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Wohnungssuche lieferte Wiebke Busch den Stoff für ein Buch

| Lesedauer: 6 Minuten
Vanessa Seifert
Wiebke Busch am Elbstrand. Mit Mann und ihren beiden Kindern ist die Autorin und Bloggerin mittlerweile in Othmarschen zu Hause.

Wiebke Busch am Elbstrand. Mit Mann und ihren beiden Kindern ist die Autorin und Bloggerin mittlerweile in Othmarschen zu Hause.

Foto: Wiebke Busch

Vier Jahre lang hat sie ein neues Zuhause für ihre Familie gesucht: Ihre Erfahrungen hat sie in einem Roman verarbeitet.

Hamburg.  „Hilfe, die Ruttmanns kommen!“ So lässt sich wohl die leichte Panik beschreiben, die sich in den Augen der gut frisierten Makler spiegelt, wenn sich die sympathische vierköpfige „Otto-Normal-Familie“ für eine durchsanierte Altbauwohnung in Ottensen interessiert, die am Ende aber ja sowieso an einen alleinstehenden Start-up-Gründer mit Hund vermietet wird.

Dabei haben die Doppelverdiener Steffi und Arno nicht mal übertrieben hohe Ansprüche an ihr neues Zuhause, in das sie mit den Kindern Lina und Oskar einziehen wollen: Bezahlbar soll es halt sein. Tja, leider suchen die Ruttmanns in Hamburg. Und irgendwann dann aus Verzweiflung auch im wunderschönen Umland, von wo aus man das Büro in der City ja auch „in 20 Minuten erreicht“. Jedenfalls in der Theorie. Und in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag.

Wohnungssuche in Hamburg klingt für viele nach einer Horrorgeschichte

Auf Wohnungssuche in einer Stadt, die hochwahrscheinlich zu den schönsten und mit Sicherheit zu den teuersten der Republik gehört – das klingt nicht nur für jene, die es schon selbst erleben durften, nach Horrorgeschichte. Wiebke Busch hat daraus jedoch einen amüsanten Roman gemacht, der unter dem bezeichnenden Titel „Familie ist, wenn man trotzdem lacht“ kürzlich im Heyne Verlag erschienen ist.

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Zu der fiktiven Geschichte, an dem die 45-Jährige ein Dreivierteljahr gearbeitet hat, habe sie die eigene Suche inspiriert, die sich über vier lange Jahre gezogen habe. „Dass Wohnungsnot, zugegebenermaßen auf einem hohem Niveau, mittlerweile ein Problem der Gesellschaftsmitte ist, das treibt mich schon um“, sagt die Autorin. „Wie kann es sein, dass man okay verdient und sich trotzdem nichts Angemessenes leisten kann?“

Vor 15 Jahren „Wahnsinn“, heute quasi ein Schnäppchen

Die Kapitel der Wohnen-Historie, wie sie Wiebke Busch selbst erlebt hat, sind geradezu prototypisch: Frisch verliebt zieht sie bei ihrem heutigen Mann ein, der noch zu Zeiten der D-Mark eine 70 Quadratmeter-Erdgeschosswohnung mitten in Ottensen gekauft hat. „Die ersten Jahre fühlten wir uns zu zweit dort geradezu herrschaftlich“, sagt die gebürtige Kielerin. 2006 wird die Tochter geboren, das Gäste-/Arbeitszimmer wird zum Kinderzimmer. „Es war also noch genug Platz da, aber wir haben schon mal unverbindlich angefangen, uns nach etwas Größerem umzuschauen.“

Sie erinnere sich noch, wie sie das Angebot für eine Wohnung auf dem Tisch hatten, die damals 420.000 Euro kosten sollte. „Wir haben uns angeguckt und gesagt: Das ist ja purer Wahnsinn! Da haben wir natürlich nicht geahnt, dass man für den Preis 15 Jahre später in Top-Lage quasi kaum noch eine Garage bekommt.“

Winterhude oder Hannover macht keinen Unterschied

2010 kommt der Sohn auf die Welt, die Suche nach einem neuen Zuhause wird konkreter – und dauert. „Natürlich können sich Kinder ein Zimmer teilen, das haben unsere ja auch gemacht. Und dennoch denkt man als Eltern: Wäre schon schön, wenn jeder spätestens zur Einschulung sein eigenes Reich hätte.“

Gern würde die Familie in Ottensen bleiben, wo Fabriken niedergerissen werden und Neubausiedlungen entstehen. Aber eben vor allem „für Besserverdiener mit SUV“, wie Wiebke Busch es in ihrem Roman formuliert. „Natürlich waren wir dann auch schnell bereit, in einen anderen Stadtteil zu ziehen. Wobei ich immer gesagt habe: Ob wir jetzt nach Winterhude gehen oder nach Hannover, das ist vom Prinzip her egal, denn von der Kita bis zum Hausarzt muss ich mir alles neu suchen.“ Das gilt natürlich erst recht für ein neues Zuhause im benachbarten Schleswig-Holstein. Oder südlich der Elbe.

Familie ist in Othmarschen fündig geworden

„Klar, da haben wir auch schöne Häuser besichtigt, aber man braucht eben immer ein Auto“, sagt die leidenschaftliche Radfahrerin. Und aus dem Freundeskreis seien auch schon Bemerkungen gekommen wie „Wir kommen euch natürlich besuchen, aber vor 16 Uhr müssen wir wieder durch den Tunnel sein“. Am Ende, nach vier Jahren, ist die Familie in Othmarschen fündig geworden, wohnt nun dort auf 120 Quadratmetern in einem Mehrfamilienhaus zur Miete. Familienglück in vier Zimmern. „Und trotzdem könnten wir jetzt in Zeiten von Homeoffice noch den Spruch bringen, den man so oft hört: Ein Zimmer mehr wäre schon schön.“

Doch nicht nur für Wiebke Busch und ihre Familie, sondern auch für die Ruttmanns aus dem Roman gibt es ein glückliches Ende: Die Familie zieht zu einer älteren Dame, die „Platz in ihrem Leben und in ihrem Haus“ hat. So wird aus der „Villa Flora“ eine Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft.

Dazu passt eine ganz aktuelle Studie der PSD Bank Nord (wir berichteten), wonach 56 Prozent der Hamburger angesichts der stark gestiegenen Immobilienpreise nach eigenen Angaben offen sind für alternative Wohnformen. Insbesondere unter den Jüngeren ist die Bereitschaft dazu stark ausgeprägt. „Vielleicht lohnt es manchmal für beide Seiten, darüber nachzudenken. Hin und wieder sieht man ja auch Häuser, in denen dann nur einer lebt“, sagt Wiebke Busch.

Die Autorin mag zwar kein eigenes Arbeitszimmer haben, aber sie arbeitet – und zwar an ihrem nächsten Buch. Das Thema: Urlaub mit Kindern. Da ist immer „Zeit für Gefühle“ – und zwar für verschiedenste. Das weiß auch Wiebke Busch, die als Werbetexterin nämlich mal für den Katalog der Robinson Clubs verantwortlich war ...

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