Kunsthalle Hamburg

Kunstspiel: „Ich sehe was, was du nicht siehst“

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Volker Behrens
Franz von Lenbach (1836–1904) malte dieses Porträt des ungarischen Komponisten und Pianisten Franz Liszt im Jahr 1884.

Franz von Lenbach (1836–1904) malte dieses Porträt des ungarischen Komponisten und Pianisten Franz Liszt im Jahr 1884.

Foto: bpk | Hamburger Kunsthalle | Elke Walford

Das Kunstspiel zum Mitmachen – jeden Montag im Abendblatt. Heute: Franz von Lenbach „Franz Liszt“ (1884).

Hamburg. Er hat sie fast alle gehabt. Der Maler Franz von Lenbach (1836–1904) galt im 19. Jahrhundert als der führende Porträtmaler seiner Generation, als „Geschichtsschreiber seiner Epoche“. Viele Prominente saßen für ihn Modell. Wegen seines adeligen Hintergrundes, er führte den Titel Ritter von Lenbach, wurde er auch als „Münchner Malerfürst“ bezeichnet. Allein Otto von Bismarck hat er 80-mal porträtiert bis hin zu einer Pastellzeichnung auf dessen Totenbett.

Das Bild des Komponisten Franz Liszt aus der Kunsthalle zeigt den Komponisten als gereiften Mann im Profil. Mit seinen langen Haaren und weißem Stehkragen wirkt er darauf fast ein bisschen pastoral und mürrisch. Liszt, ehemaliges Wunderkind und mit mehr als 1300 Kompositionen ein enorm produktiver Musiker, ist mehrfach von Lenbach gemalt worden. Er ist auf dem Bild etwa 73 Jahre alt. Das Bild weist ein typisches Merkmal der vielen einfühlsamen Lenbach-Porträts auf: Er legte stets großen Wert auf die detaillierte Darstellung der Augen, man nannte ihn auch den „Augenmaler“.

Lenbachs Vorbilder waren Tizian und Peter Paul Rubens

Der Maler hat sich lange Zeit bemüht, der Individualität seiner Motive auf die Spur zu kommen. „Kunst treiben, heißt Takt üben“, soll er gesagt haben. Lenbach wurde in die Familie eines Stadtmaurermeisters hineingeboren. Allein schon aus den ersten beiden Ehen hatte sein Vater 17 Kinder. Auch Franz machte zunächst eine Maurerlehre, bevor er sich der Kunst zuwandte.

Lenbachs Vorbilder waren Tizian und Peter Paul Rubens. Er freundete sich mit dem Kollegen Arnold Böcklin an und wurde Professor an der Kunstschule in Weimar. Dort kündigte er, weil er, wie er sagte, noch mehr zu lernen hatte als er lehren konnte. Ab 1870 konnte er mit seinen Porträts große Erfolge feiern. Um seine großen Kosten decken zu können, setzte er später auf eine Massenproduktion. Die Bilder wirkten immer flüchtiger. Seine anfangs wohlwollenden Kollegen begannen über ihn die Nase zu rümpfen.

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