Fragebogen: Was Zuckowski von Annalena Baerbock wissen will

| Lesedauer: 6 Minuten

Was wollten Sie als Kind werden und warum?

Mein Vater war ein Seemann (Schiffs­steward) und hat mir manchen Traum von der großen weiten Welt in den Kopf gesetzt. Ich wollte aber spätestens mit 14 Jahren, da schenkte er mir eine Gitarre, Musiker werden.

Was war der beste Rat Ihrer Eltern?

Der Empfehlung meines Klassenlehrers, Herrn Böttcher von der Schule Meerweinstraße, zu folgen, dass ich ab der 5. Klasse mitten in der Stadt auf die Albrecht-Thaer-Schule gehen sollte. Dadurch bekam ich Kontakt in die Elbvororte, wo ich seit 1971 mit meiner Familie lebe.

Wer war beziehungsweise ist Ihr Vorbild?

Darf ich drei nennen (außer den vier Beatles)? Peter Ustinov, der weise Mann, Astrid Lindgren mit ihrem tiefen Verständnis für die Seele der Kinder und Janusz Korczak, dessen Satz „Kindheit ist nicht nur der Wartesaal des Lebens“ tief in mir verwurzelt ist.

Was haben Ihre Lehrer/Professoren über Sie gesagt?

Mein Klassenlehrer in der 3. Klasse: „Kleine Aufgaben erledigt er gern und zuverlässig.“ Mein Klassenlehrer in der 7. Klasse: „Zuckowski, in deinem Kopf geht ein Mühlstein herum“.

Wann und warum haben Sie sich für den Beruf entschieden, den Sie heute machen?

Er schlich sich seit 1974 Gitarre spielend in mein Leben. Mit dem Schreiben von Liedern konnte ich immer neu ausdrücken, was mich umtreibt und bewegt und damit zu vielen Menschen Brücken bauen.

Wer waren Ihre wichtigsten Förderer?

In Hamburg der leider im Januar verstorbene Prof. Dr. Hans-Wilfred Sikorski mit seiner Familie. In Luxemburg Frank Elstner, der mir 1981 meine erste Rundfunksendung „Du da im Radio“ anvertraut hat und der mir im Februar 1982 einen Auftritt bei „Wetten, daß ..“ mit dem Lied „…und ganz doll mich“ ermöglichte.

Auf wen hören Sie?

Auf meine innere Stimme der Zuversicht und auch mancher Zweifel. Auf meine Frau Moni, die seit 1971 auch die Mutter unserer vier Kinder ist. Ich habe mich auch immer bemüht, für meine Kinder beide Ohren offen zu halten.

Was sind Eigenschaften, die Sie an Ihren Chefs bewundert haben?

Ich hatte nur wenige Chefs, das war in meinen frühen Jahren im Musikverlag Sikorski. Ich fand die Ruhe, unaufgeregt zu großen Entscheidungen zu kommen, wohltuend.

Was sollte man als Chef auf keinen Fall tun?

Den Chef zu oft herauszukehren

Was sind die Prinzipien Ihres Führungsstils?

Ich bin ein Teamworker, kein Chef im klassischen Sinne.

Wie wichtig war/ist Ihnen Geld?

Miete bezahlen, Möbel kaufen, Essen und Getränke auf dem Tisch, auch mal auswärts, Kleidung für die Familie, ein taugliches Fahrzeug, Ferien machen. Das waren die Essentials für die Familie. Mit zunehmendem Erfolg wurden die Möglichkeiten größer, auch die Möglichkeiten, andere daran teil haben zu lassen.

Was erwarten Sie von Ihren Mitarbeitern?

Engagement mit Herzblut für unsere Projekte, eigene Kreativität, ehrliche Meinungen zu meinen Vorschlägen, aufrichtige Rückmeldungen über das Maß ihrer Möglichkeiten und die Grenzen der Belastbarkeit.

Worauf achten Sie bei Bewerbungen?
Ich kann seit Jahren keine neuen Bewerbungen annehmen, weil wir unsere Aktivitäten mit dem jetzigen Team voll befriedigend umsetzen können.

Duzen oder siezen Sie?
Ich komme nicht schnell zum Du, es sei denn in Künstlerkreisen und kreativen Umfeldern. Eine angenehme Zwischenform ist für mich das „hanseatische Du“, das mir zuerst Frank Elstner 1981 anbot: Vorname und „Sie“.

Was sind Ihre größten Stärken?
Solchen Fragen auszuweichen, da die Antwort entweder auf ein Understatement oder eine Selbstbeweihräucherung hinausläuft.

Was sind Ihre größten Schwächen?

Ich neige zu langen Antworten in verschachtelten Sätzen, weil ich immer so viel Aspekte berücksichtigen möchte. Das macht die Beantwortung diese Fragebogens nicht leichter.

Welche andere Entscheiderin
würden Sie gern näher kennenlernen?

Annalena Baerbock als Frau zwischen Familie, Partei und Wahlkampf.

Was würden Sie sie fragen?
Mit welchen Zeitplänen und Aufgabenverteilungen leben Sie und ihr Ehemann in der Familie? Wie nehmen Ihre beiden Töchter das wahr? Welche Rolle spielt Musik in Ihrer Familie? Sprechen Sie innerhalb der Familie konsequent gendergerecht?

Was denken Sie über Betriebsräte?
Ich habe unmittelbar nichts damit zu tun, denke aber, dass sie eine wichtige Einrichtung im Kräftefeld zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmerschaft sind.

Wann haben Sie zuletzt einen Fehler gemacht?

Das mag sich in den nächsten Tagen noch heraus stellen.

Welche Entscheidung hat Ihnen auf Ihrem Karriereweg geholfen?

Nicht in die Fußstapfen anderer Leute zu treten. Mir wurde z.B. die Nachfolge von Michael Schanze in der Sendung „1, 2 oder 3“ angeboten. Ich wäre sicherlich vom Musiker zu Moderator mutiert.

Wie viele Stunden arbeiten Sie in der Woche?

Ich bin als 74-jähriger Rentner immer noch mittendrin, allerdings ohne Tourneen und große TV-Präsenz. Ich schätze mal, dass ich auf ca. 30 Stunden in der Woche komme.

Wie viele Stunden schlafen Sie (pro Nacht)?

Ich schlafe in aller Regel spät aber gut ein und komme gegen acht aus den Federn.


Wie gehen Sie mit Stress um?

Durchatmen, keine Kurzschlusshandlungen, auf die Elbe gucken, Gitarre in die Hand nehmen.

Wie kommunizieren Sie?
Auf vielen Kanälen, Telefon, E-Mail, SMS, dann und wann auch noch per Brief. Social Media nur in Beantwortung von Kommentaren auf unsere Posts. Nicht Whatsapp und Twitter.

Wie viel Zeit verbringen Sie an ihrem Schreibtisch?
In letzter Zeit wieder etwas zu viel. Ich denke mal um die fünf Stunden am Tag.

Wenn Sie anderen Menschen nur einen Rat für ihren beruflichen Werdegang geben dürften, welcher wäre das?

Bleib offen bleiben für den Wandel und wandle Dich mit, ohne dich von dir selbst zu entfremden.

Was unterscheidet den Menschen von dem Manager Zuckowski?

Wie sagte doch der Ruhrgebietskabarettist Jürgen von Manger immer so schön? „Mensch bleiben!“

Und zum Schluss: Was wollten Sie immer schon mal sagen?

Ich lag hier nun wie auf der Couch. Der Nächste bitte!

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