Cannabis-Plantage

60-Jähriger überbietet die komplette Drogenbilanz 2020

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André Zand-Vakili
In diesem Gewerbebau an der Georg-Heyken-Straße in Hausbruch wuchsen die Pflanzen.

In diesem Gewerbebau an der Georg-Heyken-Straße in Hausbruch wuchsen die Pflanzen.

Foto: André Zand-Vakili / HA

Ingenieur aus Villenviertel führt in Hausbruch eine der größten professionell betriebenen illegalen Indoor-Plantagen. Die Hintergründe.

Hausbruch.  In einem Gewerbebau an der Georg-Heyken-Straße in Hausbruch haben Drogenfahnder des Landeskriminalamtes eine der bisher größten professionell angelegten illegalen Indoor-Plantagen zum Anbau von Marihuana ausgehoben. Schon das macht den Fall spektakulär. Und: Diesmal ist es der Besitzer (60) der Immobilie, gegen den wegen Anbau und Handel mit nicht geringen Mengen Marihuana ermittelt wird.

Deshalb wurde das Gebäude, das auf einen Wert von rund 3,7 Millionen Euro taxiert wurde, als Tatmittel beschlagnahmt. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2020 wurden von der Hamburger Polizei Vermögenswerte in Höhe von 2,2 Millionen Euro im Bereich der Rauschgiftkriminalität gesichert.

60-jähriger Ingenieur wohnt in Villengegend

Ungewöhnlich auch: Diesmal finden die Ermittlungen in feinsten Kreisen statt. Der 60-Jährige wohnt in einer Villengegend in Bendestorf im Landkreis Harburg. Laut Wirtschaftsauskunftsdateien ist der Ingenieur seit Jahren als Unternehmer aktiv und taucht immer wieder als Geschäftsführer verschiedener Firmen, aber auch als engagierter Segelflieger auf.

Am Dienstagvormittag fuhren vor seinem Gewerbebau Einsatzfahrzeuge der Polizei vor. Die dort eingesetzten etwa 20 Beamten stießen, wie erwartet, auf eine Marihuanaplantage. Doch die sprengte diesmal die Ausmaße aller in den letzten Jahren entdeckten Indoor-Plantagen. „Sie erstreckte sich über zehn Räume“, sagt ein Beamter.

60-Jähriger vor Haftrichter statt im Urlaub

Die Drogenfahnder stellten 1355 große Hanfpflanzen, 992 Setzlinge und 231 Stümpfe bereits abgeernteter Pflanzen sicher. Mehrere Kilo getrocknetes Marihuana stellten die Beamten ebenfalls sicher. In den Räumen trafen die Beamten auch auf den 60-Jährigen. Er wurde festgenommen.

Jetzt steht ein Mercedes, eines von mehreren Autos, die ihm gehören, vor den Geschäftsräumen. Auf einem Schild am Eingang steht etwas von „Urlaub“. Das trifft es nicht ganz. Der 60-Jährige wurde nach seiner Festnahme dem Haftrichter vorgeführt.

Anlieger: „Es hat nur mal komisch gerochen“

Teile des Gewerbebaus sind weiterhin vermietet. Ein Mieter der Räume, in dem jetzt die illegale Hanfplantage entdeckt wurde, war, so erzählt man vor Ort, zu Jahresbeginn ausgezogen.

Dass dort eine Hanfplantage dieser Größe entstand, hatte niemand bemerkt oder geahnt, obwohl jeden Werktag und oft auch am Wochenende Betrieb war. „Es hat nur mal komisch gerochen“, sagt ein Anlieger. Das wurde mit „Schimmel“ erklärt.

Hanfplantagen: Immer wieder Hausbruch

Die Hanfplantage ist mittlerweile die dritte professionelle Indoor-Plantage, die innerhalb weniger Monate im Stadtteil Hausbruch ausgehoben wurde. Im Mai hatten Drogenfahnder an der Cuxhavener Straße eine Plantage in den Räumen einer Kegelbahn mit 1550 Hanfpflanzen entdeckt.

Anschlussermittlungen hatten im Juli zur Zerschlagung eines ganzen Drogenrings geführt. Dabei wurde eine weitere Plantage mit mehr als 1000 Pflanzen in einem Wohnhaus am Neelandstieg ausgehoben.

Marihuana-Abnehmer muss ermittelt werden

Wie bedeutend die Erfolge sind, zeigt die Statistik. Zwar wurden 2020 von der Hamburger Polizei 29 und im Jahr davor 23 Indoor-Plantagen ausgehoben. In keinem Fall handelte es sich aber um eine Anlage mit mehr als 1000 Hanfpflanzen.

Die Ermittlungen im Fall Georg-Heyken-Straße, vor allem hinsichtlich der Abnehmer des Marihuanas, dauern an. Ein Zusammenhang mit den anderen in Hausbruch entdeckten Hanfplantagen gibt es nicht.

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