Hamburger City

Traditionshaus Ewige Lampe am Neuen Wall schließt

| Lesedauer: 4 Minuten
Ulrich Gaßdorf
Nico Hagenah steht in seinem Geschäft Ewige Lampe, jetzt müssen alle Leuchten raus.

Nico Hagenah steht in seinem Geschäft Ewige Lampe, jetzt müssen alle Leuchten raus.

Foto: Michael Rauhe / HA

Inhaber Nico Hagenah hat mit dem Räumungsverkauf gestartet. Auf der Einkaufsmeile stehen mehrere Flächen leer.

Hamburg.  Das Beleuchtungshaus Ewige Lampe gehört zu den wenigen noch inhabergeführten Geschäften am Neuen Wall. Das 1889 gegründete Unternehmen ist seit 30 Jahren an der Nobeleinkaufsmeile ansässig. Im Jahr 2006 hatte Nico Hagenah das Geschäft von seinen Eltern übernommen. Doch demnächst gehen in dem rund 500 Quadratmeter großen Laden die Lichter aus. „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ ist auf dem Schaufenster zu lesen. Zehn Prozent Rabatt gibt es auf die rund 1000 Leuchten, die Hagenah noch auf Lager hat. Bis zum 24. Dezember läuft der Räumungsverkauf. „Die Entscheidung, dieses traditionsreiche Geschäft aufzugeben, ist mir natürlich nicht leicht gefallen. Ich bin hier sozusagen aufgewachsen, und man steckt ja auch viel Herzblut in so ein Familienunternehmen“, sagte Hagenah.

Der Mietvertrag läuft Ende des Jahres aus. Der Vermieter ist die Firma Procom, die auch das ehemalige Commerzbank-Areal am Neß unweit vom Rathaus entwickelt. „Die Miete, die wir hier bezahlen müssen, steht in keinem Verhältnis mehr zu den Einnahmen. Das ist auch der Grund dafür, dass fast nur noch Ketten am Neuen Wall vertreten sind“, sagt der Betriebswirt. Da spiele die Höhe der Miete offensichtlich keine Rolle. Da gehe es darum, dass man mit seiner Marke ein Geschäft am Neuen Wall vorweisen könne, sagte Hagenah, der auch Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft Neuer Wall ist, weiter.

Die Ewige Lampe hat eine bewegte Geschichte

Der Einzelhändler berichtet: „Das Kaufverhalten hat sich geändert. Wir haben hier am Neuen Wall weniger Laufkundschaft, und uns fehlen die großen Kongresse. Auch die Touristen waren immer eine wichtige Klientel für uns, aber das Geschäft hat auch nachgelassen“, sagt er nachdenklich. Der 44-Jährige wird in der Branche bleiben, sucht nach einer kleinen Bürofläche im Bereich Poppenbüttel. „Ich werde weiter Lichtplanung anbieten“, sagt Hagenah. Aber eine Ladenfläche wird der Unternehmer nicht mehr anmieten.

Die Ewige Lampe, die vor 132 Jahren gegründet wurde, hat eine bewegte Geschichte. Nico Hagenah ist bereits der sechste Eigentümer. Seine Eltern Monika – heute 77 Jahre alt – und Uwe – heute 80 Jahre alt – hatten das Unternehmen Mitte der 1980er-Jahre übernommen, weil der damalige Eigentümer Horst Bodenberger selbst keinen Nachfolger hatte.

Viele inhabergeführte Läden haben bereits aufgegeben

Auf dem Neuen Wall stehen mehrere Ladenflächen leer. Auch das Geschäft direkt neben der Ewigen Lampe ist verwaist. Im Oktober ist das auf edle Schreibgeräte spezialisierte Unternehmen Faber-Castell dort ausgezogen und hat vor Kurzem ein neues Geschäft im Levantehaus an der Mönckebergstraße eröffnet. Auf der anderen Straßenseite ist der Jil-Sander-Flagship-Store Ende September ausgezogen (wir berichteten). Die Mitarbeiter wurden erst kurz vorher über die Schließung der Boutique informiert. Bereits seit April 2017 steht die ehemalige Brioni-Fläche, eine italienische Luxusmodemarke, in der Hausnummer 84 leer. Der Immobiliendienstleister Grossmann & Berger ist inzwischen mit der Vermietung des Geschäfts beauftragt, konnte bislang aber keinen Nachmieter finden.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche inhabergeführte Läden an der Nobeleinkaufsmeile aufgegeben. So war zum Beispiel das traditionsreiche Wäschehaus Möhring im Sommer 2017 nach mehr als 60 Jahren vom Standort Neuer Wall an den Großen Burstah im Nikolai-Quartier gezogen. Dort kämpfte das Fachgeschäft mit sinkenden Umsätzen und hat in diesem Jahr für immer die Türen geschlossen. In den vergangenen Jahren hatten auch schon der Modesalon Hoffmann, Steinbrück Pelze und der Edeleinrichter Bornold – der neue Räume am Alsterufer bezogen hat – am Neuen Wall aufgegeben..

Nachfolge der Ewigen Lampe: Es gibt bereits Interessenten

Eine Neueröffnung steht unterdessen in der Hausnummer 18 an. Dort zieht Ende November die Uhrenmarke Tag Heuer mit einem Flagship-Store ein. Die Galerie Lumas wechselt von der Poststraße an den Neuen Wall.

Und was wird aus den Räumen der Ewigen Lampe? Hier droht offensichtlich kein längerer Leerstand. „Wir haben mehrere Interessenten, die entweder nur die Ewige-Lampe-Fläche mieten wollen oder auch in Kombination mit der ehemaligen Faber-Castell-Fläche“, sagte Procom-Geschäftsführer Dennis Barth auf Abendblatt-Anfrage.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg