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Hoheluft-West: Parkplatzschwund im Generalsviertel

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Die Roonstraße im Generalsviertel: Hier gilt teilweise nur noch Längsparken. Das schafft wiederum Platz für Fahrradbügel.

Die Roonstraße im Generalsviertel: Hier gilt teilweise nur noch Längsparken. Das schafft wiederum Platz für Fahrradbügel.

Foto: Genevieve Wood

Dafür entstehen im dicht bebauten Quartier 400 Abstellflächen für Radler. An fünf Straßen wird Querparken verboten.

Hamburg. Wer im Generalsviertel in Hoheluft-West Autofahrer ist und einen Parkplatz sucht, der hat es meist schwer: Zu viele Autos, zu wenig Parkplätze. Die Suche nach freien Stellplätzen wird in Zukunft wohl noch länger dauern. Grund dafür sind mehrere Maßnahmen.

Es ist ein längerer Prozess mit kleinen baulichen Veränderungen, die vor allem Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger bringen, aber gleichzeitig Parkplätze vernichten – in dicht bewohnten Wohngebieten, in denen die Anwohner ohnehin schon Probleme haben, ihre Autos abzustellen.

Mehr Komfort für Fußgänger

Der Bezirk Eimsbüttel hat im April im Bereich Roonstraße damit begonnen, im Generalsviertel Umstrukturierungen vorzunehmen zugunsten des Fußgänger- und Radverkehrs. So soll der Komfort für Fußgänger verbessert und Parkmöglichkeiten für Fahrradfahrer geschaffen werden. „Die Straßenräume des Generalsviertels sind aufgrund der dichten Bebauung und des geringen Querschnitts sowie der Parkausrichtung der Kfz sehr unübersichtlich“, heißt es in einer Mitteilung. Die schräg geparkten Autos und die Menge an Fahrrädern nehmen auf den Gehwegen viel Platz weg.

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Der Bezirk sortiert daher den Parkraum neu: So gilt an einigen Straßenbereichen, wie an der Roonstraße, schon jetzt teils Längs- statt Querparken. Auf den freien Flächen werden Fahrradbügel installiert. Für folgende Straßen werden Autos nicht mehr quer zur Fahrbahn geparkt werden dürfen: Gneisenaustraße, Kottwitzstraße, Roonstraße, Wrangelstraße und Moltkestraße.

Insgesamt 15 Prozent der Stellplätze für Autos sollen wegfallen

Wie viele Parkplätze in diesen Straßen wegfallen, konnte das Bezirksamt nicht mitteilen. Die Grünen in Eimsbüttel wissen es genauer. In einer Mitteilung auf der Homepage heißt es, dass insgesamt 15 Prozent der Stellplätze für Autos wegfallen werden und Platz machen für 400 neue Fahrradabstellmöglichkeiten.

Im nördlichen Bereich der Roonstraße aber werden es laut Bezirksamtssprecher Kay Becker sogar mehr Parkplätze sein: „Es gab 59 reguläre Parkplätze, zum Beobachtungszeitpunkt waren 73 Fahrzeuge (14 falsch geparkt) abgestellt. Mit der Neuordnung gibt es nun 66 „ordentliche“ Plätze. Es gibt also sieben (66 statt 59) Parkplätze mehr, was daran liegt, dass zum Teil zwischen den Bäumen geparkt werden kann.“

Probleme für Rettungskräfte

Robert Klein, Sprecher für Mobilität der Grünen-Fraktion Eimsbüttel: „Viele Gehwege im Kerngebiet Eimsbüttel sind baulich eh zu schmal und werden zurzeit häufig durch gedanken- oder rücksichtslose Autofahrer/-innen teilweise zugeparkt, sodass Passanten mit Kinderwagen oder Rollatoren vereinzelt auf die Fahrbahn ausweichen müssen. Von daher ist eine Neuordnung des Straßenraums durch Längs- statt Querparken nicht nur im Generalsviertel, sondern in ganz Eimsbüttel notwendig. Die zusätzlichen Fahrradbügel werden ebenso dringend benötigt, da der Anteil des Radverkehrs steigt und viele der Mehrfamilienhäuser über keinerlei private Abstellmöglichkeiten verfügen.“ Auch hätten es Rettungskräfte häufig schwer, die zugeparkten Straßen zu passieren.

Mehr Platz für Fahrräder

Ziel der grün-schwarzen Bezirkskoalition ist es, vor allem für Fahrräder mehr Platz zu schaffen. So heißt es in dem dazugehörigen Antrag: „Gerade für Fahrräder, für mobilitätseingeschränkte Menschen oder Lastenräder ist es schwer, Abstellmöglichkeiten zu finden. Da gerade diese Fahrräder für Familien und Mobilitätseingeschränkte eine Mobilitätsalternative zum Kfz darstellen, ist die Anschaffung dieser Räder begrüßenswert und muss durch kluge Planung von Abstellmöglichkeiten unterstützt werden.“

Ungünstig findet die Eimsbüttler FDP-Fraktion das Vorgehen. Fraktionschef Benjamin Schwanke: „Es steht nicht zu erwarten, dass die Anwohnenden in einem Quartier, in dem der Parkdruck bereits besonders hoch ist, die Vernichtung von Parkraum befürworten. Dies führt nur dazu, dass die Fahrzeuge in anderen Stadtteilen abgestellt werden müssen und es zu einem Verdrängungswettbewerb kommt.“

Parkdruck wird weiter erhöht

Gleichzeitig mit der Umgestaltung der Parkmöglichkeiten im Generalsviertel gilt ab dem 5. Juli auf der anderen Seite des Isebekkanals im Bereich Kaiser-Friedrich-Ufer zwischen U-Bahn-Station Hoheluftbrücke in einem Gebiet bis zur Schäferkampsallee und vom Isebekkanal bis zur Straße Am Schlump Anwohnerparken. Das erhöht den Parkdruck in Hoheluft-West weiter, da viele Anwohner des Generalsviertels dort vor allem abends noch freie Stellplätze finden.

Insgesamt gibt es dann in Eimsbüttel und Altona-Nord vier neue Anwohnerparkzonen mit Parkscheinpflicht. Grundsätzlich seien die Maßnahmen zu begrüßen, vor allem die Neuordnung in den engen Straßen im Generalsviertel, „um den barrierefreien Durchgang für Fußgänger und freie Rettungswege zu garantieren“, sagt Moritz Altner, Sprecher der SPD für das Eimsbütteler Kerngebiet. Dass die Neuordnung des Parkraumes im Generalsviertel und die Einrichtung der Anwohnerparkzone aber gleichzeitig stattfinden, sei nicht optimal.

Amsterdam als Vorbild

Diese kleinteilige Einrichtung von Anwohnerparkzonen sei ungünstig. „Auch im Grindelviertel wurden die Grenzen der Anwohnerparkzonen willkürlich gezogen. Da wissen die Autofahrer bald nicht mehr, wo sie parken dürfen und wo nicht. Ich hätte mir gewünscht, dass man sich den gesamten Stadtteil anguckt. Wir wollen den Autofahrern das Autofahren nicht verbieten, und wer auf sein Fahrzeug angewiesen ist, soll auch in der Nähe seiner Wohnung parken können.“ Altner schlägt vor, wie in Amsterdam Parkmöglichkeiten am Rand der Stadt zu schaffen, damit die Menschen dort ihre Fahrzeuge abstellen können, die sie nicht täglich brauchen.

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