Corona Hamburg

Die Zahlen steigen – Hamburgs Klinikärzte in Sorge

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Wie hier auf der Intensivstation einer Asklepios-Klinik werden Covid-Patienten zum Teil beatmet. Die Entwöhnung (Weaning) dauert sehr lange (Archivbild).

Wie hier auf der Intensivstation einer Asklepios-Klinik werden Covid-Patienten zum Teil beatmet. Die Entwöhnung (Weaning) dauert sehr lange (Archivbild).

Foto: dpa

Asklepios-Chefarzt Prof. Weber: Mehr Patienten auf den Intensivstationen, die meisten ungeimpft. Montgomery mit drastischen Worten.

Hamburg. Angesichts der stark zunehmenden Zahl neuer Corona-Fälle wächst in Deutschland wieder die Sorge vor einer Überlastung der Krankenhäuser. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, sagte dem RND: „Wir befinden uns in einer kritischen Situation der Pandemie.“ Die Zahl der mit einer Covid-Infektion im Krankenhaus versorgten Patienten sei binnen einer Woche deutlich gestiegen. „Wenn diese Entwicklung anhält, haben wir schon in zwei Wochen wieder 3000 Patienten auf Intensivstation“, warnte Gaß.

Prof. Christian Weber, Chefarzt der Intensivmedizin in der Asklepios-Klinik Wandsbek, sagte dem Abendblatt: „Wir beobachten mit Sorge, dass die Zahlen der Corona-Patienten auf den Normalstationen und der Intensivstation wieder ansteigen. Aber die Versorgungsqualität ist nach wie vor uneingeschränkt gewährleistet, und wir sind weiter aufnahmebereit.“ Weber nannte diesen Zustand „vermeidbar“. Es seien überwiegend ungeimpfte Patienten, die auch beatmet werden müssten. „Wir sehen auch 30- bis 60-Jährige, die in einem ansonsten guten körperlichen Zustand sind.“

Corona-Patienten auf Intensivstationen zumeist ungeimpft

Die Geschäftsführerin der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft, Dr. Claudia Brase, appellierte daher, dass sich auch die im ersten Halbjahr Geimpften „schnellstmöglich“ eine Auffrischungsspritze abholen, zunächst die Menschen über 70.

In den Asklepios-Häusern, wo jeder zweite Krankenhaus-Patient in Hamburg versorgt wird, steigt die Zahl der Corona-Fälle aus anderen Bundesländern. Durch die Erfahrung der Ärzte beim Beatmen und Entwöhnen von Schwerkranken haben Corona-Intensivpatienten hier eine größere Überlebenschance.

Krankenhaus-Verbandschef Gaß warnte: Auch wenn die Krankenhäuser die Corona-Patienten versorgen könnten, müssten sie möglicherweise wieder planbare, weniger dringliche Operationen verschieben. In Hamburg heißt es, das könnten die Kliniken innerhalb von 48 Stunden neu organisieren. So weit sei es aber noch nicht. Dennoch merke man, dass die Pflegekräfte körperlich und psychisch erheblich belastet seien.

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Montgomery: Wer sich nicht impft, riskiert sein Leben

Die Gesundheitsämter meldeten am Donnerstag 28.037 Neuinfektionen. Am vorigen Donnerstag waren es 1077 Fälle. Die Inzidenz stieg auf 130,2 – vor einer Woche lag sie bei 85,6. Deutschlandweit wurden 126 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona verzeichnet – vor einer Woche waren es 67.

Auch in Hamburg steigt die Inzidenz weiter. Die Sozialbehörde gab die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen mit 109,3 an – vor einer Woche betrug sie 87,8. Es kamen 410 neue Corona-Fälle hinzu – 44 mehr als vorigen Donnerstag. In Hamburgs Kliniken werden 125 Covid-19-Patienten behandelt. 39 liegen auf Intensivstationen.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sagte der „Augsburger Allgemeinen“, wer sich jetzt nicht impfen lasse, obwohl er es machen könnte, riskiere sein Leben und auch das seiner Mitmenschen.

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