Corona-Studie

Kinder sind viel weniger ansteckend als Erwachsene

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Wer lauter spricht oder singt, verteilt auch eine größere Menge an Aerosolen. Das fand eine neue Studie jetzt heraus. Und: Kinder verbreiten die Viren nicht so schnell.

Wer lauter spricht oder singt, verteilt auch eine größere Menge an Aerosolen. Das fand eine neue Studie jetzt heraus. Und: Kinder verbreiten die Viren nicht so schnell.

Foto: picture alliance / ANP | ROB ENGELAAR

Studie hat große Unterschiede im Ausstoß von Aerosolen beim Atmen, Sprechen oder Singen entdeckt: Lautstärke ist entscheidend.

Hamburg. Kinder stoßen beim Atmen, Sprechen und Singen deutlich weniger Aerosole aus als Erwachsene. Dadurch ist das Risiko einer Übertragung des Coronavirus erheblich geringer, wie eine Studie des Experten Prof. Dirk Mürbe (Berliner Charité) ergeben hat, die am Freitag am Hamburger UKE vorgestellt wird.

Mürbe sagte dem Abendblatt, die Zahlen, die sein Team in wissenschaftlichen Experimenten erhalten habe, seien geeignet, die Vorsichtsmaßnahmen in Kitas und Schulen besser auszutarieren. Es sei „bitter nötig“, nach mehr als eineinhalb Jahren Pandemie die Situation für Kinder genau zu betrachten.

Corona-Studie: Aerosol-Forscher mit Fokus auf Kindern

Die Ergebnisse sind Teil eines Experten-Kongresses. Die Tagungs-Präsidentin und UKE-Klinikdirektorin Christina Pflug sagte dem Abendblatt: „Die Schalldruckpegel sind das Entscheidende – und die sind bei Kindern geringer.“ Bislang wurden Ergebnisse der Aerosolforschung von Erwachsenen auf Kinder übertragen.

Der Leiter der Charité-Klinik für Audiologie und Phoniatrie fand im Vergleich von Grundschulkinder- mit Erwachsenengruppen jetzt heraus, dass die Kleinen beim Atmen 2,8-mal, beim Sprechen 5,9-mal und beim Singen 13,4-mal weniger Partikel ausstoßen. Beim Rufen gab es keine bemerkenswerten Unterschiede.

Chor: Je lauter, desto mehr Aerosole

„Ist eine Person mit Sars-CoV-2 infiziert, können die in den Atemwegen gebildeten Aerosolpartikel Viren enthalten, die damit in die Luft gelangen und von anderen Personen eingeatmet werden können“, heißt es in der Studie. Die Emissionsrate hängt von der Lautstärke ab.

Da Aerosole wie Staub im Raum „hängen“, sind bei Infizierten nicht nur die unmittelbar danebenstehenden Personen betroffen, sondern auch Menschen an entfernteren Orten im selben Raum. Gerade die „Ischgl-Infektionen“ hätten gezeigt, was die Ausbreitung der Coronaviren begünstige: lautes Sprechen oder Grölen in geschlossenen Räumen voller eng zusammenstehender Menschen.

Für Schulen und Kitas heißt das: Lüften hilft, auch mithilfe von Filteranlagen. Mürbes Team hat einen Kinderchor mit einem Erwachsenenchor unter Laborbedingungen verglichen, einen Laserpartikelzähler verwendet und beide Gruppen das Gleiche sprechen und singen lassen. Das erbrachte die gewaltigen Unterschiede von Kindern und Erwachsenen.

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