Wetter Hamburg

Nach dem Herbststurm ist jetzt Entspannung in Sicht

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In St. Peter-Ording trotzten am Freitag etliche Unentwegte den widrigen Bedingungen.

In St. Peter-Ording trotzten am Freitag etliche Unentwegte den widrigen Bedingungen.

Foto: dpa

"Hendrik II" flaut übers Wochenende ab. Heftige Böe auf ostfriesischer Insel. Sturm-Tourismus an der Nordsee. Siel-Probleme in Hamburg.

Hamburg. Der erste ausgewachsene Herbststurm des Jahres ist seit Donnerstagmorgen über den Norden und Hamburg hinweggefegt – und hat zahlreiche Schäden angerichtet. Sturmtief „Hendrik II“ brachte schwere Sturmböen in die Hansestadt und an die Küsten.

In Hamburg kam es einmal mehr zu dem Naturschauspiel einer Sturmflut. Auch am Wochenende bleibt es laut Vorhersage mit Sonne, Wolken und Schauern wechselhaft. Die Temperaturen erreichen Höchstwerte zwischen 11 und 14 Grad.

Unwetter und Sturm im Norden – verfolgen Sie hier die aktuellen Entwicklungen:

DWD: Entspannung am Wochenende

Am Wochenende soll sich das Wetter im Norden weitgehend beruhigen. Es sei mit einem Hochdruckgebiet zu rechnen, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Am Sonnabendmorgen gebe es letzte schwache Schauer. Es wehe ein mäßiger Nordwestwind, der sich im Laufe des Tages abschwäche und auf südliche Richtungen drehe. Bei maximal zwölf Grad wechselten sich bewölkte und freundliche Abschnitten ab.

Hamburg: Viele Pfützen durch verstopfte Siele

In Hamburg wechselten sich am Freitag überall in der Stadt während starke Winde heftige Schauer mit gelegentlichem Sonnenschein ab. Auf einigen Straßen konnte das Regenwasser schon nicht mehr durch die Kanalisation abfließen, weil die Siele durch Laub verstopft sind. Dadurch bildeten sich vielerorts tiefe Pfützen auf den Fahrbahnen.

Herbststurm-Tourismus in St. Peter-Ording

Auch im nordfriesischen St. Peter-Ording (Schleswig-Holstein) wurde der Strand am Freitag erwartungsgemäß von dem Nordsee-Hochwasser überschwemmt. Das Spektakel zog zahlreiche Schaulustige in den Küstenort und dort über die Seebrücke ans Wasser.

In St. Peter-Ording hatte am Donnerstagnachmittag noch eine Familie aus dem Wasser gerettet werden müssen. Diese war auf einer vorgelagerten Sandbank im Süden vom steigenden Wasser eingeschlossen worden. Mit einem Luftkissenboot wurden die Eltern, zwei Kinder und ein Hund von Rettungskräften zurück an Land gebracht.

Böe der Windstärke 11 auf Spiekeroog

Den kräftigen Herbststurm mit teils orkanartigen Böen haben am Freitag besonders die Ostfriesischen Inseln und die Küste weiter zu spüren bekommen. Auf Spiekeroog (siehe auch diesen Eintrag) verzeichnete der Deutsche Wetterdienst (DWD) bis zum frühen Freitagnachmittag eine Böe der Windstärke 11 mit 104 Kilometern pro Stunde.

Trotz allem: Die Polizeidienststellen und Feuerwehren in Niedersachsen meldeten keine größeren Einsätze. „Es ist viel ruhiger als angenommen“, sagte ein Feuerwehrsprecher im Kreis Aurich. Spätestens bis zum Sonnabendmorgen sollte dem Sturm laut Wetterdienst langsam die Puste ausgehen.

