Corona-Regeln

Hamburger Ehepaar darf nicht zurück nach Hause fliegen

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Dorothea Benedikt
Ein Hamburger Ehepaar saß am Flughafen in Lissabon fest und durfte nicht zurück nach Deutschland reisen (Symbolfoto).

Ein Hamburger Ehepaar saß am Flughafen in Lissabon fest und durfte nicht zurück nach Deutschland reisen (Symbolfoto).

Foto: picture alliance/Schoening

In Portugal wird dem älteren Paar der Zutritt zum Flugzeug Richtung Hamburg verwehrt. Begründung wundert auch den Reisevermittler.

Hamburg/Lissabon. Wer in Zeiten der Corona-Pandemie reisen möchte, muss mit Einschränkungen rechnen. Viele Länder haben ihre eigenen Einreisebestimmungen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese sich kurzfristig ändern können. Nicht nur für Reisende ist dies oft eine Herausforderung. Offenbar sind auch mal Flughafenmitarbeiter überfordert.

So lässt sich zumindest ein Vorfall am Flughafen in Lissabon erklären, bei dem einem Hamburger Ehepaar die Rückreise nach Deutschland verwehrt wurde. Als Grund wurden den Urlaubern eigenen Angaben zufolge die strengen deutschen Einreisebestimmungen genannt.

Flugzeug Richtung Hamburg hob ohne das Ehepaar ab

Frank Kupske und seine Frau Heidelinde hatten über einen Reisevermittler eine Flusskreuzfahrt auf dem Douro in Portugal gebucht. Per Flugzeug ging es für den 90-Jährigen und seine 78 Jahre alte Frau am 5. August in den Urlaub.

Eine Woche später, am 12. August, sollte das Ehepaar aus Harburg wieder zurück nach Hamburg reisen. Zunächst ging es für beide per Flieger von Porto nach Lissabon. Von dort war für 12.20 Uhr der Anschlussflug Richtung Hamburg geplant. Doch die Maschine flog ohne die beiden ab.

Portugal galt zum Zeitpunkt der Abreise als Hochrisikogebiet

"Es hieß, unsere Reiseformulare seien falsch", sagt Frank Kupske verärgert. Er und seine Frau seien vollständig geimpft. Weil ganz Portugal bis zum 15.August als Hochrisikogebiet galt, hätten beide vor der Einreise nach Deutschland eine digitale Einreiseanmeldung ausfüllen müssen.

Dies habe aber nicht geklappt. "Bei uns wurde kein QR-Code angezeigt", sagt Kupske. Vom Reiseveranstalter hatte der Urlauber bereits zuvor eine sogenannte "Ersatzmitteilung" bekommen, die er ausfüllen musste. "Damit sollten wir problemlos ausreisen können." In Ausnahmefällen ist dieses Dokument laut Auswärtigem Amt zulässig. Dies gelte beispielsweise, wenn eine Anmeldung wegen technischer Störungen oder fehlender Internetverbindung nicht möglich sei.

"Doch die Bodenstewardess bestand auf einen QR-Code", erinnert sich Kupske und sagt, dass nicht nur er und seine Frau betroffen waren, sondern auch noch andere Urlauber.

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Hamburger Ehepaar muss Nacht in Lissabon verbringen

Nachdem der Flieger Richtung Hamburg weg war, musste das Paar einen neuen Flug buchen. "Wir mussten uns zweieinhalb Stunden an einem Schalter anstellen. Der neue Flug ging am nächsten Tag ebenfalls um 12.20 Uhr. Diesen konnten wir dann auch mit unserem Formular antreten", sagt Kupske, der sich mit seiner Frau für die Nacht ein Hotelzimmer in Lissabon genommen hatte.

Noch in Lissabon kontaktierte der Urlauber seinen Reisevermittler. "Hilfe bekamen wir aber nicht", so der 90-Jährige. Auf Abendblatt-Anfrage hieß es von dem Reisevermittler "Seereisedienst", dass das Anliegen an den Reiseveranstalter Nicko Cruises weitergeleitet wurde.

Reiseveranstalter will Vorfall prüfen

Allerdings wunderte sich der Vermittler über das Vorgehen am Flughafen in Lissabon. Nicht jeder habe Internet und zahlreiche Kunden nutzten dafür das Ersatzformular, heißt es gegenüber dem Abendblatt. "Diese Kreuzfahrt startet jede Woche, bislang gab es nie Probleme", erklärt das Unternehmen.

Ob Frank und Heidelinde Kupske entschädigt werden und ihnen die Kosten von 179 Euro für die Übernachtung in Lissabon erstattet werden, ist unklar. In einer Stellungnahmen von Nicko Cruises heißt es, dass der Veranstalter bis zur Abendblatt-Anfrage nicht von dem Vorfall informiert wurde. Auch andere Reiseteilnehmer hätten sich bislang nicht gemeldet.

Laut TAP seien Reisedokumente fehlerhaft gewesen

"Wir haben uns umgehend an die Airline TAP gewandt mit der Bitte um zügige Auskunft über diesen Sachverhalt", sagt Sprecherin Sandra Huck. Von der TAP habe der Reiseveranstalter dann erfahren, dass es Probleme mit den Dokumenten gegeben habe.

"Aufgrund der fehlenden beziehungsweise fehlerhaften Dokumente und der verspäteten Landung aus Porto sei es laut TAP nicht mehr möglich gewesen, für die Gäste neue Dokumente für den Anschlussflug zu organisieren, weswegen sie auf den nächsten Tag umgebucht wurden", sagt die Sprecherin von Nicko Cruises und fügt hinzu: "Diese Aussage ist für uns nicht nachvollziehbar und wir werden selbst bei der TAP einen offiziellen Beschwerdeweg einschlagen. Wir sind sehr verärgert über diesen Vorfall und unser Geschäftsführer wird sich persönlich an die TAP wenden."

Die TAP ließ bislang eine Abendblatt-Anfrage unbeantwortet.

Sehen Sie hier, was seit dem 1. August bei der Einreise nach Deutschland gilt.

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