Flughafen Hamburg

Wütende Passagiere erzwingen Nachtflug am Hamburg Airport

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Eigentlich gilt am Hamburger Flughafen ein Nachtflugverbot. Rebellierende Fluggäste konnten jedoch einen Start um 1.41 Uhr erwirken (Archivbild).

Eigentlich gilt am Hamburger Flughafen ein Nachtflugverbot. Rebellierende Fluggäste konnten jedoch einen Start um 1.41 Uhr erwirken (Archivbild).

Foto: picture alliance / Axel Heimken/dpa

Ausgefallener Flug sollte am Tag darauf wegen Verspätung erneut nicht starten. Hamburger Polizei rückte mit 16 Streifenwagen an.

Hamburg. Nach 24-stündigem Warten am Hamburger Flughafen haben die Passagiere eines Fluges nach Tirana einen nächtlichen Start mit Ausnahmegenehmigung erzwungen. Die Maschine hob lange nach 24 Uhr ab, nachdem die Polizei vor den Protesten der Passagiere kapituliert hatte und die Lärmschützer um Hilfe gebeten hatten.

Die rund 230 Reisenden, darunter Familien mit Kindern und ältere Menschen, hatten am 4. Juli mit „Wizz Air“ in die albanische Hauptstadt Tirana fliegen wollen, wie der Senat auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion in der Bürgerschaft mitteilte. Doch der Flug sei ausgefallen. Aber auch am Folgetag hatte sich die Maschine aus Tirana so sehr verspätet, dass sie wegen des Hamburger Nachtflugverbots ab 23 Uhr nicht mehr hätte zurückfliegen dürfen.

Flughafen Hamburg: Passagiere aggressiv und renitent

Als die Fluggäste erfuhren, dass sie auch am späten Abend des 5. Juli nicht mehr starten sollten, gab es Proteste. Die Passagiere hatten bereits den Ausreisestempel erhalten und hätten am nächsten Tag den Sicherheitscheck und die Corona-Tests erneut über sich ergehen lassen müssen. „Die Fluggäste wurden daraufhin verbal aggressiv und weigerten sich, den Sicherheitsbereich zu verlassen“, heißt es in der Senatsantwort.

Die Situation eskalierte schnell und wurde nach Aussage der Ordnungshüter „heikel“ für die wenigen Bundespolizisten und die drei Bediensteten der Airline. Sie sahen sich nicht in der Lage, die aufgebrachte Menge aus dem Sicherheitsbereich zu komplimentieren. Die Fluggäste kündigten Widerstand an und hätten nach Auskunft der Fluglärmschutzbeauftragten Gudrun Pieroh-Joußen hinausgetragen werden müssen.

Fluglärmschutzbereitschaft lehnte zwei Anträge auf Ausnahmegenehmigung ab

Daraufhin rief die Bundespolizei die Hamburger Landespolizei zu Hilfe, die mit 16 Streifenwagen anrückte. Aber auch sie sah sich außerstande, mit der Situation fertig zu werden. Die Fluglärmschutzbereitschaft hatte bis dahin zwei Anträge von „Wizz Air“ auf eine Ausnahmegenehmigung für den Start nach 24 Uhr abgelehnt.

Die Verspätung hatte sich schon am frühen Abend abgezeichnet. Maßnahmen zur Abhilfe hatte die Airline aber nicht getroffen. Jetzt rief die Bundespolizei bei der Fluglärmschutzbeauftragten, die am fraglichen Abend gar keinen Dienst hatte, zu Hause an und bat um „Amtshilfe“.

Hamburg Flughafen: Passagiere erzwingen nächtlichen Start

Die Situation sei im Angesicht der Übermacht der Passagiere nur mit Nachgiebigkeit in den Griff zu bekommen. Die Polizei sah sich außerstande, die Passagiere aus dem Sicherheitsbereich zu tragen, wollte sie aber auch nicht einfach dort sitzen lassen.

Der nächtliche Start sei im öffentlichen Interesse zur Gefahrenabwehr nötig. Daraufhin gab die Fluglärmschutzbeauftragte nach. Die Maschine startete schließlich am 6. Juli um 1.41 Uhr.

Flugstart nach 24 Uhr – massive Kritik der Linksfraktion

Sie hätte es nicht verantworten können, wenn Beamtinnen, Beamte oder das Personal der Airline bei einer gewaltsamen Räumung des Sicherheitsbereiches verletzt worden wären, sagte sie. Pieroh-Joußen machte aber auch deutlich, dass dies ein Einzelfall bleiben werde. „Wir können nicht die Probleme der Polizei lösen“, sagte sie. Wenn möglicherweise mehr Personal in Bereitschaft gehalten werden müsse, sei es Sache der Polizei, entsprechende Regelungen zu treffen.

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Die Linksfraktion kritisierte die Ausnahmegenehmigung. „Für ablaufende Fristen in Reisedokumenten oder für auslaufende Coronatest-Bestätigungen erwarte ich unter solchen extremen Umständen Flexibilität staatlicher Stellen – sowas darf dann nicht zu einem Argument für die Aufhebung des Nachtflugverbots werden“, erklärte der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, Stephan Jersch.

Linksfraktion: „Wizz Air“ soll die Einsatzkosten bezahlen

Der Linkenabgeordnete bemängelte auch das nachsichtige Vorgehen der Polizei: „Wenn 16 Streifenwagen der Polizei anrücken müssen, ist das ein Zeichen dafür, dass die Situation am Gate aus dem Ruder gelaufen war. Trotzdem wurde das Personal nicht in Sicherheit gebracht und es wurden keine Ermittlungen eingeleitet oder Anzeigen geschrieben. Für mich ist das ein völlig falsches Zeichen.“

Jersch forderte, auch die Fluggesellschaft in Haftung zu nehmen. „Wizz Air“ müsse die Einsatzkosten bezahlen und für den nächtlichen Start zur Kasse gebeten werden.

Seit dem Vorfall vom 5./6. Juli ist der Tirana-Flug pünktlich. Die Lärmschutzbeauftragte hatte „Wizz Air“ zur Optimierung des Flugzeugumlaufs aufgefordert.

( axö/lno )

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