Bremer Freimarkt wegen Sturm geschlossen

Bremen ist vergleichsweise glimpflich davongekommen. „Der Sturm ist über uns hinweg gefegt, ohne Schäden anzurichten“, sagte ein dortiger Polizeisprecher am Freitag. Der DWD registrierte im Binnenland, etwa in Bremen, in der Spitze noch Sturmböen der Stärke 8 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometern pro Stunde. Der Bremer Freimarkt öffnete daher wie bereits am Donnerstag vorerst noch nicht am Mittag.

Bahnverkehr hat sich insgesamt beruhigt

Insgesamt hat sich der Bahnverkehr im Norden nach einzelnen Beeinträchtigungen am Vortag im Laufe des Freitags wieder normalisiert. „Es hat sich wieder beruhigt“, sagte eine Bahnsprecherin.

Über größere Verspätungen oder Zugausfälle im Regional- und Fernverkehr sei nichts bekannt. Auch die Bahngesellschaft Erixx meldete auf Nachfrage keine größeren Beeinträchtigungen.

Umgestürzter Baum auf Bahnstrecke – ein Gleis wieder frei

Nachdem am Vormittag ein umgestürzter Baum den Bahnverkehr zwischen Pinneberg und Elmshorn lahm gelegt hatte, ist seit dem Nachmittag wieder ein Gleis frei – die Züge verkehren in beide Richtungen abwechselnd über dieses Gleis. Es kommt aber weiter zu Verspätungen und Ausfällen. Die Reparatur der Oberleitung dauert noch bis in den frühen Abend.

Umgestürzter Baum sorgt für Sperrung wichtiger Bahnstrecke

Die Bahnstrecke zwischen Pinneberg und Elmshorn ist seit 11.20 Uhr gesperrt, nachdem ein Baum in die Oberleitung gefallen ist. Ein Regionalexpress aus Kiel mit Ziel Hamburg mit 164 Reisenden konnte noch vor dem Hindernis stoppen. Der Zug musste wieder zurück nach Elmshorn fahren. Weil die Oberleitung gerissen ist, muss schweres Gerät für die Reparatur herangeschafft werden. Die Sperrung soll mindestens bis zum späten Nachmittag andauern.

Gegen 11.20 Uhr erhielt die Leitstelle der Bundespolizei die Meldung, dass sich ein brennender Baum in der Oberleitung befinden sollte. Daraufhin wurde die Bahnstrecke zwischen Elmshorn und Tornesch gesperrt. Eine Streife der Bundespolizei entdeckte am südlichen Ortsrand von Elmshorn tatsächlich einen Baum, der als Folge des Sturms in die Oberleitung gestürzt war. Dadurch bedingt kam es zu einem Funkenschlag. Die Feuerwehr Elmshorn rückte mit zwei Fahrzeugen und 14 Kräften aus. Zunächst muss die 15.000 Volt umfassende Oberleitung geerdet werden, damit die Einsatzkräfte gefahrlos das Gleis betreten können.

Zwischen Pinneberg und Elmshorn wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Reisende können bis Pinneberg die S-Bahn nutzen. Die Nordbahn weist darauf hin, dass zwischen Pinneberg und Elmshorn sowie Wrist und Elmshorn (RB 61 bzw. RB 71) keine Züge fahren. Zwischen Wrist und Elmshorn verweist die Nordbahn auf die Regionalbahn (RE 70).

Sturm an der Nordseeküste beeinträchtigt Fährverkehr

Sturm und Hochwasser haben am Freitag Einschränkungen im Fährverkehr zu einigen Nordfriesischen Inseln verursacht. Am Freitagmorgen fiel die Fähre von Dagebüll (Kreis Nordfriesland) nach Föhr und von Föhr nach Amrum aus, teilte die Wyker Dampfschiffs-Reederei mit. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie sagte erhöhtes Hochwasser auch für Freitagnachmittag voraus. Der Fahrplan sei angepasst worden, sagte ein Sprecher der Reederei. Vom Hafen Schlüttsiel aus gab es am Freitag keine Schiffsverbindung zu den Halligen.

