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Warum Frank Jacob als Erster in die HafenCity zog

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Juliane Lauterbach
Als Frank Jacob 2004 an den Sandtorkai zog, war er der erste Bewohner der HafenCity in Hamburg. Seitdem hat sich viel geändert - unter anderem die Fertigstellung der Elbphilharmonie.

Als Frank Jacob 2004 an den Sandtorkai zog, war er der erste Bewohner der HafenCity in Hamburg. Seitdem hat sich viel geändert - unter anderem die Fertigstellung der Elbphilharmonie.

Foto: Marcelo Hernandez

Der Hamburger wollte an einem Ort leben, der noch nicht fertig ist. Doch es gab auch Momente, die ihn an einen Horrorfilm erinnerten.

Hamburg. Als Frank Jacob zum ersten Mal hier war, da gab es keine Straßen, keine Autos, keine Ampeln, keine Zebrastreifen, keinen Kiosk, keine Kita, keine Schulen. „Da gab es nur Wasser und Sand, und zwar von beidem ziemlich viel“, sagt der 48-Jährige.

Jedenfalls brauchte es eine gute Portion Fantasie, um sich vorzustellen, dass aus dem Nichts mal eine attraktive Wohngegend entstehen würde. Und die hatte Frank Jacob. Jedenfalls blieb er 2004 bei einem Streifzug entlang der Elbe vor einem Schild stehen, auf dem die ersten Wohnungen in der HafenCity beworben wurden. Jacob entschied: „Das guck ich mir mal an.“ Der Gedanke daran, dass es ein Ort sei, der noch nicht fertig, sondern in Bewegung ist, habe ihn fasziniert.

Frank Jacob ist der erste Bewohner der Hamburger HafenCity

Rund drei Monate später bezog der gebürtige Hamburger seine Wohnung am Sandtorkai – als erster Bewohner der HafenCity. Bis die ersten Nachbarn nachzogen, sollten noch Wochen vergehen. Und so kamen mehr als einmal Fragen wie diese: „Ist das nicht unheimlich?“ Doch die Antwort war immer dieselbe: „Unheimlich fand ich es nie“, sagt Jacob.„Es war nur einfach sehr speziell.“

Und das ist es ja vielleicht auch heute – rund 16 Jahre später – auf eine ganz andere Art immer noch. Wenn Jacob heute an einem normalen Morgen aus dem Fenster schaut, dann erinnert ihn das, was er sieht, an ein Wimmelbild. „Touristen, die Richtung Elbphilharmonie-Plaza pilgern, Kinder auf dem Weg in die Kita, Fahrradfahrer, Schiffe, Kräne.“ Und so versucht Frank Jacob wann immer es geht, die Tage mit einer Tasse Kaffee auf der Dachterrasse zu starten und den Blick zu genießen.

Eröffnung der Elbphilharmonie war die größte Veränderung der HafenCity

Aber die größte Veränderung in all den Jahren war die Eröffnung der Elbphilharmonie. „Die Laufströme der Touristen führen seitdem in Massen durch den Stadtteil, aber auch immer mehr Hamburger haben die HafenCity für sich entdeckt.“

Ob ihn der Trubel manchmal störe? „Nein“, sagt er. „Das wäre ja, als ob man am Flughafen wohnen und sich dann über den Lärm beschweren würde.“ Von seiner rundum verglasten Wohnung hatte Jacob in all den Jahren einen Premiumplatz auf das Geschehen. Auf Hafengeburtstage, Feste, Segelturns oder die Eröffnung der Elbphilharmonie, die er gleichzeitig im Fernsehen und durch die Fensterscheiben hindurch verfolgte. Dass die Sicht aus seiner Wohnung sich parallel auf dem Fernsehbildschirm wiederfindet, war in den vergangenen Jahren leider keine Seltenheit.“

G20 hier miterleben zu müssen, das war leider ein echter Tiefpunkt. „Es war zutiefst bedrohlich, direkt vor meinem Wohnzimmerfenster über Stunden einen Kampfhubschrauber zu sehen.“ An diesem Wochenende habe er weiter Dinge erlebt, die man als „Bürger nicht erleben möchte“. „Es war einfach sehr bedrückend.“

„Die Nachbarschaft in der HafenCity ist zusammengewachsen“

So habe Jacob auch den Lockdown Anfang des Jahres empfunden. „Hier war es wie in einem Horrorfilm. Teilweise gab es tagelang nicht eine Person, die über die Promenaden ging. Es war, als würde man in einer Geisterstadt leben und gleichzeitig ließ die Sonne das Wasser funkeln. Das war wirklich surreal.“

Aber der Stadtteil habe im Lockdown auch zeigen können, dass von dem Klischee der Anonymität hier nicht mehr viel übrig geblieben ist. „Die Nachbarschaft ist super zusammengewachsen“, sagt Jacob. „Wir haben einander so gut unterstützt, wie es ging.“

Dennoch hofft Frank Jacob,wie alle anderen auch, dass sich eine solche Situation nicht wiederholen wird und dass auch in der HafenCity irgendwann wieder das normale Leben einkehrt und dass der Blick von oben bald wieder aussieht wie das geliebte Wimmelbild.

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