Harvestehuder THC

Katharina Kiefer spielt wieder Hockey mit ihrer Schwester

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Katharina Kiefer spielt seit dem Sommer für den HTHC.

Katharina Kiefer spielt seit dem Sommer für den HTHC.

Foto: Valeria Witters

Die Hockey-Nationalspielerin kam im Sommer von Mülheim nach Hamburg. Am Mittwoch fordert sie den Club an der Alster im Stadtduell.

Hamburg.  Seit sie fünf Jahre alt sind, hatten sie stets im gleichen Team Hockey gespielt, immer für Uhlenhorst Mülheim, ihren Heimatverein. 17 Jahre lang ging das so – bis ihre zwei Minuten jüngere Zwillingsschwester Maren im Sommer 2020 zum Harvestehuder THC nach Hamburg wechselte. Komisch sei das gewesen, plötzlich getrennt in den Farben aufzulaufen, sagt Katharina Kiefer, und trotzdem: Als die 23-Jährige in diesem Sommer entschied, nach dem Bachelorabschluss ihres Lehramtsstudiums in Köln ebenfalls in den Norden zu ziehen, war die sportliche Wiedervereinigung alles andere als ein Selbstgänger.

Mit dem Club an der Alster, dem Uhlenhorster HC und dem Großflottbeker THGC meldeten auch die anderen drei Hamburger Feldbundesligisten Interesse an der Mittelfeldspielerin an. Dass sie an diesem Mittwoch (19.30 Uhr, Barmbeker Straße) dennoch im schwarzgelben Dress des HTHC das Stadtderby gegen Alster bestreitet, habe nur bedingt mit ihrer Schwester zu tun, sagt Katharina Kiefer. „Natürlich ist es cool, wieder mit ihr in einem Team zu spielen. Aber in den Gesprächen habe ich gemerkt, dass das Familiäre, das der HTHC ausstrahlt, am besten zu mir passt.“

Zwillingsschwestern spielen beim HTHC wieder zusammen Hockey

Eine wichtige Rolle in der Findungsphase spielte auch HTHC-Chefcoach Christian Blunck. Der Olympiasieger von 1992 habe ihr in Gesprächen vermittelt, dass er ihr den Part als Ballverteilerin im Mittelfeld neben Ex-Nationalspielerin Franzisca Hauke zutraue. Dass Blunck wegen beruflicher Überlastung sein Amt aufgeben musste, ist für Katharina Kiefer kein Rückschlag. Unter dem neuen Führungsduo Paul Pongs und Lucas Lampe ist sie weiterhin damit betraut, Ruhe und Struktur ins Spiel zu bringen. „Dieser Stil ist in mir verankert, das ist der wichtigste Input, den ich dem Team geben kann.“

Ihre Fähigkeiten werden längst auch auf höchster Ebene wahrgenommen. Am vorvergangenen Wochenende absolvierte sie in in Brüssel mit den deutschen Damen die ersten beiden Spiele der Pro-League-Saison 2021/22. Zwar gingen die Partien gegen Belgien mit 0:1 und 1:3 verloren, allerdings zeigte die zum Großteil aus Perspektivkaderspielerinnen bestehende Auswahl beachtliche Ansätze.

Realismus trifft auf Herausforderungslust

„Es ist in der nacholympischen Saison, wenn viele A-Kader-Spielerinnen pausieren, die beste Zeit für den Perspektivkader, sich zu zeigen“, sagt sie. Ihre persönliche Chance, noch in das Aufgebot für die WM im Sommer 2022 zu rutschen, schätzt sie zwar als „sehr unrealistisch“ ein, dennoch wolle sie bereit sein, wenn sie gebraucht werde.

Es ist dieser Realismus, gepaart mit der Einstellung, sich jeder Herausforderung zu stellen, der Katharina Kiefer auch für den HTHC wichtig macht. Wie gut es in der Hinrunde der Saison 2021/22 läuft, zeigt ein Blick auf die Tabelle. Mit einem Sieg an diesem Mittwoch könnte man den Tabellenzweiten Alster, der allerdings eine Partie weniger absolviert hat, um zwei Punkte distanzieren. „Natürlich ist Alster das beste Hamburger Team der vergangenen Jahre. Aber ich glaube, dass wir in einem Heimspiel unter Flutlicht durchaus auf Augenhöhe sein können. Immerhin erzählen mir alle beim HTHC, dass Alster es hasst, gegen uns zu spielen“, sagt sie.

„Wer im Halbfinale steht, kann alles erreichen“

Das Derby-Feeling, das sich schon vor dem Duell mit dem UHC am vergangenen Sonntag (1:1) verbreitet hatte, genießt die Neu-Hamburgerin, die ihren Master in Sportwissenschaften macht und mit der ebenfalls aus Mülheim zum Zweitligisten Hamburger Polo Club gewechselten Lucie Hiepen eine Wohnung teilt, ganz besonders. „Aus Mülheim kannte ich das nicht in der Form, und ich muss sagen, dass die Atmosphäre schon eine ganz besondere ist.

Alle reden die ganze Woche über diese Spiele, das reißt einen einfach mit“, sagt die gebürtige Ulmerin, die sich mit dem HTHC das Erreichen der Final-Four-End­runde zum Ziel gesetzt hat. „Das halte ich für realistisch, und wer im Halbfinale steht, kann alles erreichen“, sagt sie. Sogar den deutschen Meistertitel, den sie vor fünf Jahren in der weiblichen Jugend A schon einmal mit ihrer Schwester gewinnen konnte. Katharina Kiefer wird alles geben, damit sich auch dieses gemeinsame Kapitel wiederholt.

Im zweiten Damen-Stadtderby des Mittwochabends empfängt der UHC um 20.15 Uhr am Wesselblek Großflottbek.

( bj )

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