Bauarbeiten in Hamburg

Stautest: So fährt es sich auf der Elbchaussee

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Matthias Schmoock und Yasmin Zysk
Redakteur Matthias Schmoock und Praktikantin Yasmin Zysk an der Parkstraße.

Redakteur Matthias Schmoock und Praktikantin Yasmin Zysk an der Parkstraße.

Foto: Michael Rauhe

Die Bauarbeiten auf der 8,6 Kilometer langen Achse laufen auf Hochtouren. Das Abendblatt ist die Strecke mit Auto und Rad abgefahren.

Hamburg. Es ist eine der aufwendigsten Straßen-Umgestaltungen in Hamburg: Noch bis 2024 wird die Elbchaussee, wie berichtet, saniert und mit Fahrradstreifen versehen. Wegen der Länge der Straße gilt das Projekt als besonders aufwendig. Hinzu kommt: Auch zahlreiche Anschlüsse, die von Privathaushalten zur Straße führen, müssen erneuert werden. Und: Während die Elbchaussee in Teilen eine klassische vierspurige Hauptstraße ist, schlängelt sie sich vor allem kurz vor Blankenese dicht an Mauern und Vorgärten entlang.

Gerade an diesen Stellen gilt die Umgestaltung als besonders schwierig. Um die Belastungen für die Nutzer, aber auch für die Menschen, die dort wohnen, so gering wie möglich zu machen, erfolgen die Bauarbeiten etappenweise und über „Wanderbaustellen“.

Wer kommt schneller durch: Autofahrer oder Radfahrerin?

Das Abendblatt wollte wissen: Wie zügig lässt sich die 8,6 Kilometer lange Ost-West-Achse aktuell befahren. Und: Wer kommt während der klassischen Stoßzeiten schneller durch: der Autofahrer, oder die Radfahrerin? Ein Reporterteam startete am Montag um 9.30 Uhr in Blankenese und fuhr bis zum Altonaer Rathaus.

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Um 16 Uhr ging es von dort wieder zurück zum Ausgangspunkt. Um es gleich vorweg festzuhalten: Dass es aktuell auf der Elbchaussee überraschend schnell voran geht, hat mit den Sommerferien zu tun. Viele Pendler, die die Strecke sonst nutzen, sind verreist. Trotzdem: Wo es Engpässe und damit verbundene Zeitverzögerungen gibt, lässt sich auch so gut feststellen. Und was jetzt höheres Verkehrsaufkommen war, könnte sich an den entsprechenden Stellen nach dem Ende der Sommerferien zu handfesten Staus entwickeln.

Die Autofahrt: Start ist um 9.30 Uhr an der großen Kreuzung, auf der unter anderem Schenefelder Landstraße und Manteuffelstraße auf die Elbchaussee treffen. Die Fahrt geht unerwartet zügig voran. Allerdings fällt mir unterwegs auf: Gegenüber vom Hirschpark sowie ungefähr auf Höhe der Einmündungen Stauffenberg-, Winckelmann- und Hasselmannstraße gibt es auf der Gegenfahrbahn, also stadtauswärts, insgesamt vier kleine Baustellen, welche die Fahrbahn blockieren. Entgegenkommende Autofahrer müssen sich dort in den Gegenverkehr vortasten.

Das kommt mir nicht ungefährlich vor, und in der Tat hat eine Autofahrerin ein solches Manöver bereits gestartet, als ich auf sie zufahre. Sie muss zurücksetzten und mich passieren lassen. Schon um 9.35 Uhr fahre ich am Seegerichtshof vorbei, wo ein Lkw eines Gartenbetriebs meine Spur blockiert.

Ausweichmanöver. Hinter Teufelsbrück wird die Elbchaussee dann bis zur Parkstraße einspurig – man kann nur stadteinwärts fahren. Tempo 30 ist vorgeschrieben, es geht flott voran. Bereits um 9.43 Uhr erreiche ich die Kreuzung Hohenzollernring. Kurz vorm Ziel heißt es noch einmal ausweichen: Gegenüber der Christianskirche ist eine kleine Baustelle eingerichtet, die die Fahrspur stark einschränkt. Tatsächlich schert eine Radfahrerin vor mir aus um das Hindernis zu umfahren. Geschafft. Schon um 9.45 bin ich am Ziel, also in nur 15 Minuten – bei vorschriftsmäßiger Geschwindigkeit.

Die Rückfahrt: Los geht’s um 16 Uhr am Anfang der Elbchaussee. Um 16.05 Uhr die erste Behinderung: An der Einmündung Hohenzollernring wird der Verkehrsfluss auf nur eine Fahrspur verengt, was aber keine Verzögerung bringt. Das ändert sich an der Parkstraße, die ich um 16.07 Uhr erreiche. Dort wird der Verkehr komplett von der Elbchaussee abgeleitet – mitten durch das angrenzende Wohngebiet. Der Verkehr fließt nun deutlich langsamer.

Circa zehn Autos sind vor mir, als es um 16.10 durch den Klein Flottbeker Weg und dann weiter durch die Straße Hochrad geht. Erst um 16.15 erreiche ich die Baron-Voght-Straße, über die es wieder zur Elbchaussee zurück geht. Die Zahl der Autos, die sich einfädeln müssen, hat zugenommen, und um 16.18 Uhr fahre ich wieder auf der Elbchaussee. Seit Dienstag ist die Elbchaussee ab Parkstraße nun Einbahnstraße mit wechselnden Richtungen – jeweils von 12 bis 1.45 Uhr. Um 16.23 Uhr erreiche ich den Ausgangspunkt Blankenese nach 23 Minuten.

Die Radfahrt: Start um 9.30 Uhr. Um 9.39 Uhr erreiche ich Teufelsbrück wo ich von der Beschilderung aufgefordert werde, auf den linken Fußweg auszuweichen. Dafür muss ich kurz an einer Druckampel warten. Ungefähr 100 Meter weiter werde ich um 9.40 Uhr auf den schmalen rechten Gehweg geleitet und muss dafür erneut an einer Ampel warten. Rechts sind Fahrräder nun in beide Richtungen unterwegs – keine ungefährliche Situation für Fußgänger.

Um 9.47 Uhr muss ich an der Ecke Halbmondsweg absteigen, um einen Fußgänger mit seinem Dackel zu umgehen. Kurz darauf sind die Baustellen vorbei und ich kann wieder auf die Straße fahren. 9:53 Uhr: An der Kreuzung Hohenzollernring hupt mich ein Fahrer an, der mich viel zu nahe überholt. Was war das denn? Um 9:58 Uhr erreiche ich den Anfang der Elbchaussee nach 28 Minuten flotter Fahrt. Auf der gesamten Strecke sind mir nur zwei Radfahrer begegnet.

Die Rückfahrt: Nach dem Start in Altona erreiche ich um 16.06 Uhr die Liebermannstraße, wo mich ein Umleitungsschild auffordert, der Elbchaussee auszuweichen. Die Umleitung führt mich im Zick-Zack durchs Wohngebiet, wobei die Schilder oft direkt hinter Bäumen stehen. Sie sind von Weitem nicht gut zu erkennen. Schließlich wähle ich meinen Weg nach Gefühl, was allerdings Ortskenntnisse voraussetzt. Um 16.29 Uhr, nach 25-minütiger Umleitungsfahrt, treffe ich wieder auf die Elbchaussee. 16:32: Ankunft. Ich war 32 Minuten unterwegs und trotz der Umleitung nur vier Minuten langsamer als bei der Hinfahrt.

Fazit: Egal, ob Auto oder Rad – zurzeit geht beides flott.

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