Rassismus

Vermisstenplakate in Hamburg sorgen für Verwirrung

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Dieses Vermisstenplakat in Hamburg – wie hier in Eimsbüttel – irritiert einige Passanten. Es soll auf ein wichtiges Thema aufmerksam machen.

Dieses Vermisstenplakat in Hamburg – wie hier in Eimsbüttel – irritiert einige Passanten. Es soll auf ein wichtiges Thema aufmerksam machen.

Foto: Achim Leoni

Einige Passanten sind irritiert von den Aushängen, bei denen es jedoch um ein wichtiges Thema geht. Was dahintersteckt.

Hamburg. Das Bild zeigt einen jungen Mann mit dem Namen Dan Thy. Darüber steht in großen Buchstaben "Vermisst". Wer genauer hinschaut, kann zudem den Hinweis lesen, dass der Mann 36 Jahre alt ist und zuletzt um "5 vor 12 bei einem Vorstellungsgespräch in Hamburg" gesehen wurde. Das Vermisstenplakat, das an einigen Straßen in Hamburg zu sehen ist, sorgt bei einigen Passanten für Verwirrung – und das vermutlich mit Absicht.

Um eine vermisste Person, nach der gesucht wird, geht es bei den Aushängen nicht. Vielmehr handelt es sich um eine Aktion der 2016 in Hamburg gegründeten Karin und Walter Blüchert Gedächtnisstiftung, bei der es um Diskriminierung und Gewalt im Alltag geht. Die Plakate sollen genau auf diese Themen aufmerksam machen und stellen verschiedene Aspekte und Formen von Gewalt in den Fokus.

Vermisstenplakate in Hamburg gegen Rassismus

Auf der Website sind unter der Rubrik "Vermisst" Menschen in Videos zu sehen, die kurz und knapp sagen, was sie konkret vermissen. Im Fall von Dan Thy: Respekt. "Heutzutage ist es eher struktureller Rassismus", wird Thy unter dem Videoeinspieler zitiert. "Ich habe das Gefühl, mich viel mehr beweisen zu müssen, als es von anderen Menschen verlangt wird."

Im Rahmen der Aktion gibt es auch andere Vermisstenplakate mit Menschen, die etwa um "5 vor 12 in der Warteschlange ganz hinten" oder um "5 vor 12 in der Wunderbar" zuletzt gesehen wurden. Bei Twitter läuft die Kampagne unter dem Hashtag #stillmissing2021. Vermisst wird Toleranz, Gleichberechtigung, Barrierefreiheit, Zuwendung und vieles mehr.

Mit der "Vermisst"-Aktion wird zudem für einen Livestream am 26., 27. und 28. November geworben, bei dem Gewalt und Diskriminierung thematisiert werden. Interessierte können an dem Livestream kostenlos und anonym teilnehmen. Aspekte sind zum Beispiel Armut, Menschen mit Behinderung, Religion und Rassismus.

( coe )

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