Jahresbilanz 2020

Feuerwehr Hamburg muss alle zwei Minuten ausrücken

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Franziska Coesfeld
Leben retten in Corona-Zeiten, Brände löschen, Gefahren abwehren: Innensenator Andy Grote und Feuerwehrchef Christian Schwarz stellten am Dienstag die Jahresbilanz der Feuerwehr Hamburg vor (Archivbild).

Leben retten in Corona-Zeiten, Brände löschen, Gefahren abwehren: Innensenator Andy Grote und Feuerwehrchef Christian Schwarz stellten am Dienstag die Jahresbilanz der Feuerwehr Hamburg vor (Archivbild).

Foto: Axel Heimken / picture alliance/dpa

Corona-Einsätze, Brandtote: Innensenator Andy Grote und Feuerwehrchef Christian Schwarz blicken auf das Jahr 2020 zurück.

Hamburg. Für die Feuerwehr Hamburg begann das Corona-Jahr 2020 sehr tragisch: Anfang März verstarb ein Hamburger Feuerwehrmann während einer Urlaubsreise in Ägypten an Covid-19 – er war der erste deutsche Corona-Tote.

Das gesamte Jahr kämpfte die Feuerwehr in der Corona-Krise an vorderster Front. Sie stellte die Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen. Inzwischen stehen von den täglich rund 700 bis 800 Rettungseinsätzen in Hamburg etwa 15 bis 20 Prozent im Zusammenhang mit Corona.

Hamburgs Innensenator und Feuerwehrchef blicken auf 2020

Am Dienstag stellten Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), der Leiter der Feuerwehr, Christian Schwarz, und der Landesbereichsführer der Freiwilligen Feuerwehr Harald Burghart die Jahresbilanz 2020 der Feuerwehr Hamburg vor.

Mit 257.280 Einsätzen (2019: 264.370) blieb die Zahl der Einsätze im vergangenen Jahr weiterhin auf einem hohen Niveau. Im Schnitt rückte die Feuerwehr im Jahr 2020 zu 705 Einsätzen innerhalb von 24 Stunden aus, sagte Feuerwehrchef Schwarz. Kurz gesagt: Alle zwei Minuten ein Einsatz.

Feuerwehr Hamburg: 4517 Einsätze weniger als im Jahr 2019

Im Bereich des Rettungsdienstes habe es pandemiebedingt eine Verringerung der Einsatzzahlen bei der Feuerwehr Hamburg gegeben. Es gab 226.355 Notfallversorgungen – das sind 4517 Einsätze weniger als 2019. Dazu beigetragen hat auch, dass es 2020 durch Corona weniger Mobilität in der Stadt gab, da viele Menschen zu Hause geblieben sind.

"Damit einhergehend hat sich auch das Einsatzgeschehen bei der Feuerwehr Hamburg reduziert, da im Rettungsdienst phasenweise eine geringere Inanspruchnahme erfolgte und zudem davon auszugehen ist, dass der hohe Zeitanteil, den die Menschen in den eigenen vier Wänden verbracht haben, möglicherweise hilfreich für die Vermeidung von Bränden war", heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

Grote: Feuerwehr hat bewiesen, dass auf sie Verlass ist

„Durch die Corona-Pandemie war unsere Feuerwehr im vergangenen Jahr ganz besonders gefordert", sagte Innensenator Grote. "Dabei haben sowohl die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr als auch der Freiwilligen Feuerwehren eindrucksvoll bewiesen, dass auf sie gerade auch in schwierigen Zeiten zu 100 Prozent Verlass ist." Um die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr weiter zu stärken, werde weiterhin auf Personalaufbau, Ausrüstungs-Modernisierung und Infrastruktur-Ausbau in den nächsten Jahren gesetzt.

Der Feuerwehr wurden vergangenes Jahr 10.952 Brände gemeldet – dazu zählen Kleinbrände, Großbrände und auch Fehlalarmierungen. Das sind 1020 Einsätze weniger als noch 2019. "Auch die Technischen Hilfeleistungen und Umweltschutzeinsätze gingen gegenüber 2019 um 1553 auf 19.973 zurück", heißt es in der Mitteilung.

Innensenator Grote erklärte die Entwicklung mit der Arbeit im Homeoffice, wodurch weniger Brände unbemerkt geblieben seien. Durch die Einschränkung des Verkehrs habe es weniger Unfälle gegeben. Außerdem hätten es viele Menschen offenbar vermieden, sich mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus bringen zu lassen.

Feuerwehr verzeichnet historisches Tief bei Brandtoten

Erfreulich: Die Zahl der Brandtoten blieb auch 2020 auf dem historischen Tief von 2019 – acht Menschen kamen bei Bränden ums Leben. 377 Menschen konnten bei Bränden verletzt durch die Feuerwehr gerettet werden.

„Die niedrige Zahl an Brandverletzten und Brandtoten zeigt die hohe Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der Feuerwehr", sagte Hamburgs Feuerwehrchef Christian Schwarz. Die Zahlen seien zudem auch auf die Wirksamkeit von funktionierenden Rauchwarnmeldern zurückzuführen. "Denn Rauchmelder sind Lebensretter", betonte Schwarz.

Feuerwehr mit mehr Einsatzkräften in Hamburg unterwegs

Die Freiwillige Feuerwehr Hamburg leistete mit allen 86 Wehren (85 im Stadtgebiet Hamburg, eine Wehr auf Neuwerk) insgesamt 10.057 Einsätze ehrenamtlich. 2659 Mitglieder sind in den Wehren aktiv, 23 mehr als im Vorjahr. Auch die Berufsfeuerwehr Hamburg konnte einen weiteren personellen Aufwuchs verzeichnen – es waren 66 Kräfte mehr im Einsatz als noch 2019.

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„‚Danke Feuerwehr!‘, auf euch kann Hamburg sich verlassen. Ob Brände, Unfälle, Erkrankungen, schwere Unwetter oder unerwartete Gefahrensituationen – Hamburgs Feuerwehrleute riskieren tagtäglich ihr Leib und Leben, um uns zu schützen", sagte der CDU-Innenexperte Dennis Gladiator. Er verwies darauf, dass mit steigender Impfstofflieferung sichergestellt werden sollte, dass alle Feuerwehrleute schnellstens ein Impfangebot erhalten.

CDU: Hamburg hinkt bei Digitalisierung der Feuerwehr hinterher

"Um alle Hamburgerinnen und Hamburger gleichermaßen zu schützen, muss der Senat die Feuerwehr in die Lage versetzen, die Hilfsfristen überall einhalten zu können – denn jede Minute zählt", so der CDU-Mann. Auch bei der Digitalisierung der Feuerwehr hinke Hamburg der Zeit weiter hinterher. "IT-Standards, mobile Anwendungen und digitale Verfügbarkeits- und Einsatzplanungen werden weiterhin nur geprüft", kritisierte Gladiator. "Das reicht nicht aus." Er kündigte an, dass die CDU r bei den abschließenden Haushaltsberatungen entsprechende Anträge einbringen werde.

Im Jahr 2019 zählte die Feuerwehr Hamburg im Stadtgebiet exakt 264.370 Einsätze. Dabei galt es, Leben zu retten, Brände zu löschen und Gefahren abzuwehren. Die Feuerwehr sprach damals in ihrer Jahresbilanz von einem konstant hohen Niveau der Einsätze. Gegenüber 2018 verringerte sich die Anzahl der Einsätze nur leicht.

( mit dpa )

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