Prozesse

Bandenmäßiger Betrug von Senioren: Fast fünf Jahre Haft

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Die Sonne scheint auf den Eingangsbereich am Landgericht Kiel.

Die Sonne scheint auf den Eingangsbereich am Landgericht Kiel.

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Noch immer werden Senioren Opfer falscher Polizisten. Doch die echten Kollegen bleiben ihnen auf den Fersen. Jetzt muss wieder ein Täter in Haft.

Kiel. Wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges von Senioren durch falsche Polizisten hat das Kieler Landgericht einen 28-Jährigen zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Dabei ging die Kammer von zehn vollendeten Fällen und einem Versuch aus. "Die Taten gingen zu Lasten besonders verletzlicher Personen und waren auch darauf angelegt", sagte der Kammervorsitzende Carsten Tepp am Freitag.

Der Richter sprach von "hoher krimineller Energie" des Angeklagten und einem "insgesamt besonders schweren Fall" von Bandenkriminalität, der Seniorinnen und Senioren unter anderem aus Lübeck um Gold und Geldbeträge im Wert von jeweils 20 000 bis 25 000 Euro brachte. Das Gericht ordnete die Einziehung von 119 900 Euro an.

Nach Erkenntnissen der Strafkammer war der Angeklagte anfangs in Deutschland, dann in türkischen Call-Centern als sogenannter Logistiker tätig. Er dirigierte demnach falsche Polizisten zu den verängstigten Opfern, um ihnen die Wertsachen abzunehmen - angeblich, um sie in Sicherheit zu bringen.

Strafmildernd werteten die Richter unter anderem das Geständnis des Mannes, der Einsicht und Reue gezeigt habe. Wegen Fluchtgefahr ordnete die Kammer aber die Fortdauer des Haftbefehls an. "Es gibt nicht zu überwindende Zweifel an seiner Zuverlässigkeit", sagte Tepp. Gegen die Ehefrau und die Mutter des Mannes wird noch ermittelt.

Der 28-Jährige aus Bremen hatte die Taten im Zuge einer Verständigung mit Gericht und Staatsanwalt gestanden. Der Staatsanwalt forderte fünf Jahre Haft und die Einziehung von rund 151 000 Euro. Der Verteidiger stellte keinen konkreten Antrag.

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( dpa )