Bergedorf

Polizist stirbt bei Krad-Unfall – Prozess endet ungewöhnlich

| Lesedauer: 3 Minuten
Bettina Mittelacher
Der Polizist ist im Sommer 2016 auf dem Kirchwerder Landweg auf einem Motorrad mit Sonderrechten unterwegs gewesen. Dann kam es zum tragischen Unfall mit einem Kleinlaster.

Der Polizist ist im Sommer 2016 auf dem Kirchwerder Landweg auf einem Motorrad mit Sonderrechten unterwegs gewesen. Dann kam es zum tragischen Unfall mit einem Kleinlaster.

Foto: Michael Arning

Der 54-Jährige war 2016 auf seinem Motorrad mit einem Kleinlaster kollidiert und gestorben. Nun sollte eigentlich ein Urteil fallen.

Hamburg. Das Leben des Polizisten war nicht mehr zu retten. Zu schwer waren die Verletzungen des 54-Jährigen, nachdem der Beamte auf seinem Motorrad mit einem Kleinlaster kollidiert war. Auch der Autofahrer erlitt Verletzungen, und beide Fahrzeuge brannten völlig aus. Jetzt sollte wegen dieses schlimmen und folgenschweren Verkehrsunfalls vom August 2016 vor dem Amtsgericht verhandelt werden.

Doch der Prozess war zügig zu Ende, ohne aufwendige Beweisaufnahme – und ohne, dass es zu einer Verurteilung des angeklagten Autofahrers kam. Das Verfahren endete vielmehr mit einem Kompromiss.

Autofahrer war wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten Michael B. fahrlässige Tötung vor. Laut Anklage war er am 15. August 2016 mit einem Sprinter im Kirchwerder Landweg links in eine Grundstückseinfahrt abgebogen. Dabei übersah und überhörte er den von hinten auf seinem Polizeimotorrad mit eingeschaltetem Fahrlicht, Blaulicht und Martinshorn fahrenden Polizeibeamten Ingo H., so die Ermittlungen weiter. Der Polizist habe nicht mehr ausweichen oder bremsen können und kollidierte mit dem Sprinter.

Mehrere Menschen wurden seinerzeit unmittelbar Zeuge des Unfalls, dazu gab es etliche, die hinzukamen, wie etwa Rettungskräfte. Darüber hinaus wurde ein Sachverständigen-Gutachten in Auftrag gegeben, das klären sollte, wieso genau es zu der Kollision gekommen ist. Doch dieses Gutachten ließ offenbar viele Fragen offen. Schon im Abschlussbericht der Polizei hatte es seinerzeit geheißen, dass "aufgrund fehlender Fakten sowie konträrer Zeugenaussagen nicht abschließend geklärt werden kann, warum es zu diesem Zusammenstoß gekommen ist".

Polizist trotz Sonderrechten zu schnell unterwegs

Fest stand indes, dass der Polizeibeamte mindestens mit Tempo 100, vielleicht sogar mit Tempo 120 unterwegs war. Auch mit Sonderrechten hätte er maximal 75 km/h fahren dürfen. Laut einem Gutachten wäre der Unfall bei Einhalten dieses Tempolimits sicher vermieden worden.

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Mindestens 13, vielleicht sogar 20 Zeugen hätten jetzt im Prozess gehört werden sollen, um herauszufinden, wo das schicksalhafte Aufeinandertreffen unterschiedlicher Umstände endet und ob der Tod des Opfers für den Angeklagten vorhersehbar und vermeidbar gewesen ist.

Die Durchführung eines so aufwendigen Verfahrens mit so vielen Beteiligten sei angesichts der geltenden Corona-Beschränkungen aktuell nicht möglich, gab der Amtsrichter jetzt beim Prozesstermin zu bedenken. Gegebenenfalls müsste eine Hauptverhandlung erneut um mehrere Monate verschoben werden. Und ob sich dann das Geschehen aufklären lasse, sei offen.

Hinterbliebene wollen emotional abschließen

Deshalb wurde das Verfahren jetzt auf Anregung des Richters und mit Zustimmung aller Beteiligten eingestellt. Der angeklagte 52-Jährige muss 1500 Euro zahlen. Die Angehörigen des verstorbenen Polizisten hatten signalisiert, dass es ihnen jetzt, fast fünf Jahre nach dem Unfall, vor allem darauf ankomme, dass es zu einem zeitnahen Abschluss des strafrechtlichen Prozesses kommt – unter anderem, um emotional mit dem Verfahren abschließen zu können.

Mit der Einstellung gegen Geldzahlung sei, so der Richter, "nicht zuletzt dem Rechtsfrieden mehr gedient" als mit einer wochen- oder sogar monatelangen Verhandlung, "an deren Ende möglicherweise auch nicht mehr als die Erkenntnis steht, dass aufgrund einer tragischen und schicksalhaften Begegnung zweier Menschen zur falschen Zeit am falschen Ort ein Menschenleben unwiederbringlich ausgelöscht wurde".

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