Prozess

Hamburger wollte geklauten Liebermann versteigern lassen

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Bettina Mittelacher
Die Bilder des Malers Max Liebermann werden hoch gehandelt. In Hamburg steht nun ein Mann vor Gericht, der das gestohlene Aquarell des Künstlers „Badende von Scheveningen“/„Spielende Kinder am Strand von Noordwijk“ in einem Auktionshaus anbieten wollte (Archivfoto).

Die Bilder des Malers Max Liebermann werden hoch gehandelt. In Hamburg steht nun ein Mann vor Gericht, der das gestohlene Aquarell des Künstlers „Badende von Scheveningen“/„Spielende Kinder am Strand von Noordwijk“ in einem Auktionshaus anbieten wollte (Archivfoto).

Foto: picture alliance / akg-images | akg-images

Carlo S. muss sich wegen Hehlerei verantworten. Er will nichts vom Diebstahl gewusst haben. Das Bild hätte 30.000 Euro erzielen können.

Hamburg. Auf dem Rahmen des Gemäldes stand gut lesbar „M. Liebermann“. Gleichwohl will Carlo S. keinen Schimmer gehabt haben, was für eine Kostbarkeit er da durch die Gegend schleppte — zielstrebig Richtung Auktionshaus, wo er das Bild zur Versteigerung anbot.

Die Herkunft des Aquarells sei geklärt, alles gehe mit rechten Dingen zu, versicherte der 35-Jährige dort. Doch die Wahrheit ist eine andere: Das Gemälde „Badende von Scheveningen“/„Spielende Kinder am Strand von Noordwijk“ war 2011 aus einem Hamburger Wohnhaus entwendet worden.

Gestohlener Liebermann: Wusste Carol S. vom Diebstahl?

Hat Carlo S. von dem Diebstahl gewusst? Davon geht zumindest die Staatsanwaltschaft aus, die dem Hamburger im Prozess vor dem Amtsgericht Hehlerei und Betrug vorwirft. Laut Anklage behauptete der Mann, er sei Eigentümer des Aquarells und forderte vom Auktionshaus mindestens 18.000 Euro.

Name, Alter, Geburtsort: Abgesehen von diesen dürren Angaben zur Person hüllt sich Carlo S., ein kräftiger Mann mit millimeterkurz geschorenem Schopf, in Schweigen. Sein Verteidiger erklärt, sein Mandant habe von einem Diebstahl nichts gewusst. Das Liebermann-Aquarell habe seine Ehefrau vor etwa sechs Jahren von deren Großvater geschenkt bekommen.

Liebermann? "Geil, ich frag mal nach"

Dieser sei als ehemaliger Manager eines namhaften Konzerns wohlhabend gewesen, deshalb hätten die Eheleute wohl geahnt, dass das Bild „nicht völlig wertlos war“. Sie hätten das Werk schlicht „nicht so schön“ gefunden, dass sie es zu Hause an der Wand hängen haben wollten. Also habe Carlo S. es dem Auktionshaus angeboten. Aber dass es von einem berühmten Maler stammt, nein, „das war ihnen nicht bekannt. Weder der Angeklagte noch seine Frau haben mit Kunst was am Hut.“

Ob das stimmt? Die Staatsanwältin zitiert aus einem Chat zwischen den Eheleuten, in dem Liebermanns Name erwähnt wird, und dazu der Kommentar: „Geil, ich frag mal.“ Ein Experte des Auktionshauses schildert als Zeuge, man habe dort zunächst geprüft, ob das Bild ein Original ist. „Es gibt viele Fälschungen.“

Doch dieses Aquarell stamme in der Tat von Liebermann, hätte auf einer Auktion wohl mindestens 30.000 Euro erzielt. Carlo S. habe ihm erzählt, das Gemälde habe er von einer gewissen Dame bekommen, die in Lemgo lebt. Von einem wohlhabenden Großvater sei damals jedenfalls nicht die Rede gewesen. Nun soll an einem späteren Termin die Ehefrau des Angeklagten als Zeugin gehört werden.

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