Pandemie

Corona: 68 Infektionen bei Obdachlosen in Unterkünften

| Lesedauer: 3 Minuten
Christoph Heinemann
In der Hamburger Obdachlosenunterkunft Pik As in der Neustadt wurden mehrere Personen positiv auf das Coronavirus getestet.

In der Hamburger Obdachlosenunterkunft Pik As in der Neustadt wurden mehrere Personen positiv auf das Coronavirus getestet.

Foto: Michael Arning

In den Unterkünften breitet sich das Virus stärker aus als bisher bekannt. Auch Mitarbeiter der Einrichtungen haben sich infiziert.

Hamburg. Das neuartige Coronavirus hat sich in Hamburger Obdachlosenunterkünften stärker ausgebreitet als bislang bekannt: Wie die Sozialbehörde auf Anfrage bestätigte, sind inzwischen 68 Covid-19-Fälle bei „Klienten“ der Hilfsstellen nachgewiesen worden. Davon haben den Angaben zufolge 53 Fälle einen denkbaren Zusammenhang mit dem größeren Ausbruch im Notquartier an der Friesenstraße in Hammerbrook.15 Fälle haben sich darüber hinaus bei einer Reihentestung in weiteren Unterkünften ergeben. Schwere Krankheitsverläufe bei betroffenen Obdachlosen sind bislang nicht bekannt.

Nach Abendblatt-Informationen haben sich auch mindestens 15 Mitarbeiter von Obdachlosenunterkünften infiziert, unter anderem Sicherheitsleute am Standort Friesenstraße. Genaue Zahlen hat die Behörde hierzu bislang nicht bekannt gegeben. Mehr als 120 Obdachlose sind derzeit im Quarantänequartier in Niendorf untergebracht. Der Großteil von ihnen muss noch mindestens bis Freitag dort bleiben, wenn eine entsprechende Frist von zwei Wochen abläuft. „Es ist für diesen Zeitpunkt auch eine neuerliche Testung vorgesehen“, sagte der Sprecher der Sozialbehörde, Martin Helfrich.

Lesen Sie auch:

Bereits mehr als 100 Obdachlose geimpft

Unterdessen haben nach den Reihentests bereits am Montag die Impfungen von Obdachlosen mit dem Vakzin des amerikanischen Herstellers Johnson & Johnson begonnen. Bis zum Dienstagnachmittag hatten bereits mindestens 100 Menschen in den Unterkünften ihre Dosis erhalten. Mobile Impfteams suchten dabei zuerst die Unterkunft an der Friesenstraße aus, die nach der Verlegung von Infizierten und Kontaktperson desinfiziert wurde und inzwischen wieder belegt ist.

Insgesamt rechnet die Behörde damit, dass etwa 800 Obdachlose innerhalb kurzer Zeit gegen das Virus geschützt werden sollen. Es ist auch geplant, Obdachlose in der Stadt von Sozialarbeitern ansprechen zu lassen und sie so zu einer Impfung zu motivieren. Johnson & Johnson ist nach Ansicht der Sozialbehörde besonders gut für eine Impfung der Obdachlosen geeignet, da es in nur einer Dosis verabreicht wird.

Auch Flüchtlinge erhalten Impfung mit Johnson & Johnson

Auf Nachfrage dazu, was mit dem Rest der Lieferung von 4800 Dosen des Impfstoffes von Johnson & Johnson geplant sei, teilte die Behörde mit, dass diese auch für Flüchtlinge und andere Menschen in öffentlich-rechtlicher Unterbringung vorgesehen seien. „Wie viele Impfdosen des J&J-Vakzins für obdachlose Menschen verwendet werden, wird erst im Laufe des Impfangebots feststehen“, sagte der Behördensrecher Helfrich. „Die Verwendung dieses Impfstoffes ist darüber hinaus in weiteren Schritten unter anderem für weitere öffentliche Unterkünfte vorgesehen, insbesondere die Zentrale Erstaufnahme.“

Wie es in der Verwaltung heißt, kursieren in Flüchtlingsunterkünften jedoch bereits Gerüchte, dass Asylbewerber nach einer Impfung abgeschoben werden könnten. „Das stimmt natürlich nicht – aber hier wird noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten sein, um die Menschen vor Corona schützen zu können.“ Bei den Obdachlosen ist dagegen sowohl von einer recht hohen Bereitschaft zur Teilnahme an Corona-Tests, als auch zu einer Impfung die Rede.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg