Digitale Sprechstunde

Radiologie-Chefarzt: „Es muss nicht immer der Chirurg ran“

| Lesedauer: 4 Minuten
Vanessa Seifert
Radiologe Prof. Dr. Axel Wetter aus Harburg.

Radiologe Prof. Dr. Axel Wetter aus Harburg.

Foto: Thorsten Ahlf

Mediziner spricht über die Macht der Bilder. Und über kleine Eingriffe, die für den Patienten Großes bewirken können.

Hamburg.  „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – ein Sprichwort, das zuweilen auch in der Medizin gilt. Denn oft sind es die Radiologen, die beispielsweise Röntgenaufnahmen interpretieren und damit Diagnosen liefern. Doch längst sind Radiologen nicht mehr allein „diagnostisch“ tätig, mitunter sind sie auch als Operateure gefragt, wie Professor Dr. Axel Wetter, seit Anfang des Jahres Chefarzt am Asklepios Klinikum Harburg, erklärt.

„Die interventionelle Radiologie, bei der wir über minimal-invasive Zugänge Eingriffe vornehmen, macht einen immer größeren Teil unserer Arbeit aus“, sagt der habilitierte Mediziner, der zuvor am Universitätsklinikum Essen gearbeitet hat, in einer neuen Podcast-Folge der „Digitalen Sprechstunde“, die unter anderem auf abendblatt.de kostenfrei zu hören ist.

Bei welchen Erkrankungen der Radiologe mit Eingriffen helfen kann

Auch mithilfe sogenannter bildgestützter Verfahren wie Ultraschall oder Computertomographie (CT) könne der Radiologe quasi gleichzeitig sehen und operieren. „Aber eben alles ohne Schnitte – und das ist für den Patienten von Vorteil“, sagt der verheiratete Vater von zwei Kindern, der derzeit in Hamburg ein neues Zuhause für die Familie sucht, die noch im Ruhrgebiet lebt.

Doch bei welchen Erkrankungen kann der Radiologe konkret mit Eingriffen helfen? „Zum Beispiel bei der sogenannten Schaufensterkrankheit. In Harburg haben wir eine große Abteilung für Gefäßmedizin, sodass wir entsprechend viele Patienten sehen, die an dieser peripheren arteriellen Verschlusskrankheit leiden.“ Dreimal pro Woche tage eine Konferenz, an der Gefäßchirurgen, Angiologen und eben auch Radiologen teilnehmen. „Da besprechen wir dann offen und gemeinschaftlich, was das beste Vorgehen im Sinne des Patienten ist.“

Über einen Katheter wirkt die Chemo direkt im Lebertumor

Auch Bauchaorten-Aneurysmen (wenn sich also die Bauchschlagader an einer Stelle ausgedehnt und sich eine Ausbuchtung gebildet hat) könnten in einem etwa ein- bis dreistündigen Eingriff effektiv „katheterbasiert“ behandelt werden, sagt der gebürtige Siegener, der in Bonn und im britischen Bristol Medizin studiert hat.

Ebenfalls würden Lebertumoren von den Radiologen therapiert: „Da führen wir einen winzigen Katheter in die Leberschlagader ein, über den die Medikation, also die Chemotherapeutika, direkt in den Tumor transportiert werden“, erklärt der Chefarzt für dia­gnostische und interventionelle Radiologie. „Dieses Verfahren heißt TACE und hilft dem Patienten schnell, weil es direkt vor Ort wirkt.“ In der Regel werde es mehrfach durchgeführt, um den Tumor zu kontrollieren und zu verkleinern, sodass er dann gegebenenfalls operativ entfernt werden könne.

Tumor mit großer Hitze zerstören

Vom Prinzip her ähnlich funktioniere die SIRT-Methode, bei der über einen Katheter in der Leberarterie radioaktive Substanzen in die Leber geschwemmt würden. „Das ist also eine Bestrahlung, die den Tumor von innen zerstört“, sagt der Chefarzt, der mit seinem Team aus 16 ärztlichen Kollegen und 26 medizinisch-technischen Assistenten in Harburg jeden Tag zwischen 270 und 300 Untersuchungen durchführt. Etwa fünf davon seien interventionelle Eingriffe, zu denen neben den erklärten Verfahren auch die Radiofrequenzablation zählt.

„Dabei wird der Tumor durch große Hitze zerstört“, erklärt der Radiologe, der eigentlich Chirurg werden wollte. „Doch schon als Arzt im Praktikum, als ich in der Chirurgie eingesetzt war, bin ich manchmal eine halbe Stunde vor der angesetzten Besprechung da gewesen, weil es mir so einen Spaß gemacht hat, mir gemeinsam mit den Kollegen aus der Radiologie die Bilder anzuschauen.“

In Heimfeld fühlt sich der Chefarzt schon zu Hause

Konsequenterweise hat sich der Mediziner dann für die Radiologie entschieden, die er nun seit Anfang des Jahres in Harburg leitet. „Ein weiteres wichtiges Tätigkeitsfeld ist dort die interventionelle Schlaganfalltherapie, bei der katheterbasiert das die Gehirnschlagader verstopfende Blutgerinnsel entfernt wird. Bei ausgewählten Patienten führt diese Methode oft zu einer raschen Besserung des Krankheitsbildes“, sagt der Chefarzt, der sich in Heimfeld schon „sehr zu Hause“ fühlt.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg