Wein-Podcast

Viel Wein für wenig Geld von Van Volxem

| Lesedauer: 8 Minuten
Roman Niewodniczanski in seinem Weingut Van Volxem

Roman Niewodniczanski in seinem Weingut Van Volxem

Foto: Robert Dieth / www.dieth.com

Der ehemalige Unternehmensberater Roman Niewodniczanski hatte schon früh den richtigen Riecher und setzte auf Saar-Riesling.

Es ist schon etwas mehr als 20 Jahre her, dass Roman Niewodniczanski eine Entscheidung traf, die sein Leben veränderte – und damit, wenn auch zu einem kleineren Teil, die deutsche Weinbranche. Damals, Ende der 90er-Jahre, gab der heute 53-Jährige seinen guten und sehr gut bezahlten Job als Unternehmensberater bei Ernst & Young von einem Tag auf den anderen auf, um „etwas mit Wein“ zu machen. Seine Idee: ein Weingut suchen, finden und kaufen, aus dem etwas Großes werden kann und das von den sich ändernden klimatischen Bedingungen profitiert.

Schon zu Beginn des 21. Jahrhunderts sah Niewodniczanski voraus, dass und vor allem wie stark der Klimawandel die Weinbranche verändern würde: Winzer in eher sonnigen und warmen Gebieten würden, so seine Annahme, in den kommenden Jahrzehnten Probleme bekommen, weil sie immer früher ernten und aufpassen müssten, dass ihre Weine die Qualität halten und nicht zu alkoholisch werden. Weingüter in bisher eher kühleren Regionen könnten dagegen von steigenden Temperaturen profitieren.

Der Vater glaubte nicht an den Durchbruch deutscher Weine

Etwa die an der Saar gelegenen, deren Geschichte den Weinliebhaber früh begeistert hatte: „Schon zum Ende des 19. Jahrhunderts gehörten Saar-Weine zum Besten und Teuersten, was es auf der Welt gab“, sagt Niewodniczanski. Bei Versteigerungen erzielten Weine aus Trier Spitzenpreise, wurden deutlich höher bewertet als andere deutsche Weine. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen, in einer Zeit, in der man eine Flasche Saar-Riesling für zwölf Euro bekommt. Aber es war so, und dahin wollen die Winzer wieder zurück. Was die Qualität angeht, ist das gelungen.

Niewodniczanski übernahm 1999 das traditionsreiche Weingut Van Volxem, das ursprünglich dem Trierer Bierbrauer Gustav van Volxem gehörte – womit sich, Zufall oder nicht, ein Kreis schloss, weil Niewodniczanski der Ururenkel jenes Unternehmers ist, der die Bitburger-Brauerei gegründet hatte. Wein war deshalb in der Familie eher ein Randthema, „mein Vater trank gern mal ein Glas, aber er hätte für eine Flasche Wein nicht mehr als fünf Euro ausgegeben“. Und er sagte seinem Sohn voraus, dass man deutschen Wein niemals für mehr als zehn Euro würde verkaufen können.

Doch genau daran glaubte Sohn Roman, nahm einen Kredit bei der Volksbank Trier auf, „der das Weingut bis heute gehört“, und investierte viel Geld, um Saar-Rieslinge wieder bekannt zu machen. Unterstützung gab und gibt es von prominenter Seite: TV-Moderator Günther Jauch hat in der Region auch ein Weingut übernommen, will wie Niewodniczanski an die die glorreiche Vergangenheit anknüpfen. Was mit Weinen, die einen geringen Alkoholgehalt haben und die dank der Schieferböden auf extremen Steillagen sowohl fruchtig als auch mineralisch schmecken, gut gelingt.

Wie Roman Niewodniczanski investierte auch Günther Jauch in Saar-Riesling

Jauch war schon im vergangenen Jahr in unserer Reihe „Vier Flaschen“ zu Gast, nun testen Weinkenner Michael Kutej, Inhaber der Hanse Lounge am Rathaus, Rieslingliebhaber Lars Haider und (der frühere) Apfelsaftschorlentrinker Axel Leonhard die Weine aus dem neuen Jahrgang, also aus 2020. Was, so Winzer Niewodniczanski, eigentlich eine Sünde sei, „weil unsere Rieslinge erst nach langer Zeit ihren geschmacklichen Höhepunkt erreichen“. Für das erste Jahrzehnt gibt er eine Geschmacksgarantie, sagt aber zugleich, dass man die Rieslinge auch 20, 30 Jahre liegen lassen könnte – Günther Jauch sprach sogar davon, dass man seine Weißweine 100 Jahre nach der Ernte noch wunderbar trinken könnte.

