Bildung

Wie Sprache und Fantasie durch einen Wettbewerb profitieren

| Lesedauer: 11 Minuten
Claas Greite
Autor Jörg Bernardy (oben, 3.v.l.) und Lehrer Hédi Bouden (unten, 1.v.r.), mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums.

Autor Jörg Bernardy (oben, 3.v.l.) und Lehrer Hédi Bouden (unten, 1.v.r.), mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums.

Foto: Roland Magunia/Funke Foto Services

Bewerbungsphase gestartet: Schreibwettbewerb KLASSEnSÄTZE bringt Kreativität an Hamburgs Schulen. Und: Unterstützung durch Lesepaten.

Hamburg. Wer ein kreatives Hobby hat, tut sich selbst etwas Gutes – das gilt für Menschen aller Altersstufen. Doch wer bereits als Kind künstlerische Ausdrucksformen für sich entdeckt, kann als Erwachsener umso mehr davon profitieren. Ein ganz besonderer Ansporn für schlummernde Schreibtalente ist der Hamburger Wettbewerb KLASSEnSÄTZE, für den jetzt wieder die Anmeldefrist läuft. Teilnehmen dürfen Schülerinnen und Schüler verschiedener Altersstufen, Gewinnertexte werden prämiert (siehe Infokasten).

Am Helmut-Schmidt-Gymnasium in Wilhelmsburg ist die regelmäßige Teilnahme an dem Wettbewerb bereits fester Bestandteil der Schulkultur. Hédi Bouden ist einer der Lehrer, die schon seit Jahren mit ihren Klassen bei dem Wettbewerb mitmachen. „Das ist eine große Chance, Kindern und Jugendlichen einen Raum zu geben, kreativ zu arbeiten“, sagt der Pädagoge, der die Fächer Deutsch, Geschichte, Politik, Theater und Kunst unterrichtet. Jedes Jahr hat der Wettbewerb ein bestimmtes Oberthema – diesmal lautet es „Zusammensein“.

Hamburger Wettbewerb verändert Klassenstrukturen

Dazu Hédi Bouden: „Es gibt eigentlich immer Anknüpfungspunkte zu Themen, die man gerade im Unterricht behandelt. Das bereichert die Stunden sehr.“ Das kreative Schreiben füge dem Unterricht wichtige Facetten hinzu, so Bouden: „Schreibprozesse führen dazu, dass Kinder und Jugendliche Selbstwirksamkeit erfahren, jenseits von Benotung. Wir Lehrer lernen unsere Schüler dabei oft noch einmal ganz neu kennen, weil sie Seiten von sich zeigen, die ansonsten verborgen bleiben.“

Wie der Lehrer sagt, könne der Wettbewerb auch Klassenstrukturen zum Positiven verändern: „Schüler, die vorher schüchtern gewesen sind, kommen danach manchmal richtig aus sich heraus.“ Aus den geschriebenen Texten wählt jede teilnehmende Schulklasse ihren Gewinnertext aus. Dann kommt eine Jury auf Schulebene ins Spiel, die aus diesen wiederum insgesamt drei auswählt, mit denen die Schule ins Rennen geht. Welche Texte aus allen teilnehmenden Hamburger Schulen letztlich gewinnen, das entscheidet die Wettbewerbsjury. Sie setzt sich aus Jugendlichen und Erwachsenen zusammen.

Hamburger Schriftstellerin Teil des Gremiums

Teil des Gremiums ist die Hamburger Schriftstellerin Stefanie Taschinski. „Es ist jedes Jahr ein sehr spannender Prozess, die Siegertexte zu finden“, sagt sie. Das Verfahren läuft so: „Jedes Jurymitglied schlägt zwei bis drei Favoritentexte vor. Dann gehen wir in die Diskussion. Es ist immer sehr interessant, die Sichtweise der anderen Jurymitglieder kennen zu lernen, gerade die Jugendlichen haben oft noch einmal einen anderen Blick auf die Texte.“ Stefanie Taschinski betont das „durchgehend hohe Niveau“ der eingesendeten Texte. Das gelte auch und gerade für die Wettbewerbskategorie „SprachEinsteiger“. Hier können Schülerinnen und Schüler aus den internationalen Vorbereitungsklassen ihre Texte einreichen.

Der Wettbewerb

KLASSEnSÄTZE ist ein Wettbewerb für Hamburger Schulen von Klasse 4 bis 13, gefördert von der Guntram und Irene Rinke Stiftung.  Träger ist der Verein Seiteneinsteiger, Auftraggeberin die Behörde für Schule und Berufsbildung.