Auch zu einigen Ostfriesischen Inseln fielen Fähren aus oder wurden verschoben. Betroffen waren etwa Verbindungen von und nach Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge, wie die Fährbetriebe mitteilten. Grund waren vor allem höhere zu erwartende Wasserstände. Der Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erwartete für das Mittags- und Nachmittagshochwasser an der Küste erneut eine leichte Sturmflut.

Demnach sollte die Flut rund einen Meter höher auflaufen als das mittlere Tidehochwasser. Strände, Vorländer und auch Hafenbereiche könnten dann erneut überflutet werden. Für die Küstenschutzbauwerke sind solche leichten Sturmfluten, die statistisch bis zu zehn Mal in der Saison auftreten können, laut NLWKN keine größere Herausforderung. Zum Wochenende sollte sich die Situation wieder entspannen.

Hamburger Hafen: Windböen reißen Containerfrachter los

Bereits am Donnerstagvormittag rissen im Hamburger Hafen starke Windböen den 369 Meter langen Containerfrachter „Cosco Belgium“ los. Zunächst waren zwei Festmacherleinen gebrochen. Anschließend wurden weitere der dicken Halteseile gekappt, damit nicht auch sie brechen.

Das Schiff trieb daraufhin in Richtung Ellerholzhafen. Dabei kollidierte der Frachter mir der Kaimauer. Es gab Schaden am Schiff und an der Hafenanlage. Unter anderem wurde ein Leuchtfeuer abgeknickt.

Behörde warnt vor weiterer Sturmflut in Hamburg

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie und die Hamburger Innenbehörde warnten am Freitagmorgen vor einer weiteren Sturmflut am Abend. Der Hochwasserscheitel werde gegen 18.42 Uhr am Pegel St. Pauli mit einer Höhe von 3,40 bis 3,90 Metern über Normalhöhennull erwartet – das entspricht 1,25 Meter bis 1,75 Meter über dem mittleren Hochwasser. Auch das Warnsystem Katwarn informierte über die anstehende Sturmflut.

Herbststurm flaut ab – aber weiter orkanartige Böen möglich

Es bleibt ungemütlich im Norden: Der Deutsche Wetterdienst warnt an den Küsten vor schweren Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten zwischen 80 und 95 Kilometern pro Stunde. Am Nachmittag flaut der Wind dann ab, es sind jedoch bis zum Abend einzelne Gewitter möglich, an der Nordsee zum Teil mit orkanartigen Böen mit bis zu 110 Stundenkilometern.

Auch auf dem Brocken im Harz werden orkanartige Böen von bis zu 120 Kilometern pro Stunde erwartet. Zum Abend hin soll sich die Wetterlage den Prognosen zufolge beruhigen.

Sturmtief: Windböe erfasst Auto in Niedersachsen

Eine Autofahrerin ist am Donnerstag mit ihrem Wagen bei stürmischem Wetter auf der Autobahn 31 nahe Wietmarschen (Landkreis Grafschaft Bentheim) verunglückt. Eine Polizeisprecherin sagte, die Frau habe angegeben, ihr Wagen sei von einer Windböe erfasst worden. Daraufhin verlor die Fahrerin die Kontrolle und kam nach rechts von der Fahrbahn ab. Der Wagen überschlug sich und blieb auf der Fahrerseite liegen.

Weitere Sturmflut in Hamburg am Freitag?

Nach dem ersten Herbststurm sind an der nordfriesischen Küste deutlich erhöhte Wasserstände gemessen worden. Die höchsten Werte wurden am Eidersperrwerk und in Husum erreicht, wie eine Sprecherin des Bundesamtes für Schifffahrt und Hydrographie (BSH) mitteilte. Die Sturmflutmarke von 1,5 Metern über dem mittleren Hochwasser wurde jedoch nicht überschritten.

Auch in Hamburg lag der Höchststand laut BSH mit 1,44 Metern am Freitagmorgen knapp unter der Sturmflutgrenze. Der Fischmarkt wurde nicht erneut überschwemmt. Ob im Laufe des Freitags weitere Sturmfluten möglich sind, konnte das BSH zunächst nicht sagen. In jedem Fall bleibt es weiterhin stürmisch.

