Immobilien

In Ottensen entstehen Hunderte neue Wohnungen

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Matthias Schmoock
Visualisierung der Kolbenhöfe Pressebild über Nowak, Michael mnowak@otto-wulff.de

Visualisierung der Kolbenhöfe Pressebild über Nowak, Michael mnowak@otto-wulff.de

Foto: Freiland Hamburg

Wie Hamburg Quartiere plant – das Abendblatt stellt künftige Stadtviertel vor. Heute: Die Kolbenhöfe.

Hamburg.  Es ist eines der größten Bauprojekte im Hamburger Westen – und eines, das den Stadtteil Ottensen nachhaltig prägen wird. Schon die Dimension zeigt seine Bedeutung: Ein Areal vom jetzigen Euler-Hermes-Gelände am Bahrenfelder Kirchenweg bis an die nordwestliche Bebauung des Hohenzollernrings und von der Friedensallee bis zu den Gleisen der S 1 ist zurzeit eine einzige Brache, aus der nur wenige Gebäude herausragen.

So eintönig es dort aktuell noch aussieht, so vielfältig ist das, was dort entstehen wird: eine breitgefächerte Mischung aus Eigentums- und Mietwohnungen, klassisch arbeitenden Handwerksbetrieben und „stillem“ Gewerbe sowie gefördertem Wohnraum inklusive etlicher Seniorenwohnungen.

Lokale Handwerksbetriebe müssen integriert werden

Schon jetzt sind Tobias Kumpfe und Joachim Dinse von der Firma Mehrblick, die in Halle 7 im Herzen des Geländes ihren Sitz hat, dort ansässig. Zu den Vorgaben an Planer und Bauherren hatte einst gehört, dass lokale Handwerksbetriebe in das Großprojekt integriert werden müssen. Nach dem Aus für das Hamburger Kolbenschmidt-Werk hatten sich dann Handwerker und Kleinbetriebe vor Ort niedergelassen, und aus dem Provisorium wurde ein Dauerzustand.

Schließlich erwarb, wie berichtet, die „Genossenschaft Kolbenwerk“ die mehr als 8000 Quadratmeter große Halle. Die Inhaber und Mitarbeiter der rund 20 Betriebe sind – noch – die einzigen, die das Gelände mit Leben erfüllen, weil alles andere etwas dauert. In wenigen Jahren werden sie dann Teil eines Quartiers mit einer bunt gemischten Nachbarschaft sein, das genau geplant ist, aber organisch gewachsen wirken wird.

Mix aus Wohnen, Handwerk und anderem Gewerbe

In Halle 6 des ehemaligen Kolbenschmidt-Werks, werden Bürolofts entstehen. Und: Neben einem großen Quartiersplatz wird es hier auch zwei Kindertagesstätten geben. Kumpfe und Dinse zeigen die Reste der Halle 6, nur wenige Meter entfernt von ihrem Firmensitz. Die Stirnseiten sind als besondere Stilelemente erhalten und aufwendig abgestützt. Sie werden in den Neubau integriert – ein Hingucker.

Die beiden Unternehmer loben die geplante Durchmischung – mit Cafés als Marktplätze für Kommunikation, wie sie sagen. Auch der Mix aus Wohnen, Handwerk und anderem Gewerbe erscheint ihnen vielversprechend – Laufkundschaft inbegriffen. Und so ist das Areal eingeteilt: Auf dem ehemaligen Kolbenschmidt-Gelände, bezeichnet als Kolbenhöfe I, entwickeln die Otto Wulff Projektentwicklung und Rheinmetall Immobilien gemeinsam mit dem Altonaer Spar- und Bauverein (Altoba) ein neues Wohn- und Gewerbequartier.

420 Wohnungen entstehen bis 2025

Bis 2025 entstehen rund 420 Wohnungen, davon ist mindestens ein Drittel geförderter Wohnungsbau nach Hamburger Drittelmix. Im Süden und Südosten des Geländes wird sich mehrgeschossiger Wohnungsbau mit Stadthäusern und einem hohen, frei stehenden Gebäude abwechseln. Die Altoba baut auf dem gesamten Areal insgesamt 215 Wohnungen, 205 von ihnen öffentlich gefördert. Gleich am Eingang auf Höhe Friedensallee errichtet der Spar- und Bauverein 74 geförderte Wohnungen, davon 40 Seniorenwohnungen mit Service sowie einer Kita.

