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So setzen sich fünf Hamburgerinnen für Nachhaltigkeit ein

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Die 31-jährige Kea Blum aus Eilbek ist Ökotrophologin.

Die 31-jährige Kea Blum aus Eilbek ist Ökotrophologin.

Foto: Kea Blum

Die Frauen geben auf Instagram zahlreiche Tipps zu verantwortungsbewusster Ernährung, Kosmetik, Einrichtung, Mode – und vielem mehr.

Hamburg.  Die einen nehmen immer einen Stoffbeutel mit zum Einkaufen, die anderen nutzen waschbare Watte-Pads und wieder andere essen ausschließlich vegan. So unterschiedlich die Herangehensweisen an das Thema Nachhaltigkeit sind, so verschieden sind auch die Themengebiete, mit denen Hamburgerinnen auf Instagram zum Nachdenken und Nachmachen anregen – von Ernährung über Mode bis hin zur Einrichtung der eigenen Wohnung.

Die 31-jährige Kea Blum aus Eilbek, studierte Ökotrophologin, stellt auf ihrem Instagram-Account (@nutri.agent) nachhaltige und gesunde Ernährung in den Mittelpunkt. „Ich möchte anderen zeigen, wie eine moderne, klima-gesunde Ernährung aussieht und wie sie sich im Alltag leicht umsetzen lässt“, sagt Blum, die als selbstständige Redakteurin arbeitet. Ihren Account versteht sie als „große Tipp-Sammlung“ zu Lebensmitteln, Rezepten und Haushaltsthemen. Erste Berührungspunkte mit nachhaltiger Ernährung hatte die Hamburgerin schon in ihrer Kindheit.

Instagram: Blum gibt Wissen über Nachhaltigkeit weiter

„Wir hatten einen großen Gemüsegarten, Obstbäume und eigene Hühner“, erzählt Blum. Doch als sie nach Hamburg zog, verlor sie das Thema aus den Augen. Erst ein Arztbesuch vor gut sechs Jahren und eine damit verbundene Ernährungsumstellung auf weniger Kohlenhydrate sowie Milchprodukte änderten Blums Einstellung. Bei der Recherche nach Rezeptideen für eine pflanzliche Ernährung sei sie schließlich immer wieder auf das Thema Nachhaltigkeit gestoßen.

Auch das Ökotrophologie-Studium änderte Blums Blick: „Da setzt man sich unweigerlich auch mit dem auseinander, was man selbst isst, was in den Lebensmitteln steckt – aber auch, wie und unter welchen Bedingungen diese angebaut werden“, sagt die 31-Jährige. Mit anschaulichen Grafiken, Tipps etwa für ein nachhaltiges und gesundes Frühstück oder in der Kategorie „gut vs. auch gut“ gibt Blum ihr Wissen anschaulich weiter.

Hamburgerin gründete nachhaltiges Interior-Label

Durchs Studium stieß auch Birthe Hammerich auf ihr Interesse für Nachhaltigkeit – jedoch in einem ganz anderen Gebiet: Hammerich studierte Interior Design. „Seither ist es mein Ziel, Wohnen nachhaltiger zu machen, ohne dabei auf Ästhetik verzichten zu müssen“, sagt die 32-Jährige. Aus dieser Leidenschaft und ihrer Liebe zum Naturmaterial Leinen entstand schließlich ihr Label Lundkvist, das handgefertigte Wohnprodukte wie Bettwäsche, Kissen oder Schürzen aus zertifizierten Leinenstoffen im Sortiment hat.

Auf dem dazugehörigen Instagram-Profil (@lundkvistliving) gibt Hammerich ihren Followern außerdem Einblicke in ihr Leben als Selbstständige und junge Mutter. „Qualität, Natürlichkeit und Nachhaltigkeit spielen für mich in allen Lebensbereichen eine große Rolle und ich hoffe, damit etwas inspirieren zu können“, so die Hamburgerin.

Bina Nöhr gibt Inspiration zum Thema Fair Fashion

Hammerichs Tipps für mehr Nachhaltigkeit: Sich für zeitlose, hochwertige und langlebige Einrichtung entscheiden, statt den neuesten Trends hinterherzujagen. „Außerdem sollte jeder von uns auf umweltfreundliche und schadstofffreie Materialien achten“, sagt die 32-Jährige. Dazu gehören etwa massives Holz, umweltfreundliche Lacke und Textilien aus Naturmaterialien.