Was erstens schwer zu beweisen ist und zweitens nicht dem Weinverhalten der Deutschen entspricht: „Die meisten Leute wollen frische Weine trinken, sie wollen nicht warten“, sagt Michael Kutej. Der Vorteile der Rieslinge von der Saar: Ist die Flasche einmal geöffnet, müsse man sie nicht, wie bei den meisten anderen Weißweinen, innerhalb weniger Tage leeren, weil der Wein sonst nicht mehr schmeckt: „Die halten sich gern bis zu zwei Wochen. Ich habe auch schon mal einen meiner Rieslinge getrunken, der schon seit ein paar Monaten offen war, und er hat trotzdem gut geschmeckt“, sagt Niewodniczanski.

Der Jahrgang 2020 von Van Volxem im Test

Machen wir den Test. Los geht es nicht mit einem Riesling, sondern mit einem Weißburgunder, wie alle anderen Weine aus dem Jahrgang 2020. Während der Chef von Van Volxem von Grauburgunder, der Lieblingsrebsorte der Deutschen, wenig hält („das braucht man einfach nicht“), hat er am Weißburgunder Freude gefunden. Der schmeckt nach Zitrone und Steinobst – „und macht richtig gute Laune“, sagt Haider, auch, „weil er schon so etwas Cremiges und Prickelndes hat“. Das sei ein charmanter, bekömmlicher Weißburgunder, sagt Kutej, „trocken, aber nicht staubtrocken“.

Weiter zu den Rieslingen: Der Brot- und Butterwein aus dem Haus Van Volxem ist der Saar-Riesling, der für Kutej „etwas Tropisches“ hat, der Kenner schmeckt vor allem Ananas und Blüten: „Der Wein ist extrem saftig am Gaumen, der Schluckreflex ist noch stärker als beim Weißburgunder.“

In Flasche drei folgen die Alten Reben, die wie alle Rebstöcke bei Van Volxem nur natürlich gedüngt werden und die im Schnitt zwischen 1950 und 1970 gepflanzt wurden, also mehr als 50 Jahre alt sind. Eigentlich kaufe man so einen Wein, um ihn wegzulegen und nach fünf oder zehn Jahren zum ersten Mal zu trinken, sagt Kutej: „Die Alten Reben haben deutlich mehr Substanz und Tiefe als der Saar-Riesling. Man merkt das Alter der Rebstöcke.“ Er schmeckt weißen Pfirsich und Orange, es dufte „wie ein frisch gepresster Orangensaft, das mag ich“.

„Vier Flaschen“ gibt es auch im kompakten Format

Bleibt Flasche vier, der Rotschiefer Riesling Kabinett mit nur 9,5 Prozent Alkoholgehalt – ein Wein, „den man immer trinken kann, mittags wie abends, ohne dass man etwas merkt“, so der Winzer. Das ist ihm grundsätzlich wichtig: „Wer mal Lust hat, mehr als eine Flasche von meinen Weinen zu trinken, wird am nächsten Tag trotzdem nicht mit Kopfschmerzen aufwachen.“

Der Rotschiefer Riesling ist erwartungsgemäß süßer als die ersten drei Weine, er schmeckt fruchtig und salzig zu gleich, Haider spricht vom Caipirinha-Effekt. Er wäre ein idealer Begleiter zu asiatischem Essen, vor allem zu Sushi – und ist trotzdem nicht der Favorit der Runde: Kutej, Leonhard und Haider sehen einstimmig, und das ist selten, die Alten Reben vorn.

Die „Vier Flaschen“ können Sie sich auch anhören oder auf dem YouTube-Kanal des Hamburger Abendblatts ansehen. Ganz neu: Im Wechsel mit der bekannten, etwa 90 Minuten langen gibt es jetzt alle zwei Wochen eine schnelle Variante: In maximal 9:59 Minuten testen Kutej, Haider und Leonhard eine Flasche Wein, die unter zehn Euro kosten muss, und die am Ende mit Punkten von eins bis zehn bewertet wird. Hören/Schauen Sie mal rein!

Und: Wenn Sie selbst einmal bei einer digitalen Weinprobe dabei sein wollen, schreiben Sie uns einfach eine Mail an chefredaktion@abendblatt.de

( HA )

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