Corona Schule

Vorreiter: Alle Hamburger Klassen bekommen Luftfilter

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Franziska Coesfeld
Um Hamburgs Kinder und Jugendliche an den Schulen besser vor Corona zu schützen, werden bald alle Klassenräume mit Luftfiltern ausgestattet (Symbolbild).

Um Hamburgs Kinder und Jugendliche an den Schulen besser vor Corona zu schützen, werden bald alle Klassenräume mit Luftfiltern ausgestattet (Symbolbild).

Foto: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Behörde hat 21.000 mobile Geräte bestellt. Hersteller versprechen pünktliche Lieferung. Welche Schulen zuerst dran sind.

Hamburg. Gute Nachrichten für alle Hamburger Schüler, Lehrer und Eltern: Die Schulbehörde hat – nach einigem Zögern – mehr als 21.000 mobile Luftfilter für Klassen- und Unterrichtsräume bestellt, die ab Anfang September geliefert werden sollen. Die CDU hatte erst vor wenigen Tagen Schulsenator Ties Rabe (SPD) und der rot-grünen Koalition schwere Versäumnisse beim Infektionsschutz an Schulen vorgeworfen – die Geräte seien zu spät bestellt worden.

"Hamburg ist bislang das einzige Bundesland, das flächendeckend alle Klassenräume und einen großen Teil der weiteren Unterrichtsräume an den Schulen mit mobilen Luftfiltergeräten ausstattet", sagte Schulsenator Rabe am Donnerstag. "Ich freue mich, dass es uns trotz einer angespannten Marktsituation gelungen ist, rechtzeitig eine so große Zahl von Geräten sicher zu bestellen.“

Corona an Schulen: Bis Ende der Herbstferien 18.000 Luftfilter

Die mobilen Luftfiltergeräte im Wert von mehr als 21 Millionen Euro wurden bei verschiedenen Herstellern für die Unterrichtsräume der staatlichen Hamburger Schulen verbindlich bestellt. Laut Behörde haben die Hersteller versprochen, ab Anfang September und bis Ende der Herbstferien mindestens 18.000 Geräte zu liefern. Die weiteren Geräte sollen im Oktober folgen, heißt es weiter.

Mit der sehr umfangreichen Bestellung von mobilen Luftfiltergeräten wolle man Hamburgs Schüler noch besser vor Corona-Infektionen schützen, sagte Rabe. Die mobilen Luftfiltergeräte sind etwa so groß wie ein Kühlschrank und funktionieren ähnlich wie ein Staubsauger: Mithilfe eines Ventilators wird die verbrauchte Luft des Klassenraumes angesaugt und über ein extrem feines Filtermedium gereinigt. Winzige Partikel wie beispielsweise mit Coronaviren verunreinigte Aerosole werden so aus der Luft herausgefiltert.

Zwei Luftfilter für jeden Klassenraum in Hamburg

"Um die Wirksamkeit und Sicherheit zu erhöhen, plant die Schulbehörde, in jedem Raum statt eines größeren Gerätes zwei kleinere Geräte gegenüber aufzustellen", heißt es in der aktuellen Mitteilung. Der Vorteil: Die eventuell verunreinigte Luft muss kürzere Wege bis zum Filter zurücklegen.

Ziel der Schulbehörde ist es,10.000 Unterrichtsräume mit Luftfiltergeräten auszustatten, um die Sicherheit für die rund 8600 Schulklassen an den allgemeinbildenden Schulen sowie die Schulklassen an den berufsbildenden Schulen zu erhöhen. Einzelne Schulen haben bereits rund 800 Klassenräume mit Luftreinigungsanlagen ausgestattet.

Grundschulen in Hamburg sind die ersten

Die Behörde gibt an, dass die bestellten Geräte mit maximal 45 Dezibel "ausreichend leise" seien, um den Unterricht nicht zu stören. "Sie filtern pro Stunde mindestens die dreifache Luftmenge des Raumes", teilte die Schulbehörde mit.