Mit der Produktion von Textilien beschäftigt sich auch Bina Nöhr, der auf Instagram (@binanoehr) über 18.000 User folgen. Sie hat in diesem Jahr ihr eigenes nachhaltiges Mode-Label Baige gegründet. „Auf meinem Account findet Mensch hauptsächlich Inspiration zum Thema Fair Fashion“, sagt die 38-Jährige. Sie zeige aber auch Ausschnitte ihres Alltags, um so das Thema Nachhaltigkeit „spielerisch zu vermitteln“. Das Interesse an einem bewussteren Lebensstil regte sich bei Nöhr bereits mit 14 Jahren. Nachdem sie eine Dokumentation über Massentierhaltung gesehen hatte, entschloss sie sich, ausschließlich vegetarisch und später vegan zu essen.

„Umweltschutz fängt beim Schuhe putzen an“

Durch ihren Beruf als Modedesignerin erhielt Nöhr Einblicke in die Herstellung von Fast Fashion (wörtlich „schnelle Mode“). Ihr wurde bewusst, dass sie sich für einen Wandel in der „ausbeuterischen Modeindustrie“ einsetzen möchte und gründete schließlich ihr eigenes Label, das nicht nur bei Materialien auf nachhaltige Lösungen, sondern sich auch für die faire Bezahlung von Textilarbeitenden einsetzt.

Der Jenfelderin Annkathrin Schön wurde Nachhaltigkeit vermutlich in die Wiege gelegt. „Umweltschutz fängt beim Schuhe putzen an“, wusste schon Schöns Vater. Ihre Eltern seien keine typischen „Ökos“, lebten ihr aber vor, dass kaputte Dinge repariert, Obst und Gemüse im Garten angepflanzt und viel selbst gekocht werde. Diesen Ansatz vermittelt Schön nun auf ihrem Instagram-Profil (@aennislife). Dabei dreht sich bei der 28-Jährigen, die sich erst kürzlich als Content Creator selbstständig gemacht hat, alles rund um vegetarische und vegane Ernährung, saisonale und regionale Küche sowie praktische Tipps fürs Putzen und den Haushalt.

Lisa Scharff setzt auf nachhaltige Kosmetik

Schön geht aber auch auf Zweifel ein, die ein nachhaltiger Lebensstil mit sich bringen. „Wie häufig es heißt, du bist nur nachhaltig, wenn du es zu 110 Prozent richtig machst“, schreibt die Hamburgerin etwa unter einem Video, in dem sie zeigt, dass etwa Plastik in vielen Lebensbereichen (noch) nicht vermeidbar ist.

Ein ganz anderes Themengebiet deckt die Hamburgerin Lisa Scharff mit ihrem Instagram-Account (@lisa.scharff) ab. Die 34-Jährige ist eine der wenigen deutschen Make-up-Artists, die ausschließlich auf nachhaltige Kosmetik setzen. Ihr Wissen teilt Scharff in den sozialen Medien und bei Coachings in ihrem Organic Beauty Studio in Winterhude. „Ich war im ersten Moment wirklich geschockt, was da so alles in meinen Produkten im Badezimmer und Make-up-Koffer enthalten war“, erzählt Scharff.

Nachhaltigkeit: Jeder Schritt zählt

Als sie schließlich die Produkte für ihre tägliche Arbeit als Make-up-Artist umstellte, musste sie sich und ihren neuen Titel „Organic-Make-Up-Artist“ noch häufig erklären. Mittlerweile sei der Trend zu Naturkosmetik sogar selbst bei den Endverbrauchern angekommen. „Gerade in den letzten fünf Jahren ist wirklich viel passiert“, sagt die Hamburgerin. Allein die Auswahl in Drogerien und generell auf dem Beauty-Markt sei gestiegen. Allerdings überfordere die Auswahl viele Kundinnen. Mit persönlichen Beratungen und Tipps versucht Scharff, diese Barriere zu minimieren.

Wichtig sei es, da sind sich alle fünf Frauen einig, überhaupt den ersten Schritt zu machen. „Es sollte nicht unser gesellschaftlicher Anspruch sein, dass alle möglichst zu 100 Prozent nachhaltig leben. Sondern, dass möglichst viele so nachhaltig leben, wie es eben geht – und wie es auch zu den eigenen Lebensumständen passt“, sagt etwa Blum.

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