Prämiert werden Texte in vier Altersstufen, außerdem in der Kategorie SprachEinsteiger. Das Motto für 2021/22 lautet „Zusammensein“.

Bis zum 18. September können Lehrer ihre Schulklassen anmelden. Die Siegertexte werden veröffentlicht. Weitere Informationen unter klassensaetze-hamburg.de.

Stefanie Taschinksi bekommt Texte von Mädchen wie von Jungen auf den Schreibtisch, das Verhältnis sei in etwa ausgewogen. Häufig wiederkehrende Themen seien Freundschaft und die Wahrnehmung des eigenen Körpers – und zuletzt habe sich natürlich die Corona-Krise stark bemerkbar gemacht.

Elmira Akbarzada Siegerin von KLASSEnSÄTZE

Als sie ihren Text für KLASSEnSÄTZE schrieb, ahnte Elmira Akbarzada noch nichts vom Coronavirus. Ihre Erzählung „Schwarzes Fenster“ von 2018 handelt von einer Frau, die durch einen Säureangriff ihr Augenlicht verliert. Mit dem Text gewann die damalige Elftklässlerin des Helmut-Schmidt-Gymnasiums in ihrer Altersgruppe den Wettbewerb. Heute studiert die 20-Jährige Architektur an der HafenCity Universität.

Zum Schreiben kam sie damals über den Schulunterricht: „Wir haben bei Herrn Bouden immer vor Beginn der Deutschstunden eine Weile frei und kreativ geschrieben. Das war die Initialzündung.“ Der Sieg beim Wettbewerb, über den sie selbst sehr überrascht war, sei dann „ein Stoß in die richtige Richtung“ gewesen: „Danach wollte ich auf jeden Fall weitermachen.“

Ehemalige Schülerin aus Hamburg schreibt Roman

Das Schreiben bezeichnet Elmira Akbarzada als „sehr, sehr gute Möglichkeit, Gedanken zu sortieren und innere Konflikte herauszulassen.“ Mittlerweile arbeitet sie an ihrem ersten Roman, der die Geschichte ihrer Mutter thematisiert, die vor Elmiras Geburt aus Afghanistan flüchtete. Elmira Akbarzada: „Ich hoffe, dass ich damit dafür sorgen kann, dass geflüchtete Menschen mehr Akzeptanz erfahren.“ Schülerinnen und Schüler, die selbst gerne schreiben, möchte sie ermutigen, dabei zu bleiben: „Manchmal kann man sich auf Papier einfach am besten ausdrücken.“

Stiftung Kinderjahre

Der Leitgedanke der Stiftung Kinderjahre ist es, Chancengerechtigkeit für Kinder zu verbessern und sie auch durchzusetzen. Seit mehreren Jahren unterstützen wir als Lesepaten unsere Hamburger Partnerschulen. Aktuell tun wir das an zwei Standorten. Denn wir sind der Ansicht, dass Information und Meinungsbildung genauso wichtig für die nachwachsende Generation ist wie für Erwachsene.

Bildung wird in der Schule vermittelt. Mit Informationen aus der Tageszeitung Hamburger Abendblatt wird dies unterstützt.

DZ HYP AG

Was ist eigentlich die DZ HYP AG? Sie ist die Immobilienbank der Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken und eine der führenden Pfandbriefbanken in Deutschland mit Doppelsitz in Hamburg und Münster. Wir engagieren uns auch im Projekt Lesepaten.

Da ich selbst meine Ausbildung an unsere Patenschule, der Beruflichen Schule St. Pauli, gemacht habe, weiß ich, welche wichtige Aufgabe Medien haben: relevante Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft klar zu vermitteln. Die Aktion Lesepaten hilft Jugendlichen dabei, eigene Meinungen zu aktuellen Ereignissen zu entwickeln.

JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH

Die Ergebnisse der IGLU-Studie 2016 zeigen, dass knapp ein Fünftel der Zehnjährigen in Deutschland nicht sinnentnehmend lesen können.

Wir möchten dazu beitragen, dass Kinder Spaß an Geschichten entwickeln und die mediale Vielfalt kennenlernen, zu der auch Zeitungen, Bücher und Hörbücher gehören.

henningerarchitekt Gesellschaft mbH

henningerarchitekt Gesellschaft von Architekten und Ingenieuren mbH. So lautet der volle Name unseres Unternehmens. Als Vater von zwei Teenagern kenne ich den Sog, den viele digitalen Medien auf Jugendliche ausüben.

Deshalb ist mir das Angebot journalistischer Inhalte, z.B. als Tageszeitung und besonders in der Schule, als Kontrapunkt zu den vielen „Influenzern“ wichtig. Gerne setze ich daher meine Lesepatenschaft für das Gymnasium Hittfeld fort.

