Pflanzenheilkunde

Malve, Melisse und Manukahonig: Gegen jeden Husten ein Kraut

| Lesedauer: 6 Minuten
Camilla John
Nina Heine ist Gesundheitscoachin und Mutter von drei Schulkindern.

Nina Heine ist Gesundheitscoachin und Mutter von drei Schulkindern.

Foto: Mark Sandten / Funke Foto Services

Welche Heilpflanzen tun Kindern wann gut? Das erklärt Nina Heine – und sie weiß auch, wann es mal ein Franzbrötchen sein muss.

Hamburg. Das Getränk, das Nina Heine im Podcast-Studio am Großen Burstah zubereitet, gleicht einem Kunstwerk – ein kleines, einfaches Naturschauspiel voller Schönheit: Sprudelwasser mit Malvenblüten. Lila-rosa färbt sich das Getränk, oben schwimmen die getrockneten Blüten, es duftet wie auf einer gemähten Sommerwiese.

„Die Malve ist eine Schleimdroge und enthält Schleimstoffe, man legt ein Mazerat an, einen Kaltauszug, den man im Fall von trockenem Husten oder bei Reizung der Speiseröhre oder Sodbrennen nutzt. Da helfen Kräuter mit Schleimstoffen. Dann legt sich das ganz sacht wie ein Pflaster über die Schleimhäute. Gerade Kinder finden es spannend“, sagt Heine und drückt dabei die Trockenblüten unter die Wasseroberfläche.

Gegen Husten und Co: Wie Heilpflanzen Kindern helfen können

Und damit sind wir mittendrin im Thema, mittendrin in der Phythothe­rapie. Alltagssprachlich ausgedrückt ist es die Pflanzenheilkunde oder das Arbeiten mit Kräutern, einem Metier, dem sich Heine seit 2017 hauptberuflich widmet.

Gerade jetzt in Zeiten von Schnoddernase, schier unendlichen Kleinkind­infekten, Fieber und Mittelohrentzündungen, Erkrankungen, die Kitas und Grundschulklassen beuteln und Eltern schier zum Verzweifeln bringen, wird nach Abhilfe gesucht. „Ich kann Familien beraten und Wege ab von der Schulmedizin aufzeigen. Es sind vielfach Fragen bei Erkältungskrankheiten, der Wunsch nach einem Kraut, das gegen die vielen Infekte wirkt, ist da“, sagt Heine.

Expertin berät Unternehmen und Privatpersonen

Die Hamburgerin führte lange eine Agentur, ist Mutter dreier Schulkinder und liebt das Arbeiten mit Kräutern und Pflanzen. Deshalb berät sie nun neben Unternehmen und Berufsgenossenschaften auch Privatpersonen. „Ich finde, es ist so sehr nachvollziehbar und wissenschaftlich begründbar: Es ist das Wissen unserer Vorfahren, wir stehen eng mit der Natur in Verbindung, es ist ein Kreislauf“, sagt sie.

„Die Menschen haben sich aus der Natur ernährt, und über das Probieren von Pflanzen hat man herausgefunden, dass durch Einnahme verschiedener Pflanzen beispielsweise die Herzkraft gestärkt wird oder ein anderes nimmt den Durchfall weg. Darauf basiert die rationale Phytotherapie.“

„Ich möchte Menschen befähigen“

Die Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Behandlungsmethoden der Welt und basiert neben dem uralten Wissen und Erfahrungsschatz auf Wirksamkeitsuntersuchungen. Abzugrenzen ist sie hin zur Homöopathie mit ihren Tinkturen und Globuli. „Es ist ja auch richtig, dass diese auch aus Pflanzen hergestellt sind, aber ansonsten ist es ein anderes Prinzip“, sagt Heine.

Sie kam vor drei Jahrzehnten erstmals mit dem Thema in Berührung, ihre Mutter hatte eine Krebserkrankung, Heine lernte die alternative Medizin und TCM als Begleitung zur Schulmedizin kennen.

Neben der Kindergesundheit geht es ihr darum, dass ihre Klienten ihre Gesundheit selbst in die Hand nehmen. „Ich möchte Menschen dazu befähigen, dass sie anders mit ihren behandelnden Ärzten sprechen können und ihre Ernährung optimieren. Die Familie gesund zu erhalten ist dabei oft ein Thema.“

Teuer, aber sehr lecker und reichhaltig: Manukahonig

Im Podcast erzählt sie außerdem von einem komplexen Fallbeispiel eines Mädchens, das Psychopharmaka wegen manifestierten Ängsten einnehmen sollte. „Ich konnte Ideen an die Hand geben, welche Pflanzen in Teeform unterstützen könnten.“ Zudem schlug sie in Kooperation mit der behandelnden Psychotherapeutin eine Klopftherapie vor.

„Die Infektwellen sind eine ganz wichtige Zeit für die Kinder, da sich das Immunsystem dadurch aufbaut.“ Ein Trost für die kleinen Patienten. Zudem hat Heine sehr gut schmeckende Mittel in ihrem Repertoire: „Was wir immer zu Hause haben, ist Manukahonig, falls der Hals anfängt zu kratzen. Der ist wahnsinnig teuer und potent mit sehr hohem Wirkstoffgehalt.“

Mit Melissentee können Kinder Ruhe finden

Deshalb wird er bei den Arzneimitteln aufbewahrt, ein Teelöffelchen darf bei kratzendem Hals gelutscht werden. „Auch frische Minze, die frische Pflanze habe ich sehr gern, aber nicht so lange ziehen lassen“, sagt sie. Nach zehn Minuten reiche es, und der Tee sei fertig zum Trinken.

Die Kräuter und Arzneitees selbst solle man im gut sortieren Kräuterladen oder der Apotheke kaufen. Auch im Alltag können Pflanzen in der Familie helfen, bei Schulstress und Hibbeligkeit kann Melisse in Teeform gegeben werden, je kleiner das Kind, desto sanfter dosieren, erklärt Heine. „Auch das ätherische Öl zu riechen kann schon helfen für mehr Klarheit – oder es gibt mittlerweile kleine Rollsticks bei leichten Kopfschmerzen aus dem Drogeriemarkt.“

Die Taigawurzel kann gestressten Schülern helfen

Für junge Studenten, die heftige Prüfungsphasen vor sich haben, Schüler im Abistress oder ältere Jugendliche in anstrengenden Phasen können Adaptogene – Pflanzen, die helfen, Körper und geist bei Stresssituationen anzupassen wie Rosenwurz oder Taigawurzel, die die Leistungsfähigkeit steigert und das Immunsystem stärken – helfen. Auch Ginseng zähle dazu. „Aber: Es ist auch Biodoping. Man sollte zuerst einmal gucken, kann ich auch die Umstände ändern? Beispielsweise mehr schlafen und Wasser trinken“, sagt die Expertin Nina Heine.

Gutes Wasser und viel Flüssigkeit und mal eine Walnuss sind oft günstiger und wirkungsvoller als eine Tablette als Biodoping. Dann kommt das Franzbrötchen ins Spiel: „Es gibt so etwas wie Seelennahrung, und wenn mein Kind gerade zum Beispiel eine Arbeit verhauen hat, dann braucht es keinen Kräutertee, sondern dann darf es das Lieblingsgebäck vom Bäcker sein.“

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