Fahrradstaffel

Die Hamburger Polizei bringt mehr Beamte auf das Fahrrad

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André Zand-Vakili
Eineinhalb Stunden war Innensenator Andy Grote (SPD) mit den Beamten der 3. Fahrradstaffel in der City unterwegs.

Eineinhalb Stunden war Innensenator Andy Grote (SPD) mit den Beamten der 3. Fahrradstaffel in der City unterwegs.

Foto: André Zand-Vakili

Polizeiführung und Innensenator bringen mehr Uniformierte auf das Zweirad. Intern ist die Einrichtung der dritten Velo-Staffel umstritten.

Hamburg.  Ein paarmal wurde es verschoben. Zuletzt wegen Regen. Doch jetzt hat es gepasst: Am Freitag war bestes Fahrradwetter. Innensenator Andy Grote stellte die dritte Fahrradstaffel der Polizei Hamburg vor. 19 Beamte strampeln jetzt im Auftrag der Sicherheit durch Hamburg. 30 sollen es in naher Zukunft werden. Die Maßnahme ist innerhalb der Polizei nicht ganz unumstritten. Dort wird beklagt, dass immer neue Aufgaben dazu führen, dass trotz gestiegener Einstellungszahlen zu wenig Personal an den Wachen ankommt.

Das Fahrrad ist sozusagen das Steckenpferd des Hamburger Senats. Der Umstieg auf das pedalgetriebene Zweirad wird intensiv gefördert. Mehr Fahrradverkehr bedeutet aber auch mehr Arbeit für die Polizei in diesem Bereich. Deswegen ist es für Grote auch konsequent, dass mehr Polizisten auf dem Fahrrad unterwegs sind. Er selbst machte sich am Freitag vor Ort ein Bild von Arbeit und Ausstattung der Velo-Polizisten.

Wichtiges Element für die Verkehrssicherheit

Eineinhalb Stunden radelte der Senator, der, wie er selbst sagte, im Alltag nicht mehr so oft mit dem Rad unterwegs ist, mit Fahrradpolizisten durch die Innenstadt. Dabei durfte er miterleben, wie Beamte auf dem Fahrrad ein Auto einholten, dessen Fahrer per U-Turn verbotswidrig gewendet hatte, oder wie ein schlafender Autofahrer, der mit seinem Fahrzeug auf einem Radstreifen stand, von Beamten geweckt wurde. „Total beeindruckend“, so Grote, sei die Tour gewesen.

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Die Fahrradstaffel sieht er als wichtiges Element für die Verkehrssicherheit, wobei die Beamten nicht nur Verstöße von Radfahrern, wie das Fahren auf der falschen Seite, sondern auch Verstöße durch Autofahrer ahnden sollen. „Die Fahrradstaffeln sollen das Radfahren sicherer machen“, sagt Grote. Das scheint schon jetzt zu klappen. Grote hob hervor, dass im ersten Quartal dieses Jahres die Zahl der bekannt gewordenen Verkehrsunfälle mit Radfahrerbeteiligung um etwa 20 Prozent zurückgegangen ist. Die Zahl liegt damit im Schnitt des gesamten Verkehrsunfallgeschehens in Hamburg.

Neuen Aufgaben belasten die Hamburger Polizei

Polizeiintern wird die neue Fahrradstaffel als eine Einheit gesehen, die das Personal verschlingt, das dringend an den Wachen gebraucht würde. Dort soll aktuell jede achte Stelle nicht besetzt sein. „Ich kann die Kritik der Kollegen verstehen“, sagt Thomas Jungfer, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). „Wir haben das Phänomen, dass Anfang Februar und Anfang August zahlreiche Absolventen der Akademie in den Dienst übernommen werden und zunächst die Wachen verstärken, dann aber die Zahlen immer wieder abnehmen. So kann die Grundlast – die Arbeit, die als Kernaufgabe der Polizeiwachen gilt – immer weniger bedient werden.“

Es sind die immer neuen Aufgaben, die die Hamburger Polizei belasten. Dazu gehören zusätzliche Kräfte für die Bereitschaftspolizei, die Spezialaufgaben bekommen haben, aber vor allem die Verkehrsdirektion, die nicht nur die Fahrradstaffeln verstärkt, sondern auch eine komplett neue Abteilung eingerichtet hat, in der unter anderem Aufgaben übernommen wurden, die bislang beim Landesbetrieb Verkehr lagen und vom Personal ebenfalls aufgestockt werden. „Das sind dann oft politisch gesetzte Schwerpunkte“, so Jungfer.

Polizei stecke in der Pensionierungswelle

Dazu komme, dass die Polizei voll in der Pensionierungswelle stecke, die in den nächsten Jahren noch anschwellen werde. „So versickert viel Personal der Einstellungsoffensive“, so Jungfer. Schon jetzt müssten junge Kommissare, die eigentlich Erfahrung auf der Straße sammeln sollten, Arbeit im Stab verrichten, weil gerade in diesen Bereichen viele Beamte das Pensionsalter erreicht haben. „Das Personal für durch Pensionierungen vakante Stellen wird bei der Schutzpolizei oft aus den Wachen abgezogen“, so Jungfer. „Das bringt trotz hoher Einstellungszahlen nicht mehr Polizei auf die Straße.“

Grote sieht dagegen die Fahrradstaffel als besonders gute Variante für Polizei auf der Straße. „Man kann mit dem Fahrrad größere Räume bestreifen als zu Fuß, sieht mehr als aus dem Peterwagen und ist gut für den Bürger ansprechbar“, findet Grote. Jungfer beurteilt das anders. „Man sollte zunächst sehen, dass die Polizei auskömmlich ausgestattet ist, um die Grundlast zu bewältigen“, sagt Jungfer.

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