Stadtentwicklung Hamburg

Stadtfest mit Anspruch: das "Reallabor Altstadtküste"

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Patrick Andreas
Blick über den Zollkanal, im Hintergrund die Hauptkirche St. Katharinen.

Blick über den Zollkanal, im Hintergrund die Hauptkirche St. Katharinen.

Foto: Thorsten Ahlf / HA

Mehr als Buden und Musik erwartet Besucher der "Altstadtküste" – gleichnamige Initiative will Hamburgs Altstadt lebenswerter machen.

Hamburg. Ein Stadtfest rund um den Zollkanal bietet von Freitag bis Sonntag mehr als nur Musik und Buden: Es gibt Interessierten vor allem die Chance, miteinander über die Entwicklung der Altstadt ins Gespräch zu kommen. „Wir wollen es möglich machen, dass Kinder auch im Bereich der Altstadtküste wieder auf der Straße spielen können. Es geht hierbei außerdem um wichtige Themen wie Nachhaltigkeit oder die Schonung von Ressourcen“, sagt Björge Köhler. Er ist Mitglied im Koordinationsteam der 2020 entstandenen Initiative „Altstadtküste“.

Anwohner, die HafenCity Universität und die Hauptkirche haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, dessen Ziel es ist, den südlichen Altstadtkern vom Nikolaifleet bis zum Zollkanal für die Zukunft fit zu machen – mithilfe neuer Ideen und Innovationen, die vor allem der Mobilitätswende und der Entwicklung zu einer klimafreundlicheren Stadt dienen sollen.

Stadtentwicklung: Wie Hamburgs Altstadt wieder lebenswerter werden soll

Hartmut Gerbsch, der seit über 30 Jahren in der Altstadt wohnt und sich mit vielen Mitmenschen aus seiner Nachbarschaft für eine Verbesserung der Lebensqualität vor der eigenen Haustür einsetzt, begrüßt die Initiative und kritisiert gleichzeitig die Politik der Stadt Hamburg, die seiner Meinung nach in der Vergangenheit viel zu wenig getan hat, um die Lage vor Ort zu verändern: „Hamburg hat ein Problem mit Kfz, dem vielen Lärm und der schlechten Luft hier in der Altstadt.“ Er fordert, stellvertretend für seine Nachbarschaft und für die Gewerbetreibenden vor Ort, weitere Maßnahmen wie den Ausbau von Fahrradwegen oder die Einführung von Tempo 30. Großstädte wie Paris machten vor, wie es gehe.

Als „Ideenschmiede“ für die Entwicklung neuer Konzepte diente das ehemalige Parkhaus Gröninger Hof, wo über 80 Experten aus den Bereichen Architektur, Verkehr, Stadtplanung etc. bereits im August dieses Jahres diverse Vorschläge erarbeiten. Das Besondere an der Aktion: All das taten sie unentgeltlich, erzählt Florian Marten von der Initiative „Altstadtküste“. So entstand unter anderem die Idee eines „lebendigen“ Deichs am Zollkanal, der vor Hochwasser schützen soll und gleichzeitig von den Hamburgerinnen und Hamburgern genutzt werden könnte. Auch die Wiederherstellung des Alsterlaufs gehörte beispielsweise zu den Vorschlägen.

Reallabor am Zollkanal – viel mehr als nur ein Straßenfest

Das Ziel der Initiative sei es nun, dass sich neben den Experten auch immer mehr Hamburgerinnen und Hamburger für die Thematik begeistern, so Marten: Vom 17. bis zum 19. September können sich diese deshalb im Rahmen der Veranstaltung „Reallabor am Zollkanal“ über die Ideen zur Zukunft der Altstadt informieren und mit den Initiatoren diskutieren. „Die Ideen, die wir ausstellen, sind keineswegs unveränderlich. Alle Ideen können gemeinsam weiterentwickelt werden und laden ein zur Interaktion“, so Kristina Bacht vom AIT ArchitekturSalon, wo die Ideen am Wochenende vorgestellt werden.

Das „Reallabor am Zollkanal“ wird daher mehr sein als ein bloßes Straßenfest, verspricht Pastor Frank Engelbrecht von St. Katharinen: „Die Altstadtküste will ihre historischen Schätze als Potenzial begreifen, Verbindungen schaffen, das Wasser als Lebensader der Stadt wieder entdecken und so ein Beispiel geben für eine sozial, kulturell und ökologisch nachhaltige Stadtentwicklung, die ihre Geschichte kennt, Lust hat auf Zukunft und ökonomisch funktioniert. Das Reallabor probiert heute aus, was morgen als reale Stadt hier im Herzen Hamburgs möglich ist.“

Hamburger Klimawoche ist Partner des Altstadtfests

Dennoch können sich die Besucher auch auf viele weitere Aktionen freuen: Neben der Ideen-Ausstellung locken Workshops, Konzerte, Buden, Spiele und ein Flohmarkt. Zusätzlich ist die Klimawoche als Partner vor Ort. Sie eröffnet das gesamte Programm am Freitag um 14 Uhr auf dem Katharinenkirchhof. Mit dabei ist der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner. Am Abend folgen unter anderem die digitale Vorführung des Theaterstücks „Hope Spot Ocean“ und ein Open-Stage-Event mit dem Klub.K.

Der Sonnabend beginnt mit einer Holzbauwerkstatt, ebenfalls auf dem Katharinenkirchhof – hier können verschiedene Möbel am Kirchturm gebaut werden. Von 12 bis 22 Uhr findet außerdem der Flohmarkt statt, dazu gibt es verschiedene musikalische und spielerische Angebote für alle Generationen. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank und Verkehrssenator Anjes Tjarks (beide Grüne) laden zur gemeinsamen Diskussion über die Mobilität der Zukunft. Am Sonntag finden neben verschiedenen Gottesdiensten, Diskussionen und Vorträgen auch Turmführungen am Katharinenkirchhof mit Installationen im Kirchturm statt.

Das komplette Programm lässt sich online nachlesen. An den drei Tagen werden das Katharinenquartier und die Straße „Bei den Mühren“ von der Mattentwiete bis zur Brandstwiete für den Autoverkehr gesperrt sein.

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