Booster

Das müssen Hamburger jetzt zur Drittimpfung wissen

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Niklas Keller und Christoph Heinemann
Auch in Hamburg gibt es jetzt die Booster-Impfung: Karin Sievers (84) bei ihrer Zweitimpfung im Hospital zum Heiligen Geist in Poppenbüttel. Für Menschen wie sie wird nun eine Auffrischung empfohlen.

Auch in Hamburg gibt es jetzt die Booster-Impfung: Karin Sievers (84) bei ihrer Zweitimpfung im Hospital zum Heiligen Geist in Poppenbüttel. Für Menschen wie sie wird nun eine Auffrischung empfohlen.

Foto: Axel Heimken / picture alliance/dpa

Zunächst soll älteren Menschen ein Angebot gemacht werden. Für eine weitere Gruppe Geimpfter gibt es aber eine Sonderregelung.

Hamburg.  Der Senat ruft deutlich mehr Hamburger dazu auf, den Schutz vor Corona aufzufrischen: Nach der entsprechenden Entscheidung der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfahl Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Mittwoch allen Menschen über 70 Jahren, sich eine weitere Impfdosis verabreichen zu lassen. Dafür können sie neben Arztpraxen auch die städtischen Angebote nutzen. Ebenso wird die Drittimpfung für Mitarbeiter in der Pflege und in medizinischen Berufen mit Patientenkontakt empfohlen. „Mit den Auffrischungsimpfungen können sich jene schützen, die möglichen Ansteckungen wegen ihrer Arbeit besonders ausgesetzt sind, und die Älteren, bei denen eine Erkrankung möglicherweise schwer verlaufen könnte“, sagte Leonhard.

Da bisher nur eine Zulassung des mRNA-Impfstoffs von Biontech vorliegt, werden die Booster-Impfungen mit diesem Impfstoff erfolgen. Der dritte Piks wird frühestens sechs Monate nach der Grundimmunisierung gesetzt. Alle Personen ab 18 Jahren, die mit Johnson & Johnson geimpft wurden, haben schon nach vier Wochen die Möglichkeit auf eine weitere Impfung – dies sei sinnvoll, unterstreicht der Senat, wenngleich eine Dosis des Impfstoffes rechtlich weiterhin als vollständiger Schutz gelte.

Booster: Hamburg setzt Empfehlung der Stiko um

Für jüngere Menschen gilt die Empfehlung nicht – selbst bei erheblichen Vorerkrankungen. Betroffene und andere Interessierte könnten sich aber an ihre niedergelassenen Ärzte wenden. Alle Hamburger über 70 Jahren sollen sich möglichst sechs Monate nach der ersten Immunisierung erneut gegen das Coronavirus impfen lassen. Die Stadt öffnet dafür ihre eigenen Angebote und setzt die entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) um. Auch Bewohner oder Betreute in Pflegeeinrichtungen für alte Menschen gehören mit zum angesprochenen Personenkreis.

Grund ist die höhere Wahrscheinlichkeit für Impfdurchbrüche bei älteren Personen. Hamburgweit beläuft sich deren Quote zwar auf deutlich weniger als ein Prozent der Geimpften – gerade bei älteren Menschen könne eine Infektion aber besonders schwer verlaufen. Mit der Empfehlung der Stiko werden auch Menschen angesprochen, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit durch Ansteckungen gefährdet sind. Dazu gehört Pflegepersonal in ambulanten, teil- oder vollstationären Einrichtungen. In medizinischen Einrichtungen mit direktem Patientenkontakt wird ebenfalls zu einer weiteren Impfung geraten.

Für Bürgerinnen und Bürger, die sich mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft haben, besteht eine zusätzliche Regelung. „Grundsätzlich gilt weiterhin, dass diese Menschen einen vollständigen Impfschutz haben“, sagte Leonhard. „Gleichwohl empfiehlt die Stiko eine Optimierung durch einen mRNA-Impfstoff, wenn die Impfung schon mehr als vier Wochen zurückliegt.“ Personen, die in die Liste der Stiko aufgenommen wurden, können ihre dritte Impfung in erster Linie bei niedergelassenen Hausärzten wahrnehmen. Außerdem ist dies in Krankenhäusern möglich, die Impftermine anbieten. Für Bürger ohne festen Hausarzt sind mobile Impfangebote die erste Anlaufstelle.

Booster in Hamburg mit mRNA-Impfstoff von Biontech

Bewohnern von Pflegeeinrichtungen wird bis zum 27. Dezember ein Auffrischungsangebot gemacht – sie müssen sich nicht aktiv kümmern. Stattdessen werden mobile Impfteams in allen Einrichtungen der stationären Pflege Halt machen. Verimpft wird vorerst nur der mRNA-Impfstoff von Biontech. Andere Vakzine sind bisher nicht für eine solche Anwendung zugelassen.

Viele jüngere Menschen mit Vorerkrankungen stellen sich unterdessen die Frage, ob auch sie Booster-Impfungen in Anspruch nehmen dürfen. „Die Stiko hat nicht angekündigt, wann Auffrischungsimpfungen für junge Menschen kommen sollen“, so Leonhard. Es werde sich aber damit befasst und die Daten ständig ausgewertet. In Senatskreisen heißt es, dass eine deutliche Erweiterung der Stiko-Empfehlung – etwa für jüngere Menschen ohne Vorerkrankungen – bis zum Jahresende eher unwahrscheinlich sei.