Sturmbilanz: 51 Einsätze für die Feuerwehr Hamburg

Der erste Herbststurm des Jahres hatte am Donnerstag in Hamburg nur geringe Schäden angerichtet. Die Feuerwehr verzeichnete im Zeitraum von 6 bis 19 Uhr 51 wetterbedingte Einsätze. "Es ist nicht so schlimm gekommen wie angekündigt", sagte ein Feuerwehrsprecher am Freitagmorgen.

"Es handelte sich in der Vielzahl um Einsätze mit dem Stichwort 'Droht zu fallen', bei denen Bäume oder Äste drohten, auf Verkehrswege zu fallen oder diese bereits um- bzw. herabgestürzt sind", teilte die Feuerwehr mit. Durch die zeitweisen starken Regenschauer sowie durch mit Herbstlaub verstopften Siele und Einläufe kam es ebenfalls zu Einsätzen mit dem Stichwort „Wasser“, bei denen sich das Regenwasser auf der Straße sammelte und nicht abfließen konnte. Menschen wurden nicht verletzt.

In der Beisserstraße in Hamburg-Ohlsdorf waren wegen des starken Sturms zwei 15 Meter hohe Bäume umgestürzt. Ein Baum lag auf der Straße und einem Auto, der zweite Baum lehnte an ein viergeschossiges Mehrfamilienhaus. "Nachdem der Straßenbereich zügig geräumt werden konnten, wurde mit Hilfe einer Drehleiter sowie des Krans der Technik- und Umweltschutzwache der Feuerwehr Hamburg der zweite Baum entfernt und abgelegt", so Feuerwehrsprecher Dennis Diekmann. Der Einsatz dauerte drei Stunden.

Sturm: Gewerbehalle in Ahrensburg stark beschädigt

Im Gewerbegebiet in Ahrensburg ist am späten Donnerstagabend eine Produktionshalle durch den Sturm stark beschädigt worden. Die Seitenwände lösten sich und die Stahlträger waren verbogen, sagte ein Sprecher der Regionalleitstelle Süd dem Abendblatt.

Ein Statiker wurde noch am Abend zur Einsatzstelle gerufen. "Die Schäden waren so massiv, dass das Betreten der Halle vorerst verboten ist", so der Sprecher. Verletzt wurde niemand.

Unwetter und Sturm im Norden – die Meldungen vom 21. Oktober:

Polizei muss Mädchen am Fischmarkt helfen

Bei der Überschwemmung des Hamburger Fischmarktes (siehe auch diesen Eintrag) ist es am Abend zu einem Polizeieinsatz gekommen. Beamte mussten an einer Brüstung einem Mädchen helfen.

Die Neunjährige habe zwar noch im Trockenen gestanden, doch das Wasser um sie herum sei bis zu 50 Zentimeter hoch gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten das Kind in Sicherheit gebracht. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung über den Vorfall berichtet.

Flugzeuge starten durch – neue Sturmflut erwartet

Wegen des teilweise heftigen Sturms im Norden sind am Nachmittag drei Flugzeuge auf der Start- und Landebahn am Hamburger Flughafen durchgestartet. Dies sei allerdings nichts Ungewöhnliches, teilte Fabio Ramos, der Pressesprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS) mit. "Das ist eine klassische Herbststurm-Situation", sagte er dem Abendblatt.

Derweil wird Hamburg auch am Freitagmorgen eine Sturmflut erleben. Dann soll der Wasserpegel auf 3,65 Meter steigen und damit 1,50 Meter über dem mittleren Hochwasser liegen. Das teilte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) auf Anfrage mit. Sollte diese Warnung eintreffen, wäre der Fischmarkt erneut überflutet. Auch an der gesamten Nordseeküste werden weitere Sturmfluten erwartet.

