Corona

Hamburger Firma entwickelt Impfpass fürs Handy

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Christoph Rybarczyk
Im Impfzentrum in den Hamburger Messehallen wird nach den Terminen künftig der digitale Impfpass möglich sein.

Im Impfzentrum in den Hamburger Messehallen wird nach den Terminen künftig der digitale Impfpass möglich sein.

Foto: Roland Magunia

Tests im Impfzentrum erfolgreich: Wie eine App fürs Smartphone den gelben Impfausweis ersetzen soll und wer sie nutzen kann.

Hamburg. Einer Hamburger Software-Firma ist es in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung gelungen, noch vor den Sommerferien 2021 einen sicheren digitalen Impfpass für das Handy zu entwickeln. Die geheimen Tests im Impfzentrum sind nach Abendblatt-Informationen erfolgreich verlaufen. Jetzt fehlt noch die Zulassung des Robert-Koch-Institutes, damit dieser Impf-Nachweis auch vom Bundesgesundheitsministerium und der Europäischen Union akzeptiert wird. Dem Vernehmen nach ist das keine große Hürde.

Wie die Software-Firma sum.cumo Sapiens dem Abendblatt bestätigte, könne vorbehaltlich der Zulassung quasi sofort im Impfzentrum aus dessen Software (Panex) heraus die Impfbescheinigung (unter anderem Name, Datum, Impfstoff) auf das Handy geschickt werden. Das ist dann ein QR-Code, der nur lokal auf dem Handy gespeichert ist. Zum Beispiel beim Reisen oder in Zukunft auch beim Theaterbesuch oder am Fußballstadion kann dieser Code dann ausgelesen und der Handy-Inhaber mit Ausweis als der Mensch ausgewiesen werden, der geimpft ist.

Corona in Hamburg: Digitaler Impfpass und CovPass

Diese Anwendung erlaubt es auch, die ausgedruckte Impfbescheinigung einzuscannen und so innerhalb von wenigen Minuten in die App (CovPass) zu übertragen, die Gesundheitsministerium und EU in ihrem ambitionierten Plan bis zum 1. Juli fertig haben wollen. Der Vorstandschef der Hamburger KV, Walter Plassmann, bestätigte dem Abendblatt das Funktionieren dieses digitalen Impfpasses. Das RKI und die EU müssten noch grünes Licht geben.

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Bei den Hausärzten bekommen Impfkandidaten ebenfalls eine Bescheinigung, die sie in die künftige App übertragen können. Auch wer bereits geimpft ist, kann anhand der Informationen seiner Impfung, zu der zum Beispiel auch die unverwechselbare Chargennummer gehört, die Daten nachtragen und den digitalen Impfpass erzeugen. Weitere Details sollen in den kommenden Tagen bekannt werden.

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Impfbescheinigung: Wer erstellt sie nachträglich?

Plassmann sagte, das Impfzentrum sei von Anfang an digital aufgestellt gewesen und habe datenschutzkonform gearbeitet. „Wie ein Impfzentrum aufgebaut ist, legt jedes Bundesland selbst fest“, so Plassmann. In der Firma sum.cumo Sapiens habe man ein Team gefunden, das „für die Sache brenne“. Deren System laufe stabil und verhindere Papierberge und dass Daten per Post geschickt werden müssten. Für sum.cumo Sapiens arbeiten in Hamburg und Düsseldorf knapp 200 Mitarbeiter. Die Impfpass-Lösung ist nach Unternehmensangaben so offen gestaltet, dass andere Impfzentren sie verwenden können. Menschen ohne Smartphone brauchen sich nicht zu sorgen: Der gelbe Impfpass gilt weiterhin.

Dennoch tauchten zuletzt Fragen bei Impfkandidaten auf, die die Bescheinigungen über die Erstimpfung im Impfpass nachtragen lassen wollten. Im Impfzentren lehnten das die Impfärzte mit Verweis auf eine Behördenanordnung und fehlende Zeit ab. Die Hausärzte müssen das nicht nachtragen, tun das aber im Einzelfall, wenn sie Zeit haben. Auch Apotheken können diesen Service übernehmen. Die Sozialbehörde empfiehlt, sich an die Gesundheitsämter der Bezirke zu wenden. Doch die sind aktuell mit Anfragen und der Bearbeitung der Corona-Pandemie ebenso überlastet. Ob die neue Anwendung dabei helfen kann, muss sich zeigen.

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