Elektroauto

Pkw mit Solarstrom und Weltmeister-Fahrwerk bald in Hamburg

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Das Elektroauto Sion mit Solarstrom wurde im Hamburger Hafen vorgestellt. (Archivbild)

Das Elektroauto Sion mit Solarstrom wurde im Hamburger Hafen vorgestellt. (Archivbild)

Foto: picture alliance/dpa | Christophe Gateau

Der Sion nutzt Sonnenlicht für bis zu 245 Kilometer pro Woche. Er ist recht günstig – und hat einen prominenten Mitwirkenden.

Hamburg. Man muss schon genau hinschauen, um die Besonderheit dieses Autos erkennen zu können. Erst aus der Nähe werden die 248 Solarzellen, die bündig ins Dach, in die Motorhaube und die Seitenflächen eingelassen sind, sichtbar. Denn der „Sion“ des Münchner Start-ups Sono Motors ist nicht nur ein Elektroauto, das mit dem Strom aus der Batterie 305 Kilometer weit kommen soll. Die Solarzellen sorgen nach Angaben des Herstellers im Schnitt für 112 Kilometer an zusätzlicher Reichweite.

Zwar ist diese Zahl bezogen auf die Wetterverhältnisse am Firmenstandort München – und in Hamburg gab es im vorigen Jahr 14 Prozent weniger Sonnenscheinstunden. Doch selbst bei dem typisch wechselhaften norddeutschen Wetter mit vielen Wolken und einzelnen Schauern, bei dem Sono-Motors-Manager Thomas Hausch den Sion am Cruise Center Steinwerder im Hamburger Hafen vorstellte, reichte das Licht für ein paar weitere kosten- und CO2-freie Kilometer aus.

Elektroauto: Sion lädt während der Fahrt mit Solarstrom

Geladen wird sogar während der Fahrt, angezeigt wird das wird auf einem großen Touch-Bildschirm neben dem Lenkrad – für jede Karosseriefläche einzeln. Tatsächlich ist die Solar-Reichweite sehr stark wetterabhängig. Bezogen auf die Verhältnisse in München sollen es bei bestem Sommerwetter bis zu 245 Kilometer pro Woche sein, bei ständig bewölktem Himmel im Winter sind es aber nur 21 Kilometer. Zum Vergleich: Hamburger fahren im Schnitt rund 200 Kilometer in der Woche.

Kaufen kann man den Sion zwar noch nicht, die ersten Serienfahrzeuge sollen gegen Mitte 2023 ausgeliefert werden. Doch 13.700 Personen, darunter auch viele aus dem Hamburger Raum, haben sich schon ein Auto reserviert, etliche nutzen an diesem Mittwoch die Gelegenheit für eine kurze Proberunde. Der angepeilte Preis des Wagens liegt bei 25.500 Euro.

Elektroauto Sion ist billiger als andere Modelle

Damit erscheint der Sion angesichts der familientauglichen Größe als Elektro-Pkw relativ günstig – trotz der Solar-Technologie. So kostet zum Beispiel der Kleinwagen Fiat 500e ähnlich viel. „Zum Sion vergleichbare Autos sind etwa 10.000 Euro teurer“, sagt Hausch.

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Er erklärt, wie die Kalkulation dennoch aufgehen soll: „Wir bauen nicht eine Million unterschiedlicher Ausstattungsvarianten, sondern nur genau diese eine – es gibt den Sion auch nur in Schwarz“ so Hausch, der als Chief Operating Officer (COO) in der Geschäftsleitung unter anderem für die Produktion und die Zusammenarbeit mit Zulieferern verantwortlich ist. Außerdem ist der Sion nur im Direktvertrieb ohne zwischengeschaltete Händler erhältlich.

Nico Rosbergs Firma entwickelt Fahrwerk

„Vor allem aber greifen wir soweit wie möglich auf bestehende und schon zugelassene Bauteile von namhaften Zulieferern zurück“, sagt Hausch. Der Antriebsstrang kommt von Continental, der Motor ist bereits aus dem Opel Corsa-e und dem Peugeot e-208 bekannt. Die Firma Team Rosberg Engineering (TRE) des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Nico Rosberg entwickelt das Fahrwerk.

Ein eigenes Werk muss Sono Motors nicht errichten. Der Sion, der im Jahr 2023 dem Unternehmen zufolge das erste in Serie gefertigte Solarauto sein wird, kommt dann aus der Fabrik des nicht mehr existierenden Autoherstellers Saab im schwedischen Trollhättan nördlich von Göteborg.

Elektroauto Sion hat Aluminium-Rahmen als Sicherheit

Sono Motors plant mit einer Jahreskapazität von bis zu 43.000 Einheiten. Das Presswerk des Werks benötig man nicht, denn die Karosserie besteht aus Kunststoff. Sicherheitsbedenken deswegen seien aber unbegründet, so Hausch: „Für die Crash-Sicherheit sorgt ein Aluminium-Rahmen.“

( v.m. )

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