Hamburger Stadtgeschichte

Toepfer und Körber: Zwei Ehrenbürger auf einen Streich

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Matthias Schmoock
Henning Voscherau (l.) mit den Ehrenbürgern Kurt A. Körber (M.) und Alfred C. Toepfer.

Henning Voscherau (l.) mit den Ehrenbürgern Kurt A. Körber (M.) und Alfred C. Toepfer.

Foto: BGZ

Vor 30 Jahren wurden die Mäzene Alfred C. Toepfer und Kurt A. Körber in Hamburgs erlesenen Kreis aufgenommen.

Hamburg. Als sie sich im April 1991 im Rathaus die Hände drückten, wirkte das auch wie ein gemeinsames Bekenntnis zum unbedingten Mäzenatentum. Vor 30 Jahren wurden Alfred C. Toepfer (1894–1993) und Kurt Körber (1909– 1992) Hamburgs Ehrenbürger – als die Nummern 25 und 26 in der Liste, wie Statistiker schnell feststellten. Für beide war es die Krönung einer langen, wechselvollen Beziehung zu der Stadt, die wie keine zweite von der Freigebigkeit dieser Unternehmer profitiert hat.

„Sie sind Hanseaten, wie sie im Buche stehen“, schrieb das Abendblatt anlässlich der Verleihung, „was sie für Hamburg getan haben, empfinden sie schlicht als Bürgerpflicht.“ Alfred C- Toepfer war damals bereits 96 Jahre alt, Kurt A. Körber 15 Jahre jünger. Hinter ihnen lagen Lebenswege mit Höhen und Tiefen, auf denen sie es durch harte Arbeit zu Ansehen und Reichtum gebracht hatten.

Netzwerken bis in höchste politische Kreise

Toepfer und Körber gehörten beide zu einer neuen Gruppe Unternehmer, die von der Nachkriegszeit an, auch und gerade in Bezug auf ihr Mäzenatentum, das Netzwerken bis in höchste politische Kreise einsetzte. Jan Zimmermann zitiert in seiner ausgezeichneten Toepfer-Biografie, die in der Reihe „Hamburger Köpfe“ erschienen ist, dazu den Bankier Alwin Münchmeyer: „Die Amsincks und die Blohms, die Nottebohms und die Godeffroys mochten im Club an der Alster weiter den Ton angeben. Im Überseeclub saßen bald die Körbers und die ­Toepfers – erfolgreiche Hamburger Unternehmer einer jüngeren Generation – am Tisch des Bundespräsidenten.“

Der gebürtige Altonaer Alfred C. ­Toepfer hatte 1920 seine erste Firma gegründet, die binnen weniger Jahre eine führende Stellung im Getreide- und Futtermittelhandel erreichte. Zu den nachhaltigen Projekten, die er ins Leben rief, gehört von 1931 an die Stiftung F. V. S. mit Sitz in Hamburg, in die er einen Großteil seines Vermögens einbrachte.

Zwei besondere Großprojekte sind mit Toepfers Namen verbunden

In Hamburg und Umgebung sind vor allem zwei Großprojekte mit seinem Namen verbunden: Dank Toepfers Unterstützung wurde die Rettung beziehungsweise Rekonstruktion Hamburger Bürgerhäuser an Peter- und Neanderstraße ermöglicht, in denen bis heute verhältnismäßig günstiger Wohnraum vorgehalten wird. Bis zur Fertigstellung im Jahr 1985 hatte Toepfer rund 40 Millionen D-Mark in die Bebauung der Peterstraße mit ihren vielen Altenwohnungen investiert.

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Auf Initiative Toepfers, der von 1953 bis 1985 Vorsitzender des Vereins Naturschutzpark Lüneburger Heide war, entstand zudem das Programm für die Entwicklung der deutschen Naturschutzgebiete: Während seiner Amtszeit entstanden 64 Natur- und Nationalparke. Aus seinem Vermögen wandte Toepfer rund 50 Millionen D-Mark für den Erhalt der Heidelandschaft und die Sanierung von Höfen und Wirtschaftsgebäuden im Raum Lüneburg auf.

Körber engagierte sich für das Thalia Theater

Kurt A. Körber war 1946 in Bergedorf mit der Maschinenfabrik Hauni an den Start gegangen, die es bis zum international führenden Technologiekonzern für Maschinen zur Tabak- und Papierverarbeitung und für Werkzeugmaschinen brachte. 1959 gründete der Unternehmer die Körber-Stiftung, die später Alleinerbin seines gesamten Vermögens wurde. In ihr ging auch die 1969 gegründete Hauni-Stiftung auf.

Hatte sich Alfred C. Toepfer nach dem Krieg für den Wiederaufbau des im zerstörten Opernhauses eingesetzt, engagierte sich Körber für das Thalia Theater. Und auch er setzte sich, wie Toepfer, für historische Bausubstanz ein: Die Rettung der vom Abriss bedrohten Markthallen auf dem Deichtormarkt verdankt die Stadt ihm.

