Diebsteich

Deutlich teurer als geplant: Der neue Fernbahnhof in Altona

| Lesedauer: 5 Minuten
Matthias Popien und Yasmin Zysk
Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (l., SPD) Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, und Enak Ferlemann (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, beim Baustart des neuen Fernbahnhofs Hamburg-Altona.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (l., SPD) Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, und Enak Ferlemann (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, beim Baustart des neuen Fernbahnhofs Hamburg-Altona.

Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Deutsche Bahn war zuletzt von Kostensteigerung um 188 Millionen Euro ausgegangen. Nach zweijährigem Baustopp geht es jetzt los.

Hamburg.  In sechs Jahren sollen hier die ersten Züge halten: Am Montag hat der Bau des neuen Fernbahnhofs am Diebsteich offiziell begonnen. 548 Millionen Euro kostet das Vorhaben, das aus dem Altonaer Bahnhof an der Max-Brauer-Allee eine S-Bahn-Station macht – zugleich aber Platz schafft für in Hamburg dringend benötigte neue Wohnungen. Auf dem Areal nördlich des Bahnhofs sind weitere 1900 Wohnungen geplant, ein Drittel davon bekommt eine öffentliche Förderung – und damit verhältnismäßig niedrige Mieten.

„Der neue Bahnhof in Altona schafft mehr Kapazitäten für Regional- und Fernverbindungen aus und nach Hamburg“, sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) beim ersten Spatenstich auf dem Bahngelände. Damit verbessere sich die Pünktlichkeit des Bahnverkehrs in ganz Deutschland. „Zugleich entstehen in der Mitte Altona und dem Quartier am Diebsteich neue Wohnungen und attraktive Parkflächen in zentraler Lage“, so Tschentscher. „Der neue Bahnhof setzt im Hamburger Westen ein modernes und repräsentatives Zeichen für moderne Stadtentwicklung und klimafreundlichen Schienenverkehr.“

Baustart für neuen Fernbahnhof Altona

Der Bahnhof am Diebsteich besteht aus drei Bahnsteigen für den Nah- und Fernverkehr sowie einem Bahnsteig für die S-Bahn. 380 Züge können dort pro Tag halten – 25 Prozent mehr als in Altona. Am Bahnhof baut ein privater Investor zwei Hochhäuser mit Platz für Büros und ein Hotel.

Das Bahnprojekt ist durchaus umstritten. Zeitweise schien ein Scheitern im Bereich des Möglichen zu sein. Denn 2018 hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Hamburg einem Eilantrag des Verkehrsclubs Deutschland stattgegeben. Das Gericht hatte bemängelt, dass die Bahn keinen Ersatz für die Autozug-Verladeanlage geplant hatte, die es im Altonaer Bahnhof gibt. Das war zwar nicht das, was dem VCD an dem Diebsteich-Projekt missfallen hatte – aber der gerichtliche Baustopp für das damals noch rund 360 Millionen Euro teure Bauvorhaben gab dem Verkehrsclub ein Machtmittel in die Hand.

Dieb­s­teich-Bahnhof: Leistungsfähiger und bessere Anbindung

Zwei Jahre später konnten die Arbeiten fortgesetzt werden. Der VCD hatte unter anderem durchgesetzt, dass der neue Dieb­s­teich-Bahnhof mit verbesserten Gleisanlagen leistungsfähiger werden soll und eine bessere Anbindung an den Busverkehr sowie mehr Fahrradstellplätze bekommt.

Das alles kostete Geld, schon allein die Zeitverzögerung – ursprünglich sollte der Bahnhof 2023 fertig sein – sorgte für eine Teuerung. Die derzeitige Planung sieht 548 Millionen Euro vor.

Bahnhof Diebsteich: Fahrrad-Parkhaus mit 600 Plätzen

Aber dafür bekommt der Bahnhof am Diebsteich nun eben auch ein Fahrrad-Parkhaus mit 600 Plätzen. Zusätzliche Weichen und Signale sollen dafür sorgen, dass dort mehr Züge halten können. Der Lärmschutz wird verbessert, die Dächer über den Bahnsteigen verlängert.

Tschentscher ging in seiner Rede auch auf die Kritiker des Projekts ein. „Wir haben enorme Investitionsrückstaus in Deutschland“, sagte er. „Alle reden darüber, dass wir schnellere Planfeststellungsverfahren brauchen, dass wir gerade in die Deutsche Bahn investieren müssen, weil der Schienenverkehr das ist, was uns in der Mobilität entlastet.“ Aber wenn dann die Projekte konkret würden, dann gebe es von allen Ecken und Enden Bedenken und Blockaden. „Nun habe ich nichts gegen Bedenken und auch nichts gegen Kritik, aber es muss immer eine Kritik konstruktiver Art sein“, so der Bürgermeister.

Staatssekretär bringt Ferlemann-Tunnel ins Gespräch

Zu Enak Ferlemann gewandt, dem Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, sagte er: „Hier, Herr Ferlemann, werden Sie niemanden finden, der sich beklagt, dass an dieser Stelle diese Beträge investiert werden. Es ist eben so, dass wir der Knotenpunkt für Mobilität in Norden sind. Es ist eben so, dass wir das Zentrum einer Metropolregion mit fünf Millionen Einwohnern sind.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Der Staatssekretär nutzte die Gelegenheit, um erneut den sogenannten Ferlemann-Tunnel ins Gespräch zu bringen – eine unterirdische Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem neuen Bahnhof am Diebsteich. Er nannte ihn „S-Bahn-Entlastungstunnel“. Der werde dazu führen, dass die Verbindungsbahn entlastet werde und der Deutschlandtakt – die ab 2030 geplanten Halb-Stunden-Verbindungen zwischen den Großstädten – eingehalten werden könne.

Bürgerinitiative Prellbock Altona: Spatenstich in Ottensen

„Wenn dieser Tunnel kommt – und ich sage, er muss kommen –, dann werden wir ihn hier in Diebsteich auch so einschweißen könne, dass das ins System passt“, sagte der Staatssekretär. Der Bund sei bereit, das Geld für den Tunnel bereitzustellen. Der Hamburger Landeshaushalt wäre damit sicher überfordert.

Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, sagte: „Mehr Verbindungen, pünktlichere Züge und mehr Lebensqualität im Bahnhofsumfeld – dafür steht der neue Bahnhof Altona.“

Die Bürgerinitiative Prellbock Altona, die zur Pressekonferenz der Deutschen Bahn nicht eingeladen war, organisierte einen eigenen Spatenstich. In der Fußgängerzone Ottenser Hauptstraße erläuterte die Initiative, warum sie die Verlegung des Fernbahnhofs ablehnt. Unter anderem sind die Mitglieder der Ansicht, dass eine Kostenexplosion zu erwarten sei und die Leistungsfähigkeit des neuen Bahnhofs nicht ausreichen werde.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg