Gesundheit

Die Leber leidet still – was auf eine Erkrankung hinweist

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Vanessa Seifert
Ausgewiesener Leberspezialist: Privatdozent Dr. Daniel Benten ist Chefarzt am Asklepios Westklinikum in Rissen.

Ausgewiesener Leberspezialist: Privatdozent Dr. Daniel Benten ist Chefarzt am Asklepios Westklinikum in Rissen.

Foto: Michael Rauhe

Warum man erhöhte Werte im Blut unbedingt ernst nehmen sollte. Test auf Hepatitis B und C ist künftig Teil der Vorsorge.

Hamburg.  Wie gefährlich sind eigentlich erhöhte Leberwerte? „Es ist auf jeden Fall fahrlässig, sie einfach als alkoholbedingt abzutun nach dem Motto: Trinken Sie halt mal ein Glas Wein weniger und dann wird das schon wieder“, sagt Privatdozent Dr. Daniel Benten. Die wahre Ursache müsse stattdessen unbedingt abgeklärt werden, um das Stadium einer Lebererkrankung frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden, dass sie womöglich zu einer lebensbedrohlichen Zirrhose fortschreite, sagt der Chefarzt für Gastroenterologie, Hepatologie und Endoskopie am Asklepios Westklinikum in einer neuen Podcast-Folge, die unter anderem auf abendblatt.de kostenfrei zu hören ist.

Das Organ leidet still, Symptome zeigen sich spät

Das Tückische an einer Lebererkrankung sei, dass die Symptome (unter anderem Müdigkeit, Leistungsminderung) oft „völlig unspezifisch“ seien und auch meist sehr spät aufträten. „Die Leber leidet still“, sagt der renommierte Leber,- und Darmspezialist, der in seiner Karriere auch am UKE tätig war. „Mein damaliger Chef hat dazu ein Buch mit dem treffenden Titel ,Das Schweigen der Leber’ veröffentlicht.“

Die Ursachen für beunruhigende Leberwerte könnten ganz vielfältig sein, so der habilitierte Chefarzt. „Das reicht von chronischen Virus-Hepatitiden, also Hepatitis B und C, über die Fettleber-Hepatitis bis hin zu eher seltenen Autoimmun-, und Stoffwechselerkrankungen.“

Die Leber leidet still: Neue Vorsorge für Hepatitis B und C

Zur Erklärung: Hepatitis A und E sind akute, durch Viren ausgelöste Leberentzündungen. „Die heilen in der Regel, also wenn man nicht immungeschwächt ist, von selbst aus“, so der verheiratete Vater von zwei kleinen Töchtern. Anders sieht es bei den chronischen Varianten von Hepatitis B und C aus, die – wenn unbehandelt – zu einer Leberzirrhose fortschreiten können.

Ganz neu ist, dass der Test auf diese beiden Hepatitis-Formen vom 1. Oktober dieses Jahres an Teil des Vorsorgeprogramms „Check-up 35“ beim Hausarzt ist. „Das ist großartig, weil man auf diese Weise eine hohe Dunkelziffer aufdecken und die Erkrankungen sehr früh behandeln kann“, so der Mediziner. Denn das Hepatitis B-Virus sei durch moderne Medikamente gut zu unterdrücken und die Hepatitis C durch „eine spektakuläre Errungenschaft der Molekularbiologie“ zu fast 100 Prozent heilbar. „Mit einer Tablettenkur, bei der man über acht bis zwölf Wochen täglich eine Pille nimmt, wird man das Virus los. Klingt ganz einfach, aber dahinter steckt natürlich jahrelange, intensive Forschung.“

Fettleber schon fast eine Volkskrankheit

Fast schon eine Volkskrankheit sei die Fettleber, an der jeder vierte Deutsche leide, sagt der Chefarzt, der sich als Hannover 96- und HSV-Fan (Dauerkarte!) schon auf den nächsten Besuch „und eine Stadionwurst“ freut. In Maßen sei alles in Ordnung, aber ist der Lebensstil dauerhaft zu ungesund, melde sich irgendwann womöglich die Leber.

„Patienten mit erhöhten Leberwerten, bei denen wir im Ultraschall, wenn die Leber heller erscheint als die Niere, eine Verfettung sehen, sollten zeitnah ihre Gewohnheiten mit einem strukturierten Programm umstellen, ihr Gewicht reduzieren und sich mehr bewegen“, sagt der Spezialist, der selbst gern mit dem Rennrad von Winterhude in die Klinik nach Rissen radelt.

Spezielle Ultraschallmethode für Diagnose einer Leberzirrhose

Man könne im Westklinikum nun mit einer speziellen Ultraschallmethode, der Elastographie, feststellen, ob schon eine Leberzirrhose (Schrumpfleber) vorliegt. Dabei sei das Lebergewebe zerstört und vernarbt und es gehe vor allem darum, Komplikationen zu vermeiden.

„Die fortgeschrittene Leberzirrhose geht ohne eine Lebertransplantation leider nie mehr weg“, sagt Privatdozent Dr. Daniel Benten. „Wir können dann nur noch versuchen, den sogenannten Aszites, eine Wasseransammlung in der Bauchhöhle, und eine Varizen-Blutung, bei der Krampfadern im Magen und der Speiseröhre stark bluten, zu verhindern.“

Auch bei seinem ersten Rettungssanitäter-Einsatz, damals als Zivildienstleistender, sei es um einen Mann mit einer Varizen-Blutung bei Leberzirrhose gegangen. „Ich schließe nicht aus, dass mich dieses Erlebnis unterbewusst dazu bewogen hat, mir den Fachbereich Gastroenterologie auszusuchen. Ich habe es jedenfalls nie bereut.“

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