Vierländer Markt Niko Clausen GmbH

Wir sind der E aktiv markt Clausen in Hamburg-Neuengamme. Gesellschaftliches Engagement ist uns wichtig.Deshalb möchten wir gerade den „Digital Natives“ mit der Lesepatenschaft das Zeitunglesen nahebringen und sie so gut für die Zukunft rüsten.

Eine solche Verbindung von Moderne mit Tradition leitet uns als familiengeführtes Unternehmen auch bei der Unterstützung des größten Erntedankfestes Norddeutschlands in Kirchwerder.

TCLOG LOGISTICS GmbH

Wir sind ein Logistikunternehmen mit Sitz in Norderstedt. Die Bildung von Jugendlichen liegt uns am Herzen. Dazu gehört auch die Lektüre einer Tageszeitung, damit junge Menschen früh lernen, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Deshalb engagieren wir uns wieder als Lesepate. Wir unterstützen gezielt das Gymnasium Heidberg in direkter Umgebung. Viel Spaß beim Lesen!

atmosgrad GmbH

Was verbirgt sich hinter dem Namen atmosgrad GmbH? Wir sind ein Beratungsunternehmen mit Sitz in Hamburg. Wir beraten rund um das Thema Immobilien – ob in Planung und Bau oder in Betrieb und Bestand. Verantwortungsvolles Investment nach ESG-Kriterien stehen dabei ebenso im Fokus wie aktuelle Ziele des Klimaschutzes. Und was bedeutet ESG? Das Kürzel steht für die Bereiche Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance).

Gern engagieren wir uns im Projekt Lesepaten. Denn solide Information aus der Zeitung ist für den gesellschaftlichen Dialog und eine demokratische Willensbildung jenseits von „Fake News“ unersetzlich. Zeitungslektüre bildet, und Bildung ist der kritische Faktor für die Entwicklung der Urteilsfähigkeit junger Menschen und den Erhalt unserer offenen Gesellschaft.Also lest,ihr Schüler!

Hauschildt & Mohrdiek

Steuerberater Hauschildt & Mohrdiek – das sind wir. Eine Kanzlei in Elmshorn. Das Gespräch von Mensch zu Mensch, der persönliche Kontakt, bedeuten uns viel. Und die Bildung junger Leute liegt uns am Herzen.

Gerne unterstützen wir deshalb die Berufliche Schule in Elmshorn mit der Lesepatenschaft. Denn es reicht nicht, aus seine Bildung über Tweets und Schlagzeilen zu fördern. Gut recherchierte Zeitungsberichte helfen dabei, viele Bereiche besser zu verstehen und sich eine objektive Meinung zu bilden. Viel Spaß beim Lesen, liebe Schülerinnen und Schüler!

D. F. Liedelt Stiftung

Die Dietrich F. Liedelt Stiftung mit Sitz in Hamburg engagiert sich für eine bessere Zukunft für unsere Kinder. Durch unsere Lesepatenschaften möchten wir einen Beitrag dazu leisten, dass Jugendliche sich mit wichtigen gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen.

Mit den Printmedien erreichen wir für den jungen Leser eine höhere Dichte an wichtigen regionalen, aber auch überregionalen Artikeln. Somit gibt es eine gute Alternative zur digitalen Welt.

Jungheinrich AG

Im Jahr 1953 wurde unser Unternehmen in Hamburg gegründet. Heute sind wir ein weltweit tätiges Unternehmen in der Flurförderzeug-, Lager- und Materialflusstechnik. Gerne engagieren wir uns im Projekt Lesepaten. Vertrauenswürdige Zeitungen und Medien sind – ob digital oder gedruckt – ein Eckpfeiler unserer nachhaltig stabilen und gefestigten Gesellschaft.

Sie helfen dabei, Dinge zu hinterfragen, verlässliche von unseriösen Informationen zu unterscheiden und Quellen richtig einzuordnen. Eine Kompetenz, die heute wichtiger ist denn je.

Ritter & Behrendt GmbH

Ritter & Behrendt GmbH, Heizung-, Sanitär- und Lüftungstechnik. Das ist unser Name. Wir sind ein Unternehmen aus Seevetal. Wir sind kompetent und zuverlässig seit mehr als 40 Jahren. Unser Schwerpunkt ist die Reparatur und Sanierung von Heizungs- und Sanitäranlagen in Ein- und Mehrfamilienhäusern. Wir sind ein zuverlässiger Partner für unsere Kunden.

Gesellschaftliches Engagement liegt uns am Herzen. Deshalb freuen wir uns sehr, den Nachwuchs mit einer Lesepatenschaft zu unterstützen!

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