Corona-Pandemie

Gestrandete Seeleute: Endlich wieder zu Hause

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Edgar S. Hasse
Kapitän Kiraua aus Kiribati in der Jugendherberge.

Kapitän Kiraua aus Kiribati in der Jugendherberge.

Foto: Christian Charisius / dpa

An diesem Dienstag endet die Irrfahrt von 149 Männern aus Kiribati. Ende der Kerker-Quarantäne im Heimatland.

Hamburg/Kiribati.  Eine Odyssee geht an diesem Dienstag auf der Südseeinsel Kiribati zu Ende: 149 Seeleute kehren heute in die Arme ihre Familien zurück. Viele von ihnen hatten ihre Lieben seit mehr als zwei Jahren nicht gesehen. Sie waren zwischenzeitlich in Hamburg „gestrandet“. Die Corona-Pandemie hatte ihre Heimreise immer wieder unmöglich gemacht, nachdem sie bereits vorher monatelang an Bord von Containerschiffen im Einsatz waren.

Ihr Heimatland lehnte die Aufnahme der Landsleute zunächst ab – aus Furcht, dass das Coronavirus in den pazifischen Inselstaat, 6000 Kilometer von Australien entfernt, eingeschleppt wird. Die Seeleute arbeiteten für die Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg und konnten Ende vergangenen Jahres nicht mehr nach Hause fliegen, weil es keine Flüge gab. Vorübergehend wurden sie in der Jugendherberge an der Horner Rennbahn untergebracht und von der Seemannsmission mit Unterstützung der Reederei betreut.

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Gestrandete Seeleute waren auf Kiribati 14 Tage in Quarantäne

Erst im März konnten die Seeleute ihre Rückreise mit Zwischenstopps antreten. Dabei kam es abermals zu Widrigkeiten, Komplikationen und sogar zu einem Todesfall. Wie Nordkirchen-Seemannspastor Matthias Ristau dem Abendblatt sagte, konnte die Gruppe der 150 Seemänner am Ostersonntag Hamburg verlassen und nach Kiribati fliegen. Dort mussten sie erwartungsgemäß in eine 14-tägige Quarantäne, die buchstäblich, wie die Seeleute berichteten, einem Kerkeraufenthalt glich. „Die Seemänner waren furchtbar enttäuscht, in der eigenen Heimat so behandelt zu werden.“

Im Marine Training Center, wo viele von ihnen ausgebildet worden waren, sollte die Quarantäne stattfinden. Normalerweise ist dort Platz für 120 bis 150 Seemänner, aber es war nur ein sehr kleiner Bereich für die 150 abgesperrt. Ein dichter Sichtschutz ließ kaum Luft einströmen. Es gab nur acht Toiletten und fünf Duschen, keinen Platz zum Essen, die Abfälle wurden nicht abgeholt, berichteten die Seeleute dem Hamburger Seemannspastor Ristau.

Ein Seemann starb in der Quarantäne

Nach einigen Tagen klagte die Hälfte der Männer über Beschwerden wie Durchfall und Erkältungssymptome; alle waren aber nochmals negativ auf Sars-CoV-2 getestet worden. Vor wenigen Tagen ging es plötzlich einem der Seemänner schlecht, er hatte starke Schmerzen, dann blieb sein Herz stehen. Die anderen versuchten ihn wiederzubeleben. Der Arzt traf erst nach mehr als einer Stunde ein; er konnte nur noch den Tod des Seemanns feststellen.

Matthias Ristau: „Wir stehen weiter in Kontakt mit den Seemännern und sind erschüttert darüber, wie sie dort behandelt werden. Wir versuchen über die ICMA (International Christian Maritime Association) und den VDR (Verband Deutscher Reeder) an internationale Organisationen und Medien zu kommen, damit die Grundrechte der Seeleute geschützt werden.“

Für ihre Rückkehr hatten sich unter anderem Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs und Staatsminister Niels Annen (SPD) eingesetzt. In Hamburg hatte ein Team verschiedener Seemannsmissionen die gestrandeten Seeleute betreut. In dieser Zeit musste Seemannspastor Ristau auch in seelsorgerlichen Notfällen helfen.

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