Stadtentwicklung

So könnte der Marktplatz auf der Veddel bald aussehen

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Friederike Ulrich
So könnte der Veddeler Marktplatz künftig aussehen. Unter den Flugdächern soll Einzelhandel einziehen.

So könnte der Veddeler Marktplatz künftig aussehen. Unter den Flugdächern soll Einzelhandel einziehen.

Foto: moka-studio

Ehemalige Zollanlage soll Mittelpunkt des neuen Platzes werden. Warum es zuvor viel Ärger und Streit um die Planungen gab.

Hamburg. Mehrere Hundert Wohnungen, ein großer Lebensmittelmarkt, eine Drogerie, Arztpraxen, eine Sporthalle, ein Hochzeitssaal und sogar eine Moschee – jahrelang hatte die Bezirkspolitik Pläne für das Areal der ehemaligen Zollanlage auf der Veddel geschmiedet. Durch deren Abriss sollte endlich Platz für die dringendsten Bedarfe des Stadtteils geschaffen werden. Entsprechend groß war die Verärgerung, als das alte Zollamt 2018 überraschend unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Gleich mehrere Bezirkspolitiker aus Hamburg-Mitte ätzten öffentlich gegen den damaligen Leiter des Amtes, An­dreas Kellner. Insbesondere der damalige Grünen-Chef Michael Osterburg, gegen den die Staatsanwaltschaft derzeit wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, sparte nicht mit persönlicher Kritik an Kellner und bezeichnete die Unterschutzstellung als „Frechheit“, „Schildbürgerstreich“ und Retourkutsche des Denkmalschutzchefs, weil diese den Erhalt der City-Hochhäuser nicht habe durchsetzen können. Auch Klaus Lübke von der SPD schimpfte, dass das Amt den Bezirk „um die Früchte jahrelanger Arbeit“ bringe.

Das alte Zollamt auf der Veddel wird in Stadtentwicklung eingebunden

Dass Andreas Kellner sich sehr wohl Gedanken darüber gemacht hatte, wie sich die Ziele der Politik mit denen des Denkmalschutzamts vereinbaren lassen – und dafür sogar eine Planskizze vorgelegt hatte, erwähnten die Politiker nicht. Für ihn habe die damalige Skandal­berichterstattung unschöne persönliche Folgen gehabt, so Kellner heute. „Ich stand als Buhmann da, der den dringend benötigten Wohnungsbau verhindert.“ Darüber hinaus habe Osterburgs ihm de facto einen willkürlichen Amtsmissbrauch und damit eine Straftat vorgeworfen.

Bevor er erst IBA-Beauftragter und dann oberster Denkmalpfleger der Stadt wurde, habe er 20 Jahre lang als Architekt in der Hamburger Planungsbehörde gearbeitet – und sei deshalb in der Lage gewesen, bei Konflikten konzeptionelle Lösungsmöglichkeiten zu präsentieren, betont Kellner.„Ziel war dabei immer, die Geschichte eines Ortes und ihre baulichen Zeugnisse nicht als Hemmnis, sondern als Qualitätsgeber für neue Entwicklungen zu vermitteln.“ Das war auch im Falle der Zollanlage so, die aus drei parallel zueinander liegenden Abfertigungsgebäude mit typischen 1950er-Jahre-Flugdächern und Rampen, einem Verwaltungsgebäude und dem Zaun besteht.

Kellners Idee war, zwei der drei Abfertigungsstätten für Nahversorgung zu erhalten, südlich davon eine Turnhalle zu platzieren und das Ganze mit einem Veddel-typischen großen Wohnblock zu umbauen, von dem aus über eine Brücke das nahe gelegene Elbufer erreichbar würde.

Zwei der Zollgebäude für Nahversorgung erhalten

Die Visualisierungen für den Veddeler Marktplatz, die Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) und Oberbaudirektor Franz-Josef Höing vergangene Woche im Rahmenentwurf „Stadteingang Elbbrücken“ begeistert präsentierten, erinnern sehr an Kellners damalige Skizze. Auch sie wollen zwei der Zollgebäude für die Nahversorgung erhalten, indem der Raum unter den Flugdächern verglast wird, und sehen die Anlage sogar als Mittelpunkt des neuen Stadtraumes.

Für Kellner ist es eine späte Genugtuung, dass heute offenbar niemand mehr Zweifel an dessen Sinnhaftigkeit der Unterschutzstellung hat. „Es ist schön, dass unter den fünf von Frau Stapelfeldt benannten Zielen gleich das zweite die ,Identitätsbildung mit dem Erhalt des historischen Erbes‘ beinhaltet“, so der Denkmalpfleger im Ruhestand.

Wohnen ohne Lärmschutz oder massiver „Superblock“?

Für die Gestaltung des Veddeler Marktplatzes hat die Behörde Visualisierungen für zwei Varianten anfertigen lassen. Die eine sieht rechts und links der Zollhallen zwei Gebäuderiegel vor, sodass ein offener Marktplatz mit direktem Bezug zur Elbe entsteht. Bei diesem Entwurf, der das denkmalgerecht umgestaltete Zollamt attraktiv in Szene setzt, lasse sich Wohnen aus Lärmschutzgründen jedoch nicht umsetzen, teilt eine Sprecherin auf Nachfrage mit. Nur eine vollständige Umbauung der alten Gebäude würde neben anderen Nutzungen auch Wohnen erlauben. Hinter diesem „Superblock“ wäre das alte Zollamt von außen dann aber nicht mehr sichtbar.

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