Sturmflut in Hamburg: Fischmarkt unter Wasser

Hamburg hat am frühen Abend einmal mehr eine Sturmflut erlebt. Der Fischmarkt stand wie schon so häufig unter Wasser. Zuvor hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) vor eben diesem Schauspiel gewarnt und die Wasserstände leicht nach oben korrigiert.

So erreichte der Hochwasserscheitel am Pegel St. Pauli eine Höhe von 3,77 Metern über Normalhöhennull – das entspricht 1,72 Meter über dem mittleren Hochwasser. Zahlreiche Hamburger sahen sich das Naturschauspiel an.

Herbststurm sorgt neben reichlich Wind für Verwirrung

Das erste Sturmtief des Herbstes heißt „Hendrik“ – und sorgte damit für einige Verwirrung. Denn neben „Hendrik“ war auch Tief „Ignatz“ wetterbestimmend, zumindest bis Mittwoch, erklärte der Deutsche Wetterdienst (DWD). Nachts habe sich dann ein Teiltief mit Namen „Hendrik II“ hervorgetan – und sei letztlich für den Sturm am Donnerstag verantwortlich gewesen. Der genaue Hergang müsse noch geklärt werden, heißt es beim DWD.

Die Namensgebung bei wetterbestimmenden Tief- und Hochdruckgebieten erfolgt nach einer alphabetischen Liste durch das Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin. Dazu werden für einen dreistelligen Betrag Patenschaften vergeben. Als nächstes folgt demnach „Jascha“.

Sturm: Schäden der Versicherung zügig melden

Sturmschäden an Gebäuden sind meist von Versicherungen gedeckt. Die Gebäudeversicherung bietet Schutz gegen Sturm und Hagel, Feuer und Leitungswasser, erklärt die Verbraucherzentrale NRW. Sie übernimmt die Kosten für Schäden am Haus, wie etwa abgedeckte Dächer, zerstörte Schornsteine oder Schäden am Haus durch umgefallene Bäume.

Die Gebäudeversicherung zahlt auch für Folgeschäden, wenn durch das vom Sturm beschädigte Dach oder kaputte Fenster, Regen eindringt und Wände oder Fußböden beschädigt werden. Wichtig: Entstandene Schäden sollten der Versicherung möglichst bald angezeigt werden.

Autofahrerin durch umgestürzten Baum verletzt

Der erste Herbststurm bereitet den Feuerwehren in Niedersachsen vor allem Einsätze wegen umgekippter Bäume. In Wolfsburg stürzte wegen des Sturms ein Baum auf zwei geparkte Autos, wie die Polizei mitteilte. Eine 20 Jahre alte Autofahrerin hatte dabei den Beamten zufolge großes Glück. Der Baum verfehlte demnach die Frau nur um wenige Zentimeter, als diese gerade aus ihrem Auto stieg. Ein Ast traf die Frau aber am Kopf – sie kam in eine Klinik.

Auch in und um Göttingen, Hannover und Oldenburg waren Feuerwehren wegen des Sturmtiefs im Einsatz. Bei fast allen Einsätzen gehe es darum, Bäume von den Straßen zu räumen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr in Göttingen. Dort wurden in Stadt und Kreis bis zum Mittag 56 Sturm-Einsätze registriert. Die Regionalleitstelle Hannover meldete bis zum Vormittag in der gesamten Region Hannover 25 sturmbedingte Einsätze.

Zoos und Friedhöfe wegen Herbststurms geschlossen

Wegen des Sturms sind am Donnerstag in Mecklenburg-Vorpommern mehrere Zoos und Friedhöfe vorsorglich geschlossen worden. "Wir gehen auf Nummer sicher, da wir über einen sehr hohen Baumbestand verfügen und darüber hinaus wahrscheinlich wieder zahlreiche Aufräumarbeiten durch heruntergefallene Äste anfallen", sagte die Direktorin des Rostocker Zoos, Antje Angeli.

