Prozess Hamburg

Versuchter Mord? Lauben-Einbrecher schlägt Polizistin nieder

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Bettina Mittelacher
Der Lauben-Einbrecher soll eine Polizeibeamtin mit einem Winkeleisen auf den Kopf geschlagen haben (Symbolbild).

Der Lauben-Einbrecher soll eine Polizeibeamtin mit einem Winkeleisen auf den Kopf geschlagen haben (Symbolbild).

Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Schöning

Zwei Polizisten ertappten den Einbrecher auf frischer Tat. Kurz darauf lag die Ermittlerin verletzt am Boden. Prozessstart.

Hamburg. Ein Routine-Einsatz, so schien es. Zunächst deutete nichts darauf hin, dass eine besondere Gefahr für die beiden Polizeibeamten drohte. Doch wenige Augenblicke später lag die Ermittlerin schwer verletzt am Boden, und das Leben beider Polizisten war bedroht. Wegen dieses Vorfalls vom 27. Januar dieses Jahres muss sich seit Donnerstag ein 32-Jähriger vor dem Schwurgericht in Hamburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten unter anderem versuchten Mord vor.

Still und zurückhaltend wirkt der Angeklagte, wie er da vor den Richtern sitzt. Ionut-Marian N. hält den Kopf gesenkt, mehr als seinen Namen und sein Geburtsdatum nennt er zunächst nicht. Aufmerksam lauscht er der Verlesung der Anklage, die eine Dolmetscherin in seine Heimatsprache Rumänisch übersetzt.

Prozess in Hamburg: Polizisten ertappten Einbrecher auf frischer Tat

Laut Ermittlungen waren zwei Zivilbeamte am Tattag kurz vor Mitternacht auf den Mann aufmerksam geworden, als er gerade im Begriff war, die Türen zu zwei Lauben in einem Kleingartenverein in Alsterdorf aufzuhebeln. Dann sei der auf die Beamten zugelaufen. Der Aufforderung, er solle seine Waffe weglegen, kam er demnach nicht nach.

Plötzlich, so die Vorwürfe weiter, habe der Verdächtige der Polizeibeamtin mit einem 39 Zentimeter langen Winkeleisen auf den Kopf geschlagen, so dass die Polizistin benommen zu Boden ging. Anschließend soll er die liegende Frau erneut attackiert haben.

Polizistin mit Winkeleisen geschlagen: Versuchter Mord?

In dieser Situation habe der Kollege der Verletzten geschrien, um den Angreifer von der Frau abzulenken. Zudem griff der Beamte zum Pfefferspray. Nun ging der Angreifer auch auf den männlichen Beamten los. Die Anklage geht davon aus, dass Ionut-Marian N. den Polizisten am Kopf treffen wollte. Verletzt wurde der Polizist aber lediglich an der Hand.

Der Fall war zunächst unter anderem als gefährliche Körperverletzung vor dem Schöffengericht angeklagt. Doch im Rahmen des ersten Prozesses hatten sich im Juni Hinweise zum Tatauflauf ergeben, die den Verdacht des versuchten Mordes nahe legten, heißt es. Der Angeklagte habe versucht, eine andere Straftat zu verdecken. Dabei habe er billigend in Kauf genommen, jemanden zu töten.

Bedeutsam war demnach die Waffe, mit der Ionut-Marian N. auf die Polizisten losgegangen sei. Es handele sich um eine „massive, schwere Eisenstange mit scharfen Kanten“, mit der der Angeklagte „wuchtig“ und nach einer deutlichen Ausholbewegung zugeschlagen habe.

Fall war an das Schwurgericht verwiesen worden

Dabei habe er billigend in Kauf genommen, dass die Schläge zu tödlichen Verletzungen führen würden. Es sei lediglich einem glücklichem Umstand zu verdanken, so erklärte eine Rechtsmedizinerin, dass die Kopfverletzungen nicht schwerer waren. Anhand dieser Umstände hatte sich der Verdacht des versuchten Mordes ergeben, und der Fall war an das Schwurgericht verwiesen worden.

Zudem gebe es deutliche Hinweise, dass der Angeklagte der Täter sei. Er wurde zwanzig bis dreißig Minuten nach dem versuchten Einbruch festgenommen; eine spätere DNA-Analyse ergab, dass er mit sehr großer Wahrscheinlichkeit die Tatwaffe, das Winkeleisen, in der Hand hatte.

Prozess: Angeklagter hat weder Arbeit noch festen Wohnsitz

Die Staatsanwaltschaft legt dem 32-jährigen Angeklagten neben versuchtem Mord auch gefährliche Körperverletzung, versuchten Diebstahl im besonders schweren Fall sowie tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte zur Last. Der Mann, der offenbar weder Arbeit noch einen festen Wohnsitz hat, soll zur Tatzeit angetrunken gewesen sein. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Bei seinen Vernehmungen im Rahmen des Ermittlungsverfahrens bestritt der Beschuldigte die Vorwürfe. Im ersten Prozess vor dem Schöffengericht machte Ionut-Marian N. keine Angaben. Jetzt im Verfahren vor dem Schwurgericht allerdings, kündigt sein Verteidiger an, werde sein Mandant Angaben machen. Für den Prozess sind zunächst neun Verhandlungstage angesetzt.

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