Hamburg/Schleswig-Holstein

Mehr Behandlungsfehler im Norden – mit schweren Folgen

Gutachter des Medizinischen Dienstes (MD) Nord haben 2020 in Schleswig-Holstein und Hamburg mehr grobe Behandlungsfehler als im Vorjahr festgestellt. Unter anderem hatte ein falsch gelegter Katheter bei einer Krebspatientin einen Schlaganfall ausgelöst (Symbolbild).

Gutachter des Medizinischen Dienstes (MD) Nord haben 2020 in Schleswig-Holstein und Hamburg mehr grobe Behandlungsfehler als im Vorjahr festgestellt. Unter anderem hatte ein falsch gelegter Katheter bei einer Krebspatientin einen Schlaganfall ausgelöst (Symbolbild).

Foto: picture alliance/dpa/Daniel Karmann

2020 haben Gutachter des MD Nord 240 Behandlungsfehler bestätigt. Viele Fälle sind aus Sicht der Fachleute nicht nachvollziehbar.

Hamburg/Kiel. Gutachter des Medizinischen Dienstes (MD) Nord haben in Schleswig-Holstein und Hamburg im vergangenen Jahr 240 Behandlungsfehler bestätigt. Das entspricht 27 Prozent aller stichhaltigen Vorwürfe (2019: 23,5 Prozent), wie der MD Nord am Dienstag mitteilte. 2019 waren 199 Behandlungsfehler bestätigt worden, im Jahr zuvor 235. Nach beiden Ländern aufgeschlüsselte Zahlen gab es nicht.

Unter den neuen Fällen waren laut MD Nord wieder mehr grobe Fehler, die aus Sicht der Fachleute nicht nachvollziehbar sind. Das betraf im vorigen Jahr 75 Fälle.

Behandlungsfehler im Norden: Katheter löst Schlaganfall aus

Ein Beispiel: Einer Krebspatientin wollten Ärzte bei einer ambulanten Operation einen Katheter für eine spätere Chemotherapie legen. Dabei punktierten sie mit der Kanüle die Arterie statt die benachbarte Vene. Dies löste einen Schlaganfall mit Armlähmung und Sprach- und Sehstörungen aus. Grob fehlerhaft sei, dass den Behandlern erst durch den Schlaganfall die falsche Lage des Katheters auffiel.

Versicherte in Schleswig-Holstein und Hamburg hatten im vorigen Jahr über ihre Krankenkasse 3089 Verdachtsfälle gemeldet; 888 erwiesen sich aus Gutachtersicht als stichhaltig. Schließlich bestätigt wurden 240 Behandlungsfehler; 22,1 Prozent davon wurden in der Unfallchirurgie und bei orthopädischen Operationen festgestellt. Es folgten das Fachgebiet Pflege mit 18,3 Prozent und die Innere Medizin mit 13,7 Prozent.

( dpa )

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