Auch der Tierpark in Wolgast (Landkreis Vorpommern-Greifswald) sowie der Zoo Stralsund (Landkreis Vorpommern-Rügen) öffneten am Donnerstag wegen der Warnungen vor schweren bis orkanartigen Sturmböen nicht. Die Landeshauptstadt Schwerin schloss nach einer Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes den Waldfriedhof und den Alten Friedhof. Äste könnten herabfallen oder Bäume umstürzen, teilte die Stadtverwaltung mit.

Sturm: Feuerwehr Hamburg musste bislang 35mal ausrücken

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Hamburg mussten bis 13.30 Uhr 35mal ausrücken. In erster Linie handelte es sich um umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste. Verletzt wurde niemand.

Weiterhin Störungen im Bahnverkehr im Norden

Wegen eines umgestürzten Baumes musste die Strecke Lüneburg–Lauenburg zwischenzeitlich gesperrt werden. Erster durchfahrender Zug ab Lauenburg sei um um 14.01 Uhr und ab Lüneburg um 14.30 Uhr geplant, wie die Deutsche Bahn via Twitter mitteilte. Es sei jedoch noch mit Verspätungen und Zugausfällen zu rechnen.

Auch der Regional-Express RE72 zwischen Flensburg und Eckernförde muss wegen eines umgestürzten Baumes ausfallen.

Vereinzelt komme es zudem zu Verspätungen auf Strecken bei Northeim und Richtung Küste, sagte eine Bahnsprecherin. Fahrgäste sollten sich vor Fahrtantritt etwa im Internet über ihre Verbindungen informieren. Die Bahngesellschaft Erixx meldete im Harz und in der Heide auf einigen Linien Störungen durch Äste und Bäume in den Gleisen.

Wirbelsturm bei Kiel hinterlässt "Schneise der Verwüstung"

Ein Wirbelsturm hat am Donnerstagmorgen schwere Schäden in Schwentinental bei Kiel angerichtet. Feuerwehr-Einsatzleiter Kai Lässig berichtete, er habe den Rüssel des Wirbelsturms selbst gesehen. Der Sturm habe im Ort eine "Schneise der Verwüstung" auf etwa 100 Metern Breite hinterlassen. Ob der DWD den Sturm als Tornado einstuft, werde geprüft, wenn Meldungen dazu eingegangen seien, sagte ein Sprecher.

Mehrere Häuser seien schwer beschädigt worden, berichtete Lässig weiter. Bäume seien umgestürzt und hätten Autos unter sich begraben. Verletzte gab es nach seinen Angaben nicht. Der Sturm sei gegen 7.30 Uhr aus Richtung Kiel durch den Ort gezogen. Er habe unter anderem Gartenhäuser, Wintergärten und Gewächshäuser zerstört.

Auch an anderen Orten in Schleswig-Holstein stürzte der Sturm Bäume um. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes gehörte Schleswig-Holstein am Morgen allerdings zu den Bundesländern mit den geringsten Windgeschwindigkeiten in Deutschland. Die stärkste Böe wurde in Travemünde mit 89 Kilometern pro Stunde gemessen.

Sturm trifft Niedersachsen mit bis zu 90 km/h

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometern hat der erste kräftigere Herbststurm am Donnerstag Niedersachsen erreicht. Vor allem im Harz kippten zahlreiche Bäume um und versperrten auch einige Straßen, wie der Nationalpark und die Polizei mitteilten. „Größere Schäden sind uns bislang nicht bekannt“, sagte ein Sprecher der Polizei in Goslar. Die Landesforsten und der Nationalpark warnten davor, Wälder zu betreten. „Jetzt in den Wald zu gehen, ist absolut unverantwortlich. Auch wenn der Sturm abgeflaut ist, dann können Bäume noch jederzeit umfallen“, warnte Friedhart Knolle vom Nationalpark Harz.