Dennoch ist eine Booster-Impfung für jüngere Hamburger nicht unmöglich. Wer sich dafür interessiert, etwa aus medizinischen Gründen, kann das Gespräch mit einem behandelnden Arzt suchen. Eine zügige Empfehlung der Stiko fordert Leonhard jedoch auch nicht. „Meiner Meinung nach hat die Ständige Impfkommission die wichtigsten Themen adressiert. Das sind die Fragen nach der Impfung für Schwangere und Stillende und für autoimmungeschwächte Menschen. Die allermeisten jungen Leute haben ihren vollen Impfschutz noch gar keine sechs Monate“, so Leonhard. „Deshalb sehe ich keine Gefahr im Verzug.“

Booster wird im Impfpass vermerkt

Die dritte Impfung wird im Übrigen wie die erste und zweite im digitalen Impfpass vermerkt. Laut einem Sprecher ist der Vorgang derselbe. Die Geimpften erhalten einen QR-Code, der digital eingelesen und als dritte und aktuellste Impfung in der App angezeigt wird. Dies funktioniere technisch auch reibungslos, heißt es aus der Sozialbehörde.

Dass Impfdurchbrüche bei älteren Hamburgern zwar selten sind, aber ein Risiko bergen, zeigt sich derzeit in der Kursana-Seniorenresidenz in Niendorf. Dort sind fünf Bewohnerinnen und Bewohner sowie ein Mitarbeiter positiv getestet worden, obwohl alle laut einer Sprecherin „mindestens zweimal geimpft“ waren. Insgesamt betrage die Impfquote in dem Pflegeheim mehr als 90 Prozent. Die Covid-19-Patienten zeigten zum Glück bislang nur milde Symptome und befinden sich in Quarantäne.

Diese Corona-Impfstoffe sind in Deutschland zugelassen

  • Biontech/Pfizer: Der erste weltweit zugelassene Impfstoff gegen das Coronavirus wurde maßgeblich in Deutschland entwickelt. Der mRNA-Impfstoff, der unter dem Namen Comirnaty vertrieben wird, entwickelt den vollen Impfschutz nach zwei Dosen und ist für Menschen ab 12 Jahren zugelassen. Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat er eine Wirksamkeit von 95 Prozent – das heißt, die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, sinkt bei Geimpften um den genannten Wert.
  • Astrazeneca: Der Vektorimpfstoff des britischen Pharmaunternehmens wird unter dem Namen Vaxzevria vertrieben. Aufgrund von sehr seltenen schweren Nebenwirkungen (in 31 von 2,4 Millionen Fällen traten bei jüngeren Patienten nach einer Impfung mit Vaxzevria Hirnvenen-Thrombosen auf) empfiehlt die Bundesregierung, den Impfstoff nur für Patienten zu verwenden, die älter als 60 Jahre sind. Offiziell zugelassen ist der Impfstoff aber für Menschen ab 18 Jahren. Vaxzevria weist laut BMG nach zwei Impfdosen eine Wirksamkeit von bis zu 80 Prozent auf.
  • Moderna: Der von dem US-Unternehmen entwickelte mRNA-Impfstoff mit dem Vertriebsnamen Spikevax ist für alle ab 12 Jahren zugelassen. Der Moderna-Impfstoff hat laut BMG eine Wirksamkeit von 95 Prozent, wenn der volle Impfschutz nach zwei Impfdosen erreicht worden ist.
  • Johnson&Johnson: Das US-Unternehmen hat einen Vektorimpfstoff entwickelt, der bereits nach einer Impfdosis den vollen Schutz vor dem Coronavirus entwickelt. Er wird derzeit noch unter dem Namen Covid-19 Vaccine Janssen (Ad26.COV2.S) vertrieben. Das Präparat hat laut BMG eine Wirksamkeit von etwa 65 Prozent. Auch für diesen Impfstoff gilt wegen sehr seltener Nebenwirkungen die Empfehlung, ihn für Patienten zu verwenden, die älter als 60 Jahre sind. Zugelassen ist er ebenfalls ab 18 Jahren.
  • Weitere Impfstoffe sind in der Entwicklung: Weltweit befinden sich diverse Vakzine in verschiedenen Phasen der Zulassung. Die EMA prüft weiterhin die Impfstoffe des deutschen Unternehmens CureVac und des US-Konzerns Novavax, den umstrittenen russischen Impfstoff Sputnik V sowie die Impfstoffe der Hersteller Sinovac und Sanofi.

Insgesamt meldete die Sozialbehörde am Mittwoch 364 neue Infektionen – die Sieben-Tage-Inzidenz stieg deutlich von 69,8 auf 77,1. In Hamburger Krankenhäusern werden aktuell 112 Corona-Patienten behandelt. 34 Menschen sind so schwer erkrankt, dass sie intensivmedizinisch betreut werden müssen.

Skeptisch äußerte sich die Senatorin zum Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die sogenannte epidemische Lage bald enden zu lassen. „Für uns Länder ist es eine schwierige Situation, wenn sie ersatzlos ausläuft“, so Leonhard. Die Einstufung gebe der Stadt die Rechtsgrundlage für Regelungen wie die Maskenpflicht im ÖPNV oder 2G- und 3G-Auflagen. „Wir haben dafür plädiert, dass man das Infektionsschutzgesetz anpasst und weiterhin ermöglicht, grundsätzliche Hygienemaßnahmen aufrecht zu erhalten“, so Leonhard.

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