Dass sowohl Toepfer als auch Körber diese Rettungsaktionen nach ihren eigenen Vorstellungen und in Teilen recht eigenwillig durchsetzten, sorgte in Hamburg nicht nur für Begeisterung. Vor allem Toepfer wurde damals vorgeworfen, an der Peterstraße eine Art „Disneyland“ geschaffen zu haben. In den Chor der Kritiker mischten sich dabei auch diejenigen „Kulturexperten“, die vorher keine Lösung außer schnellen Abrissen angeboten hatten. ­Toepfer und Körber dürfte das nicht sonderlich beeindruckt haben.

Die zunehmende Zerstörung der Umwelt trieb Körber um

1961 hatte Kurt A. Körber den „Bergedorfer Gesprächskreis“ gegründet, der weltweit an wechselnden Orten internationale Tagungen zu Kernproblemen zur Gesellschaft und zur Völkerverständigung veranstaltet. Auch die zunehmende Zerstörung der Umwelt trieb Körber (genau wie Toepfer) um.

Ein Beispiel von vielen: Im Januar 1989 tagte der Gesprächskreis – die Wiedervereinigung schien noch in weiter Ferne – mit 35 Wissenschaftlern, Politikern und Publizisten in Dresden. Dabei gelang es Körber auch, SED-Chef Erich Honecker mit an den Tisch zu holen, um die damals massive Verschmutzung der Elbe offensiv anzusprechen.

Toepfer blieb verschlossen, Körber war zugänglich

Während Toepfer eher verschlossen und wenig nahbar war, ist Körber vielen Hamburgern als zugänglich und leutselig in Erinnerung. Wer seine Unterstützung erbat, konnte erleben, dass der Millionär unvermittelt vor der Tür stand und schnell und zupackend Hilfe anbot.

Schon zu Lebzeiten der beiden Mäzene hatte es kritische Nachfragen zu deren Verhalten während der NS-Zeit gegeben, die nach dem Tode Toepfers in gründlichen Forschungen mündeten. Toepfer, der in beiden Weltkriegen Soldat war, hatte zunächst massive Schwierigkeiten mit dem NS-Regime, unter anderem, nachdem er sich 1933 im Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse für die Wahl jüdischer Mitglieder in den Vorstand eingesetzt hatte.

Hunderte Millionen haben die zwei Mäzene in gemeinnützige Projekte eingebracht

1937 wurde er wegen angeblicher Vergehen gegen Devisengesetze verhaftet und zeitweise von der Gestapo verhört. Von 1937 an war dann „von Berührungsängsten auf seiner Seite nichts mehr zu spüren“, wie Jan Zimmermann schreibt. Toepfer baute seine Kontakte zu NS-Stellen aus und betrieb für das „Reich“ (und sich selbst) erfolgreiche Geschäfte in besetzten oder neutralen Staaten.

Kurt A. Körber hatte während des Krieges eine Führungsposition in den Dresdner Universelle-Werken inne, als dort Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Ein Antrag in der Bergedorfer Bezirksversammlung, die Kurt-A.-Körber-Chaussee deshalb umzubenennen, scheiterte 2017, zumal Berichte von Zeitzeugen auch belegen, dass Körber Widerstandskämpfer bei Universelle mit Unabkömmlichkeitserklärungen und Bürgschaften geschützt hat.

Die Stiftungen

  • An die beiden Mäzene erinnern heute unter anderem die Alfred Toepfer Stiftung F. V. S. und die Körber-Stiftung. Toepfers Stiftung verleiht europaweit Preise und Medaillen und gewährt Stipendien für Nachwuchskräfte.
  • Die Körber-Stiftung fördert unmittelbar gemeinnützige Zwecke – unter anderem der Völkerverständigung, Wissenschaft, Erziehung und Kultur.

Im Nachhinein lässt sich leicht nachweisen, wo Toepfer und Körber während der NS-Zeit versagt und gefehlt haben. Was davon ihnen persönlich in welchem Umfang angelastet werden kann und inwieweit beide auch gezwungen waren, Kompromisse einzugehen, ist in den vergangenen Jahren ausführlich aufgearbeitet worden – auch und gerade mithilfe der von beiden begründeten Stiftungen.

Hunderte Millionen haben die zwei Mäzene, deren Namen zufälligerweise einen ganz ähnlichen Klang haben, in Stiftungen und gemeinnützige Projekte eingebracht – nach 1945 nicht zuletzt auch für Themenbereiche wie Aussöhnung und demokratische Erziehung. Wer sich den Lebens- und Wirkungsgeschichten der beiden Ehrenbürger unvoreingenommen nähert, wird das in seine Beurteilung immer mit einbeziehen.

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