Auf der Nordseeinsel Spiekeroog und in Hameln (Landkreis Hameln-Pyrmont) registrierte der Deutsche Wetterdienst die bislang höchsten Windgeschwindigkeiten in Niedersachsen von rund 90 km/h. Im Harz, etwa in Braunlage, wurden Böen mit 85 Stundenkilometern gemessen. Auf dem höchsten Berg Norddeutschlands, dem Brocken in Sachsen-Anhalt, erreichte der Sturm sogar Orkanstärke. Dort wurden am Donnerstagmorgen Böen mit 147 Stundenkilometern gemessen.

Probleme im Bahn- und Fährverkehr in Niedersachsen

Der Sturm beeinträchtigte zum Teil den Bahn- und Fährverkehr in Niedersachsen. Die Bahngesellschaft Erixx meldete im Harz und in der Heide auf einigen Linien Störungen durch Äste und Bäume im Gleis. An der Küste lief der Fährverkehr weitgehend uneingeschränkt. Lediglich kleinere Schnellfähren, etwa zur Insel Norderney, fielen aus – und auch bei den Fähren zwischen Wangerooge und Harlesiel wurden mehrere Verbindungen wegen zu erwartenden höheren Wasserständen abgesagt, teilte die Bahn mit, die den Fährverkehr dort betreibt.

Sturm – dramatische Lage auf dem Brocken

Auf dem Brocken sei die Sturm-Lage bereits am Mittwoch dramatisch gewesen, sagte Friedhart Knolle vom Nationalpark Harz. Besonders Touristen seien unverantwortlich gewesen. Bilder vom Gipfel zeigten demnach Kinder, die dort herumwirbelten und sich nicht mehr hätten halten können sowie Erwachsene mit Kinderwagen. „Das ist absolut unverantwortlich. Sowas kann schnell zu Toten führen“, sagte Knolle. Zurzeit sind in Niedersachsen und Bremen Herbstferien.

Wildgehege Klövensteen schließt wegen des Sturms

Wegen des Sturms schließt Altonas Wildpark kurzfristig seine Pforten, wie das Bezirksamt Altona mitteilte. Mit dieser Entscheidung sollen Besucher des Wildgeheges Klövensteen vor möglichen Folgen des aktuellen Sturmereignisses geschützt werden. "Durch die starken Winde ist es durchaus möglich, dass herunterfallende Äste eine Gefahrenlage darstellen können", heißt es weiter.

Sollte sich an der Situation am Freitag nichts ändern, ist auch dann eine temporäre Schließung möglich.

Flachdach weht auf Gleise – Feuerwehr evakuiert Zug

Das Sturmtief "Ignatz" bescherte auch der Feuerwehr in Neumünster viele Einsätze. Ab 7 Uhr habe es innerhalb kurzer Zeit mehr als 20 Alarmierungen gegeben, sagte ein Feuerwehrsprecher am Vormittag dem Abendblatt. Unter anderem hatte eine Sturmböe ein Flachdach auf die Bahnstrecke der AKN geweht.

"Der Zug fuhr über die Bleche, die sich daraufhin verkeilten", sagte der Feuerwehrsprecher. Verletzte wurde niemand. "Jedoch musste der Zug, in dem sich rund 200 Fahrgäste befanden, evakuiert werden." Die Personen gelangten über eine Leiter aus der Bahn und konnten ihre Fahrt per Bus fortsetzen.

Zudem mussten sich die Einsatzkräfte in Neumünster um rund 20 umgestürzte Bäume kümmern, die zum Teil Straßen blockierten.

Zoo Osnabrück schließt wegen des Sturms

Wegen des Sturmtiefs „Ignatz“ bleibt der Zoo in Osnabrück am Donnerstag geschlossen. Da der Deutsche Wetterdienst Sturmböen von bis zu 110 Kilometern in der Stunde voraussage, wolle der Zoo weder die Gesundheit von Besuchern noch von Tieren gefährden, teilte das Unternehmen mit. Die Tiere sollen nach Möglichkeit in den Stallungen bleiben. Am Freitag werde voraussichtlich wieder geöffnet.

