. Nach seinem Start bekommen auch wir vom Tower eine Freigabe für unsere Kontrollfahrt über die Startbahn. Der „Follow me“-Wagen beschleunigt auf 100 km/h – trotzdem schaffen wir es nicht, vor dem nächsten landenden Jet bis zum Ende der Bahn zu kommen.

Der Tower fordert uns auf, die Landebahn zu verlassen. Wir biegen ab, wenden und warten auf den Touchdown der Condor-Maschine. „Bei den Kontrollfahrten haben wir auch schon einmal einen Fisch auf der Landebahn gefunden. Offensichtlich hatte ein Vogel ihn verloren …“, sagt Fabian Hesselschwerdt. Am nördlichen Ende der Startbahn wartet schon der nächste Jet auf die Startfreigabe – aber zuerst gibt der Tower uns das Go für die Pistenkontrolle.

Die letzten Meter bis zum Flughafen-Gate

„Zum Abschluss machen wir noch einen Abstecher aufs Hauptvorfeld. Das ist ja eigentlich unser Hauptbetätigungsfeld“, sagt Hesselschwerdt. Auch wenn die „Follow me“-Fahrer längst nicht mehr alle Flugzeuge zur Parkposition abholen. „Das machen wir nur noch bei ganz großen Flugzeugen, bei medizinischen Notfällen oder wenn es mal schnell gehen muss“, sagt Hesselschwerdt. „Die meisten Positionen sind heute mit sogenannten Visual-Docking-Guidance-Systemen ausgestattet, also elektronischen Hilfssystemen für das Einparken der Flugzeuge. Das Einwinken ist tatsächlich eher eine Nebenbeschäftigung geworden. Das machen wir heute eher selten.“

Als wir bei der Lufthansa-Maschine aus München zusehen wollen, wie das funktioniert, fällt prompt die Technik aus, ein Kollege der Verkehrsaufsicht winkt den Airbus auf den letzten Metern bis zum Gate ein. Denn auch dafür stehen Fabian Hesselschwerdt und sein Team bereit – sie führen die Piloten auf dem Flughafen sicher ans Ziel, selbst wenn die Technik mal versagt.

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