Weniger verletzte Kinder

Durch Corona: Weniger Unfälle in Hamburg – bis jetzt

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Jens Meyer-Wellmann
Bei diesem Unfall am Klosterwall wurden fünf Menschen verletzt (Archivbild).

Bei diesem Unfall am Klosterwall wurden fünf Menschen verletzt (Archivbild).

Foto: Joto

Die Polizei verzeichnet einen Rückgang um 21 Prozent im ersten Quartal, seit März steigen die Zahlen wieder. Woran das liegt.

Hamburg. Eine der wenigen positiven Seiten der Corona-Pandemie war der deutliche Rückgang der Verkehrsunfälle. Lockdowns, Homeoffice, Schließung von Kitas und Aussetzung des Präsenzunterrichts haben auch in Hamburg zu deutlich weniger Bewegung auf den Straßen und Wegen und damit zu weniger Personen- und Blechschäden geführt. Das belegen auch die Verkehrsunfallzahlen der Polizei für das erste Quartal 2021, die dem Abendblatt vorliegen.

Danach ist die Zahl der Unfälle von Januar bis März 2021 um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken. Während die Polizei im ersten Quartal 2020 noch 15.039 Unfälle verzeichnete, so waren es in den ersten drei Monaten dieses Jahres nur noch 11.874. Im Detail allerdings zeigen die Daten bereits wieder eine Trendwende. So regis­trierten die Beamten im Januar und Fe­bruar noch einen sehr deutlichen Rückgang der Unfallzahlen, während es im März bereits wieder einen Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat gegeben hat.

Unfallzahlen in Hamburg steigen durch Lockerungen

Das dürfte zum einen an den ersten Lockerungen in diesem Frühjahr liegen – zum anderen aber auch daran, dass im März 2020 der erste Lockdown für einen deutlichen Rückgang der Mobilität gesorgt hatte, sodass die Vergleichszahlen hier bereits deutlich niedriger lagen.

Die Zahl der bei den Unfällen verletzten Menschen ist im ersten Quartal sogar um 33 Prozent gesunken. Kamen von Januar bis März 2020 noch 1785 Personen bei Unfällen auf Hamburger Straßen und Wegen zu Schaden, so waren es im selben Zeitraum dieses Jahres nur noch 1188. Die Zahl der Unfalltoten sank von vier auf drei, die der Schwerverletzten von 157 auf 121. Besonders stark ist der Rückgang bei der Zahl der verletzten Kinder, die sich mehr als halbierte.

2021: Weniger Kinder in Hamburg bei Unfällen verletzt

Im ersten Quartal 2020 wurden noch 124 Kinder bei Unfällen verletzt, 2021 waren es nur noch 59. Glücklicherweise kamen in beiden Zeiträumen keine Kinder bei Verkehrsunfällen ums Leben. Gleichwohl erlitten laut Polizei in den ersten drei Monaten dieses Jahres zehn Kinder schwere Verletzungen, in acht Fällen waren diese aktiv am Unfallgeschehen beteiligt (saßen also nicht nur mit im Auto oder auf dem Rad), davon waren die Kinder in sieben Fällen auch Verursacher der Unfälle – in allen Fällen hatte das Kind die Fahrbahn zu Fuß überquert.

Zwar sind die Unfälle mit Fußgängern sogar um 34 Prozent zurückgegangen. Dennoch verunglückten auch im ersten Quartal 2021 noch 158 Fußgänger. Laut Polizei waren diese meist auch Verursacher der Unfälle – etwas weil sie unachtsam auf die Straße traten oder insgesamt abgelenkt waren. Man darf wohl getrost vermuten, dass es sich bei den Ablenkungen nicht selten um Mobiltelefone gehandelt haben könnte. Ein Fußgänger kam im ersten Quartal 2021 ums Leben (2020: zwei), 25 wurden schwer verletzt (56), 132 leicht (232). Auch bei den Senioren ging die Zahl der Verletzten in den Vergleichszeiträumen zurück: von 189 auf 140. Allerdings wurden im ersten Quartal 2021 zwei Senioren bei Unfällen getötet, genauso wie 2020.

Unfälle mit Motorrädern in Hamburg zugenommen

Die Zahl der verletzten Radfahrer sank von 396 auf 295, gleichwohl kam wie 2020 auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres ein Radfahrer bei einem Unfall ums Leben. „Auffällig im vergangenen Jahr war, dass sich das Fahrrad als Hauptverkehrsmittel eta­bliert hat und der Radverkehr zugenommen hat. Dadurch ist es häufiger zu Verkehrsunfällen zwischen Fahrradfahrern oder auch mit Fußgängern gekommen“, heißt es von der Polizei. Mit deutlich mehr Kontrollen sorge man dafür, dass „Radwege, Radfahrstreifen und Schutzstreifen, die immer weiter ausgebaut werden, frei bleiben und Falsch- oder Zweite-Reihe-Parker verfolgt werden“.

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Zugenommen haben allein die Unfälle mit Motorrädern und mit „Elektrokleinstfahrzeugen“, also etwa E-Rollern. Registrierte die Polizei im ersten Quartal 2020 noch 18 Unfälle mit den kleinen E-Fahrzeugen, so waren es 2020 bereits 29. Davon waren die Fahrer der E-Roller in 21 Fällen die Hauptverursacher. Ein Nutzer wurde im ersten Quartal 2021 schwer verletzt, zehn trugen leichtere Blessuren davon. Allerdings wurden auch vier Unbeteiligte verletzt. Bei drei Unfällen mit „Elektrokleinstfahrzeugen“ war der Nutzer alkoholisiert, einmal wurden andere berauschende Substanzen festgestellt. Angestiegen sind auch die Unfälle mit Motorrädern: von 73 auf 93.

Hamburger Polizei weitete Radarkontrollen aus

An den Hauptursachen für Zusammenstöße hat sich auch in der Pandemie wenig geändert. Die meisten Unfälle waren Folge von Unachtsamkeiten beim Abbiegen, gefolgt von zu geringem Abstand und zu hoher Geschwindigkeit. Den geringsten Rückgang sieht die Polizei beim zu schnellen Fahren. Sie weist deswegen darauf hin, dass sie die Radarkontrollen zuletzt ausgeweitet hat. Neben 42 stationären Blitzern gebe es acht mobile Geschwindigkeitskraftwagen, neun Videofahrzeuge und jetzt bereits zwölf Messanhänger.

Die Unfallzahlen würden nach der Pandemie wieder steigen, sagte Polizeisprecherin Sandra Levgrün. Dem wolle man durch präventive Maßnahmen und Kontrollen entgegenwirken. „Wir appellieren an alle Verkehrsteilnehmer, Rücksicht aufeinander zu nehmen, aufmerksam und vorausschauend zu gehen oder zu fahren und nicht auf ihr Recht zu pochen“, so Levgrün. „Alle sollten besonders auf Kinder achten, die pandemiebedingt vielleicht nicht mehr ganz so geübt am Straßenverkehr teilnehmen.“

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