Corona Hamburg

Wie die Pandemie die Digitalisierung der Schule beschleunigt

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Peter Ulrich Meyer
Homeschooling in Zeiten von Corona – Videounterricht wurde schnell zur neuen Normalität.

Homeschooling in Zeiten von Corona – Videounterricht wurde schnell zur neuen Normalität.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Vor der Pandemie wurden Videokonferenzen fast gar nicht genutzt – inzwischen sind digitale Konferenzen und Unterricht alltäglich.

Hamburg. Zwei schlichte Zahlen verdeutlichen, wie stark die Corona-Pandemie den Unterricht und damit auch das Schulleben verändert hat: Vor Beginn der Masseninfektionen mit dem neuartigen Virus nutzten lediglich sechs Prozent der staatlichen allgemeinbildenden Schulen in Hamburg Videokonferenzsysteme in der täglichen Arbeit. Bei einer Umfrage der Schulbehörde im Juni 2021 gaben 95 Prozent der Schulen an, „oft oder sehr oft“ Videotechnik während der Pandemie im Wechsel- oder Fernunterricht eingesetzt zu haben.

„Der Zuwachs von 89 Prozentpunkten zeigt, welche Anstrengungen von Seiten der Lehrkräfte, den Schulleitungen und der für Bildung zuständigen Behörde in der Ausnahmesituation der Pandemie unternommen wurden“, heißt es in der Antwort auf das bürgerschaftliche Ersuchen „Änderung des Schulgesetzes zur Ermöglichung der Übertragung von Unterricht“, das der Senat dem Parlament jetzt zugeleitet hat.

Video-Unterricht wegen Corona: Hamburger Senat musste Schulgesetz ändern

Die Daten zeigten zudem, „wie stark eine generelle Bereitschaft der Lehrerinnen und Lehrer der staatlichen Hamburger Schulen ausgeprägt ist, sich mit digital unterstützten Unterrichtsszenarien auseinanderzusetzen und diese zu nutzen“, heißt es weiter in der von Schulstaatsrat Rainer Schulz verfassten Stellungnahme des Senats.

Am 13. Januar 2021 hatte die Bürgerschaft eine Änderung des Schulgesetzes durch Einfügung des Paragrafen 98c beschlossen, der den Einsatz der Videotechnik im Wechsel- und Fernunterricht überhaupt erst rechtssicher möglich macht. Zuvor bestand zumindest eine rechtliche Grauzone, weil das Schulgesetz bis dahin die „Videoüberwachung des Inneren von Klassenräumen, Beratungs- und Lehrerzimmern, sanitären Anlagen und Umkleideräumen“ verbot. Der Beschluss der Bürgerschaft vom Januar forderte außerdem einen Sachstandsbericht des Senats zu den Erfahrungen der Schulen mit der Videotechnik an, der nun vorliegt.

Videokonferenzen sind in Hamburgs Schulen alltäglich geworden

Videokonferenzsysteme werden primär für den Unterricht eingesetzt, aber mittlerweile auch für die Schulorganisation genutzt. Laut Umfrage setzten 95 Prozent der Schulen Videotechnik bei Lehrerkonferenzen und 91 Prozent bei Fachschaftskonferenzen ein. Für Schüler-Lehrer-Gespräche werden Videokonferenzen von 88 Prozent der Schulen, für pädagogische Konferenzen von 62 Prozent und für Eltern-Schüler-Lehrer-Gespräche von 85 Prozent genutzt.

In der ersten Jahreshälfte 2020 haben mehr als 11.000 Lehrkräfte an 1400 Fortbildungen zur Digitalisierung und zu digitalen Lehr-Lern-Situationen teilgenommen. Kritik gab es aber auch: So monierten Lehrkräfte die instabile Technik vor allem im häuslichen Umfeld und wiesen auf die besonderen Anforderungen an Aufmerksamkeit und Konzentration der Schülerinnen und Schüler in Videokonferenzen hin. „Kritisch bewertet wurde auch das Mitwirken Dritter, wenn vor allem bei der Einführung von Videokonferenzen Sorgeberechtigte zu Hause an den Unterrichtseinheiten mit teilgenommen haben“, heißt in der sechsseitigen Stellungnahme des Senats.

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