Katholische Kirche

Hamburgs Erzbischof: „Reibe mich an der Papst-Entscheidung“

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Erzbischof Stefan Heße am Samstag bei dem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Auszeit auf dem Platz vor dem Mariendom in S.Georg

Erzbischof Stefan Heße am Samstag bei dem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Auszeit auf dem Platz vor dem Mariendom in S.Georg

Nach einer Auszeit ist Stefan Heße am Sonnabend erstmals wieder öffentlich aufgetreten. Peter Tschentscher beim Gottesdienst dabei.

Hamburg. Die Glocken des St. Mariendoms läuten, während auf dem Platz davor rund 500 Menschen erwartungsvoll auf ihren Stühlen sitzen. Gleich in der ersten Reihe: Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) mit seiner Frau Eva-Maria. Sie alle werden nun erleben, wie eine neue katholische Pfarrei mitten im Herzen der Stadt feierlich aus der Taufe gehoben wird – und was Hamburgs Erzbischof Stefan Heße nach seiner sechs Monate dauernden Auszeit beim ersten öffentlichen Auftritt nach dieser Zeit sagen wird.

Erzbischof Heße eröffnet die neue Pfarrei St. Ansgar

Es ist Sonnabend, kurz nach 11 Uhr, als der Erzbischof ans Mikrofon tritt und erst einmal kein Wort über jene langen Wochen verliert, in denen er auf eine Entscheidung des Papstes warten musste. Heße, der als früherer Personalchef und Generalvikar im Erzbistum Köln wegen elf Pflichtverletzungen bei der Aufklärung von Fällen sexuellen Missbrauchs unter Druck geraten war, geht in diesem Gottesdienst erst einmal zur Tagesordnung über. Denn schließlich steht im Pontifikalamt die Errichtung der neuen Pfarrei St. Ansgar im Mittelpunkt.

Ab sofort bilden nämlich die katholischen Gemeinden St. Joseph (Große Freiheit), St. Sophien (Weidestraße), der Kleine Michel (Neustadt) und der Dom St. Marien (St. Georg) die neue gegründete Pfarrei St. Ansgar. Sie wird die Hamburger Innenstadt samt Rathaus umfassen und etwas mehr als 21.000 Mitglieder zählen. Damit setzt das Erzbistum die Entwicklung Pastoraler Räume fort. Pfarrer ist Monsignore Peter Mies, bisher Dompfarrer. Die regionalen Geistlichen werden im Team gemeinsam weiterarbeiten.

Papst hatte Heßes Amtsverzicht nicht angenommen

In seiner Predigt kommt Stefan Heße dann doch auf die päpstliche Entscheidung zu sprechen. Papst Franziskus hatte vor etwas mehr als einer Woche sein Rücktrittsgesuch abgelehnt und damit den künftigen Weg des Bischofs vorgegeben: Er bleibt im Amt. Damit sei die „schwierigste Entscheidung“ gefallen, „deswegen fällt mir das nicht leicht“, sagt der 55-Jährige. „Ich reibe mich an der Entscheidung des Papstes“, aber er nehme sie selbstverständlich an.

Die sechs Monate des Wartens seien für ihn „eine gewaltige Zäsur“ mit einer „Achterbahn der Gefühle“ gewesen. Die meiste Zeit habe er in Hamburg verbracht. „Allein zu beten, allein die Liturgie zu feiern war dabei die größte Herausforderung.“ Positiv erlebte er dagegen die vierwöchigen Exerzitien am Niederrhein.

Die Gemeinde applaudiert nach Heßes Predigt

Der zurückgekehrte Erzbischof spricht offen darüber, wie dankbar er ist, jetzt wieder gemeinsam mit seinem Bistum Gottesdienst feiern zu können. Und er macht deutlich, wie sehr er auf den synodalen, den gemeinsamen Weg setzen wird. Er werde in der nächsten Zeit mit vielen Menschen sprechen und ihnen vor allem zuhören. „Ich lege kein Programm vor, denn ein Bischof ist nicht der Leithammel“. „Wir sind Kirche nur, wenn man gemeinsam auf dem Weg ist.“

Die Gemeinde applaudiert nach dieser Predigt, in der Heße auch das vielfältige Leben Hamburgs preist – als Aufgabe für die Kirche. Tatsächlich klingt es dann doch schon nach einem Programm, wenn er sagt: „Wir wollen an diese Lebensweisen anknüpfen“, und zwar erst hören – und dann reden.„Wir sind froh, dass er wieder zurück ist“, sagt eine Katholikin nach dem Gottesdienst. „Wir brauchen ihn, damit es weitergeht.“

Nach der Entscheidung in Rom gab es freilich auch deutlich Kritik. Vertreterinnen von „Maria 2.0“ erklärten, dass Papst Franziskus mit dieser Entscheidung die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche verspielt habe. Unterdessen hat der Papst ebenfalls entschieden, den Kölner Erzbischof Woelki im Amt zu belassen.

( Edgar S. Hasse )

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