Baum fällt auf Auto und Mehrfamilienhaus in Hamburg

In Hamburg-Ohlsdorf ist am Donnerstagmorgen wegen des Sturms ein etwa 15 Meter hoher Baum auf ein Auto und ein vierstöckiges Mehrfamilienhaus gestürzt. Die Feuerwehr sei mit einem Kran und einem Drehleiterfahrzeug vor Ort, um den Baum von oben nach unten abzutragen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Verletzt wurde niemand.

Baum stürzt auf Oberleitung: Bahnverkehr beeinträchtigt

Ein auf eine Oberleitung gestürzter Baum hat am Donnerstagmorgen für Beeinträchtigungen im Zugverkehr zwischen Hamburg und Kiel sowie Flensburg gesorgt. Die Meldung sei gegen 7.30 Uhr eingegangen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Die Oberleitung auf der Strecke zwischen Neumünster und Rendsburg musste repariert werden. Es kam zu Verspätungen.

Zudem kam es durch den Sturm auch auf anderen Linien zu Behinderungen. Betroffen waren etwa auch der Regionalexpress von Hannover nach Norddeich und von Hannover nach Bremerhaven sowie S-Bahn-Linien rund um Hannover.

Kurzlebige Tornados in der Nordhälfte nicht ausgeschlossen

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet in Niedersachsen mit Windstärken von 100 bis 105 km/h aus westlicher Richtung. Auch kurzlebige Tornados seien in der Nordhälfte Deutschlands nicht völlig auszuschließen. Dazu gibt es laut DWD immer wieder Schauer und stellenweise Gewitter. Die Temperaturen erreichen etwa 12 Grad im Norden und bis zu 16 Grad im Harz.

Den Lagezentren der Polizei lagen am Donnerstagmorgen zunächst keine größeren Schadensmeldungen vor. Vereinzelt seien Bäume auf die Straße gefallen, hieß es etwa aus Osnabrück. Am Mittwochabend war in Delmenhorst ein Mann von einem herabstürzenden Ast getroffen, aber nur leicht verletzt worden, teilte die Polizei mit.

Sturm Hamburg: Baum stürzt gegen Wohnhaus

Ein Sprecher der Hamburger Feuerwehr sprach gegen 7.30 Uhr von rund einem Dutzend sturm- und regenbedingten Einsätzen in Hamburg. "Die Lage ist im Augenblick aber noch überschaubar", sagte er. In Lohbrügge stürzte ein Baum gegen ein Wohnhaus. Am Curslacker Heerweg in Bergedorf drohte ein 15 Meter hoher Baum, auf einen Carport zu fallen. An der Strietkoppel in Billstedt fiel ein weiter Baum auf ein Auto und begrub es unter sich.

Unwetter Hamburg – Elbtunnel zwischenzeitlich gesperrt

Die Wassermassen sorgten auch im Berufsverkehr für erhebliche Probleme. So musste der Elbtunnel nach Auskunft der Verkehrsleitzentrale gegen 6.15 wegen zu viel Wasser auf der Fahrbahn kurzzeitig gesperrt werden. Er ist mittlerweile aber wieder freigegeben.

Gefahr einer Sturmflut auf Norderney und in Cuxhaven

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz weist ebenfalls auf die Gefahr "leichter Sturmfluten" in den Gebieten Norderney, Bensersiel, Emden, Wilhelmshaven, Cuxhaven Bremerhaven hin. Die Warnung gilt für Donnerstag und Freitag. Überflutungsgefahr besteht für Strände, Vorländer und Hafenflächen.

Orkan an der Ostsee – Gewitter an der Nordsee

Im Harz wurden bereits am Mittwoch stürmische Böen erwartet. Und der Wind legt am Donnerstag noch mal zu. "In den Hochlagen vom Harz sind um die 150 bis 160 km/h möglich – das ist voller Orkan", sagt Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. An der Ostsee müsse mit Orkanböen bis 120 km/h gerechnet werden. "Ein sehr gefährlicher Tag", so der Wetterexperte.

( coe/bob/wal/cjl/kol/zv/dpa )

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