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An der nordöstlichen Ecke nimmt der bislang einzige (neue) Hochbau Gestalt an. Hier errichtet der Altoba 45 geförderte Wohnungen, davon 20 für Baugemeinschaften sowie vier Gewerbeeinheiten. Dort etwas zu ergattern, ist nicht leicht. „Als Wohnungsbaugenossenschaft sind wir verpflichtet, unsere Wohnungen zunächst unseren Mitgliedern anzubieten und im zweiten Schritt weiteren Mietinteressenten“, erläutert Silke Kok vom Altoba. „Aktuell haben wir bereits so viele Wohnungsgesuche erfasst, dass wir für diese stark nachgefragte Lage zurzeit keine weiteren Interessentinnen und Interessenten aufnehmen können.

Im Südwesten entstehen 163 schlüsselfertige Mietwohnungen

Das kann sich jedoch bis zum Zeitpunkt der Fertigstellung wieder ändern, sodass es sich lohnen kann, regelmäßig auf www.altoba.de/Angebote nach Wohnungsangeboten zu schauen.“ Zur Orientierung: Im Jahr 2020 gingen beim Altoba laut Kok 40 Prozent der Neuvermietungen an neue Mitglieder der Genossenschaft, also an Personen, die zuvor keine Mitglieder waren.

Im Südwesten, nahe beim Euler-Hermes-Hochhaus, das zurzeit abgetragen wird, liegen die Baufelder 5 und 6. Otto Wulff und Rheinmetall hatten sie kürzlich an den Quantum-Konzern verkauft, um das Gelände gemeinsam zu entwickeln. Dort entstehen 163 schlüsselfertige Mietwohnungen mit insgesamt rund 12.000 Quadratmetern Wohnfläche und sechs Gewerbeeinheiten mit rund 1400 Quadratmetern. 26 Wohnungen werden öffentlich gefördert. Wohnungen und Gewerbeeinheiten sollen samt Tiefgaragen im Dezember 2023 fertig gestellt sein.

Die Wohnungsgrößen variieren stark: Die Mietwohnungen haben Größen von anderthalb bis vier, die Eigentumswohnungen zwei bis viereinhalb Zimmer. Bei den Mietpreisen gilt der dann festgesetzte („gedeckelte“) Wert. Die Kaufpreise für die Eigentumswohnungen sind zurzeit noch nicht bekannt, da der Vertrieb erst im Sommer startet. Für die Bebauung der Baufelder (3.1 und 3.2) ging Otto Wulff einen ungewöhnlichen, noch relativ neuen Weg: Das Unternehmen bot die Flächen gezielt Baugemeinschaften an und forderte Interessenten auf, sich zu bewerben.

Mit Wunschnachbarn Gemeinschaft gründen

Laut Michael Nowak von Otto Wulff richtete sich dieses Konzept an Menschen, die sich ihre Wunschnachbarn aussuchen und mit ihnen eine Gemeinschaft gründen wollten. Mittlerweile ist die Bewerbungsphase abgeschlossen, und die Gemeinschaften sind laut Nowak aktuell in der gemeinsamen Findungsphase mit logistischen Fragen wie der Zuteilung der Wohnungen beschäftigt.

Auf einem anderen Baufeld (3.1) gilt das Konzept für acht fertig geplante, schlüsselfertige Wohnungen, während Baufeld 3.2 als Grundstück mit einer Baugenehmigung für 37 Wohnungen an eine Baugemeinschaft verkauft werden soll. Diese kann nun beispielsweise die Raumaufteilung selbst gestalten und die Ausstattung der Wohnungen bestimmen.

Weitere Informationen dazu gibt es unter www.otto-wulff.de (Aktuelle Projekte) und www.kolbenhoefe.de. Doch das Gesamtprojekt ist noch wesentlich umfangreicher. Denn durch die Erweiterung um das benachbarte Henkel-Schwarzkopf-Areal (Kolbenhöfe II) am Hohenzollernring kommen weitere 255 Wohnungen sowie zusätzlicher Gewerberaum hinzu. Wiederum mindestens ein Drittel wird als öffentlich geförderter Wohnungsbau nach Hamburger Drittelmix realisiert. Laut Silke Kok wird die Altoba dort voraussichtlich im ersten Halbjahr 2022 loslegen Die Fertigstellung wird für 2027 angepeilt.

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