Als erstes sollen Hamburgs Grundschulen mit mobilen Luftfiltergeräten ausgestattet werden. Danach folgen die weiterführenden Schulen und zuletzt die berufsbildenden Schulen. Hintergrund der Reihenfolge ist, dass sich ältere Schülerinnen und Schüler bereits impfen lassen können, während es für Grundschülerinnen und Grundschüler noch nicht einmal Impfstoffe gibt.

Luftfilter sollen Corona-Schutz ergänzen

Dass die Schulen erst jetzt Luftfilter erhalten, begründet die Behörde damit, dass Wirkung und Notwendigkeit der Geräte von Experten lange Zeit unterschiedlich bewertet wurden. "Erst in den letzten Monaten gab es klarere Voten für die Aufstellung der Geräte, beispielsweise durch das Bundesumweltamt und die Bundesregierung", so die Schulbehörde. Hamburg habe sich wegen der geänderten Experteneinschätzungen entschieden, die Geräte nun flächendeckend anzuschaffen.

Die Geräte sollen die anderen Sicherheitsmaßnahmen an Schulen ergänzen, aber nicht ersetzen. Auch weiterhin müssen alle Unterrichtsräume alle 20 Minuten ordentlich durchgelüftet werden. Die mobilen Luftfiltergeräte sind Baustein eines Fünf-Stufen-Sicherheitskonzeptes an den Hamburger Schulen.

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„Ausschreibung, Beschaffung und Aufstellung einer derart großen Menge anspruchsvoller technischer Geräte ist ein sehr ambitioniertes Vorhaben, das es bislang in der Schulbehörde noch nicht gegeben hat", betonte Ties Rabe. "Die Dimension wird bereits daran deutlich, dass trotz Einbeziehung mehrerer namhafter Hersteller selbst die Firmen Mühe haben, überhaupt so viele Geräte zu produzieren und zu liefern."

Fünf-Stufen-Sicherheitskonzept für Hamburgs Schulen:

  1. Alle Schulbeschäftigten haben frühzeitig umfassende Impfangebote bekommen und in großem Umfang wahrgenommen. Die Gefahr einer Übertragung von Corona durch Lehrkräfte oder andere Schulbeschäftige auf die Schülerinnen und Schüler ist damit erheblich verringert worden. Impfangebote für Schülerinnen und Schüler an den Berufsbildenden Schulen gibt es seit dem 10. August, Impfangebote für Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahre an den allgemeinbildenden Schulen sind in Vorbereitung.
  2. Zweimal in der Woche müssen alle Schülerinnen und Schüler mit einem Antigen-Schnelltest nachweisen, dass sie keine Corona-Viren übertragen. Die Tests sind kostenlos und werden in der Regel unter Anleitung der Lehrkräfte in der Schule durchgeführt. Geimpfte und Genesene sind getesteten Personen gleichgestellt.
  3. Wer sich im Schulgebäude aufhält, muss eine medizinische Maske tragen. Ausnahmen von der Maskenpflicht gibt es beim Essen in der Schulkantine, auf dem Schulhof, beim Sport, auf dem Außengelände der Schule und bei Klassenfahrten außerhalb von Gebäuden.
  4. Alle Unterrichtsräume sollen alle 20 Minuten für fünf Minuten gelüftet werden, um verbrauchte Luft und krankheitsübertragende Luftpartikel (Aerosole) durch frische Luft zu ersetzen. Fachleute warnen dringend vor einer „Dauerlüftung“. In der kühlen Jahreszeit behindern dauerhaft angekippte Fenster den Luftaustausch und kühlen die Räume unnötig aus. Deswegen ist es im Herbst und Winter viel besser, die Fenster 20 Minuten lang zu schließen, dann für fünf Minuten weit zu öffnen (Stoß- oder Querlüften) und danach wieder zu schließen.
  5. Die Schulbehörde wird größtenteils bis zu den Herbstferien zusätzlich alle Klassenräume mit mobilen Lüftungsgeräten ausstatten, die restlichen bis Ende Oktober.

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