Amoklauf in Norwegen

Hamburger "Nebelhexe" unter den Todesopfern von Kongsberg

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Auch die Hamburgerin Andrea Haugen starb bei dem Amoklauf in Kongsberg (Norwegen).

Auch die Hamburgerin Andrea Haugen starb bei dem Amoklauf in Kongsberg (Norwegen).

Foto: IMAGO / TT/ AFP

Andrea Haugen (52) starb bei dem Amoklauf in Norwegen. Die Hamburgerin war als Songschreiberin und Autorin bekannt.

Hamburg/Kongsberg. In der Dark-Metal-Szene war Andrea Haugen bekannt. Als „Nebelhexe“ schrieb die gebürtige Norddeutsche Songs und Bücher. Sie ist eines der Opfer von Amokläufer Espen Andersen Brathen. Der 37 Jahre alte Mann hatte nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden am vergangenen Mittwoch fünf Menschen mit Pfeil und Bogen und einem Messer in dem norwegischen Ort Kongsberg getötet, bevor er von der Polizei überwältigt und festgenommen wurde.

Die 52-jährige Haugen, die zeitweise in Hamburg gelebt haben soll, war im Apartment ihrer Nachbarin und Freundin Hanne Merethe Englund (56) getötet worden. Der Täter hatte dort beide Frauen überrascht und ermordet. In dem Ort war es üblich, das viele Wohnungstüren unverschlossen blieben. So konnte der Amokläufer problemlos dort eindringen.

Andrea Haugen schrieb als „Nebelhexe“ Bücher

Haugen, die in Hannover geboren wurde, war schon vor Jahren nach Norwegen gezogen. Dort war sie mit Tomas Haugen, Gitarrist der Black-Metal-Band „Emperor“ verheiratet. Mit ihm hatte sie auch eine Tochter. Deutschland hatte Andrea Haugen bereits vor gut 30 Jahren verlassen. Sie zog 1990 nach London und wollte zunächst Model werden. In London tauchte sie in heidnische Kreise ein, beschäftigte sich mit Okkultismus und Esoterik.

Nach Norwegen kam sie, nachdem sie auf einer Tournee ihren späteren Mann kennengelernt hatte, von dem sie vor ihrem Tod bereits geschieden war. In Norwegen, so sagte sie einmal in einem Interview, sei sie Mitglied einer Mittelalterkampfgruppe und einer Wikingergruppe gewesen. Später hatte sie sich dieser Szene wieder abgewandt. Den Namen „Nebelhexe“ verwendete sie erst ab 2002. Von ihr stammen Bücher wie „The Dark Side of Dreaming“ oder das 2009 veröffentlichte Album „Dead Waters“. Außerdem hatte sie eine Kolumne in einem Metal-Magazin.

Amoklauf in Norwegen: Täter in Psychiatrie

Nach Deutschland kam Andrea Haugen nur selten – beispielsweise zu Auftritten. So wie 2005 beim Gothic-Treffen in Leipzig. In Norwegen hat inzwischen eine Trauerfeier für die Opfer stattgefunden, an dem auch das norwegische Kronprinzenpaar Haakon und Mette teilnahm. Ob Andrea Haugen dort beigesetzt wird, wurde nicht bekannt.

Der Täter sitzt in der Psychiatrie. Zunächst war von einem islamistisch motivierten Anschlag ausgegangen worden. Mittlerweile wird der Mann, der bereits in den vergangenen Jahren den norwegischen Sicherheitsbehörden aufgefallen war, als geisteskrank eingestuft. Kritik gibt es an der örtlichen Polizei. Beamte, die der Täter in einem Supermarkt angegriffen hatte, hatten ihn nicht überwältigen können.

( zv )

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