Lärmbelästigung

Party-Hotspot: Konflikt am Winterhuder Kai spitzt sich zu

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Wiebke Lehner
Michael Werner-Boelz zeigt eines der Verbotsschilder. Im Hintergrund springen Jugendliche ins Wasser.

Michael Werner-Boelz zeigt eines der Verbotsschilder. Im Hintergrund springen Jugendliche ins Wasser.

Foto: Thorsten Ahlf / FUNKE FOTO SERVICES

Immer mehr Jugendliche feiern auf der Winterhuder Wiese. Anwohner fordern Verbote. So reagiert die Hamburger Polizei.

Hamburg. Am Winterhuder Kai verschärft sich der Konflikt zwischen den feiernden Jugendlichen und den Anwohnern weiter. Mit seiner günstigen Lage am Wasser, mitten in der Stadt und im Licht der Abendsonne hat sich dieser Grünstreifen mit Alster-Anbindung in den vergangenen zwei Jahren zum Party-Hotspot im Bezirk Hamburg-Nord entwickelt. Auch über Social Media wie Ins­tagram oder TikTok wurde der Winterhuder Kai als „der Ort zum Freiluftfeiern“ bezeichnet, was noch mehr Jugendliche auch aus anderen Stadtteilen anzieht.

Bis spät in die Nacht hinein und in großen Gruppen wird dort teils laut gefeiert, Alkohol konsumiert, Musik gehört und gebadet. An sonnigen Tagen kommen dort bereits nachmittags mehrere Hundert Personen auf engem Raum zusammen, dementsprechend ist die Lärmbelästigung für Anwohner nicht von der Hand zu weisen. Doch das ist nicht das einzige Problem: kiloweise Müll, Dauerbeschallung mitten im Wohngebiet und waghalsige Sprünge in die ohnehin schon viel befahrene Alster – ob von der Kaimauer oder direkt von einer der Alsterbrücken.

Sprung in die Alster: „Gefahr auf Leib und Leben“

Letzteres beschreibt Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz als besonders riskant: „Die Jugendlichen setzen sich damit nicht nur selbst einer Gefahr auf Leib und Leben aus, sondern werden auch zur Gefahr für alle Wassersportler/-innen und die Alsterdampfer. Wir weisen als Bezirksamt darauf hin, dass das Springen von Brücken verboten ist.“

Zu diesem Zwecke wurden neue Hinweisschilder installiert, allerdings ist fraglich, inwiefern sie beachtet werden und wie lange sie sich dort halten. Bereits vorher montierte Schilder sind lange verschwunden. Mit dem guten Wetter hat sich die Situation weiter zugespitzt. Viele der am Kai wohnenden Winterhuder sind zunehmend genervt von den aktuellen Zuständen.

Anwohner beklagen „Rücksichtslosigkeit“ der Jugendlichen

Die Feierei koste ihren Schlaf, so beklagten sich Anwohner beim Abendblatt. Eine Anwohnerin macht ihrem Ärger Luft: „Ich lebe gerade in einer Freiluft-Dis­co mit Badezugang ohne zeitliche Begrenzung. Auch unter der Woche ist hier manchmal Party bis halb zwei Uhr nachts. Wir sind nicht mehr bereit, das zu akzeptieren.“ Wie zahlreiche Nachbarn beklagt sie eine „Rücksichtslosigkeit“ der Jugendlichen.

Sie spricht von einer „Häufung an Problemen“, seitdem sich der Platz zum Treffpunkt entwickelt hat: „Übermäßiger Alkoholkonsum und infolgedessen auch Pöbeleien, das Urinieren in Gärten und Hauseingänge, sowas ist natürlich für die Anwohner schwer zu ertragen“, sagt Michael Werner-Boelz. „Jahrelang ist hier eigentlich immer alles gut gegangen, aber jetzt in der Corona-Krise eskaliert die Lage hier“, sagt eine weitere Anwohnerin. „Diese Party-Szene hat sich hier mittlerweile so eingebürgert. Mit einer kleinen Box hier mal Musik zu hören und sich hier ruhig aufzuhalten ist ja okay, aber dieser Zustand ist inakzeptabel.“

Polizeipräsenz bei Party-Hotspot in Hamburg

An lauen Sommerabenden ist die Polizeipräsenz zwar immens, besonders am Wochenende wird nahezu täglich kontrolliert, dennoch hat die Anzahl an feiernden Jugendlichen weiterhin zugenommen. „Auch unter der Woche finden sich hier teilweise 300 Leute ein“, sagt eine Nachbarin. Sandra Levgrün, Pressesprecherin der Polizei Hamburg erklärt die prekäre Lage: „Die Kunst besteht darin, einen Ausgleich hinzubekommen zwischen den Interessen der meisten jungen Leute, die gerade in den Abendstunden und besonders bei gutem Wetter die Anziehungskraft solcher attraktiven Örtlichkeiten nutzen wollen, um dort zu feiern – und andererseits den Interessen der Bewohner, die Ruhe haben wollen, um schlafen zu können.“

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Auch Kai-Uwe Jacobsen, Leiter der Verwaltung Fachmanagement öffentlicher Raum betont: „Wir versuchen Verständnis für alle Seiten zu haben und gleichzeitig Rücksicht einzufordern.“ Michael Werner-Boelz appelliert an diejenigen, die die Grünfläche nutzen wollen: „Bitte nehmt Rücksicht auf die Anwohner/-innen. Entsorgt euren Müll, verzichtet beim Musikhören auf Lautsprecher und lasst die Bäume unberührt. Wir wollen, dass alle Hamburger/-innen den Sommer genießen können.“

Anwohner fordern Schilder für Wiese in Winterhude

Den Anwohnern geht dieser Appell nicht weit genug, sie fordern Beschilderungen mit eindeutigen Regeln, um unter den Jugendlichen ein Bewusstsein zu schaffen. Eine Anwohnerin erklärt dazu: „Mit dem Grillverbot hat es genau so auch funktioniert, wieso sollte es also in diesem Fall nicht ebenso umgesetzt werden? Die sind ja nicht alle böswillig, viele wissen auch einfach nicht, was verboten ist. Mit Schildern – ab 22 Uhr ist Nachtruhe, Baden ist hier verboten – kann Klarheit geschaffen werden.“

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