Ich frage für einen Freund

Wenn Karl-Heinz im Bett zu Brad Pitt werden soll

| Lesedauer: 6 Minuten
Hajo Schumacher und Katrin Hinrichs sprechen in ihrem neuen Podcast über Sex.

Hajo Schumacher und Katrin Hinrichs sprechen in ihrem neuen Podcast über Sex.

Foto: Roland Magunia

Die Hamburger Sexualtherapeutin Katrin Hinrichs spricht über erotische Fantasien. Helene Fischer und Brad Pitt seien sehr beliebt.

Hamburg. Bei dem einen geht es um Rechtsmedizin und Kriminalfälle, bei dem anderen um unser aller Sexualleben. Immer im Wechsel finden Sie an dieser Stelle unter dem Rubrum „Sex&Crime“ das Beste aus zwei unserer erfolgreichsten Podcasts. Heute das Thema bei Journalist und Moderator Hajo Schumacher und der Hamburger Sexualtherapeutin Katrin Hinrichs in „Ich frage für einen Freund“: sexuelle Fantasien.

Zunächst möchte Schumacher aber wissen, ob sich Frühlingsgefühle eigentlich in Katrin Hinrichs’ Praxis bemerkbar machen: „Kommen die Leute da jetzt angeschwebt, weil sie vor Paarungslust platzen?“ Schön wäre das, antwortet die Expertin, tatsächlich sehe sie aber nach wie vor „viele, die unter der anhaltenden Corona-Pandemie leiden“ – und deshalb nicht sehr gut drauf seien, auch sexuell. „Fragt man meine Klienten dann, ob sie sexuelle Fantasien haben, was glaubst du, was die so sagen?“

Sexuelle Fantasien: Ist das schon Betrug?

Schumacher antwortet nicht direkt, sondern ordnet das Thema zunächst einmal ein: Bezogen auf den klassischen, monogamen Hetero mittleren Alters bedeute es, dass Mann oder Frau gedanklich aus diesem klassischen Schema ausbrechen und sich die Frage stellen, wie es mal anders wäre, etwa zu dritt oder gar bei einer fast orgienhaften Konstellation. „In meiner Jugend fand ich immer alles, was mit Robin Hood zu tun hatte, wahnsinnig erotisch.“ Wobei es ihm nicht um die konkrete Figur des Bogenschützen gegangen sei, sondern mehr um sein Umfeld und die zeitliche Epoche. Aber auch Piraten hätten für ihn damals einen starken Reiz gehabt.

Ob es denn Statistiken gebe über sexuelle Gedankenspiele, möchte Schumacher wissen. Hinrichs: „Na ja, Fantasien sind ja sehr frei. Ich frage die Leute in meiner Praxis immer danach – und dann denken die so an Dreier, Leder, Fetisch.“ Aber sei das gefühlt nicht schon fast Betrug am Partner, hakt Schumacher nach, wenn man in Gedanken mit einer anderen – etwa prominenten – Frau schlafe statt mit der eigenen?

Zusammenhang zwischen Kopf und Körper

„Ich arbeite ja mit einer besonders körperfokussierten Therapie“, erklärt Hinrichs, „und da müssen wir viel nachfragen, weil es immer einen Zusammenhang gibt zwischen deinem Kopf und deinem Körper. Manche haben Fantasien, die wollen sie gar nicht, und eventuell schämen sie sich dafür sogar. Ein klassisches Beispiel: Ich frage eine Frau, wie sie sich den Sex mit ihrem Mann vorstellt. Die Antwort lautet, sie habe gar keine Fantasien.“ Doch hakt man nach, woran sie denn denke, wenn sie mit ihrem Mann schlafe, sei die Antwort: „Manchmal an den Nachbarn, der ist wahnsinnig sexy.“

Ob jemand beim Sex solche Gedanken überhaupt haben dürfe, werde sie dann gefragt, sagt Hinrichs. Ihre Antwort ist eindeutig: „Die Gedanken sind frei.“ Und bei den Frauen würden im Bett ohnehin oft die Fantasien um Brad Pitt oder George Clooney kreisen und weniger um den eigenen Mann. „Die Männer denken übrigens oft an Helene Fischer.“

Selbstkomplexe durch Fantasien des Partners

„Atemlos“ passe irgendwie zum Thema, frotzelt Schumacher, wird aber gleich wieder ein Stück ernsthafter: „Auf der einen Seite denke ich mir ja: Hey, solange meine Partnerin Spaß hat, ist alles erlaubt. Das ist dann der Großzügige in mir. Der andere aber ist geknickt und sagt: Brad Pitt? Der ist doch viel schöner als ich. Wahrscheinlich mag sie mich gar nicht mehr.“ Ob sie dafür plädiere, einfach großzügig zu sein und die Bedenken zu vergessen, will Schumacher von Hinrichs wissen.

Sie sagt: „Was du denkst, hat schon Einfluss darauf, was du tust. Ich hatte neulich eine ältere Dame mit einer Sieben davor in der Praxis, die sich über ihre Gefühle und Fantasien gewundert hat.“ Sie werde in „komischen Gedanken“ angebunden und hart rangenommen, aber in Wahrheit, so sagte sie, würde sie das doch gar nicht wollen. „Ach ja“, meint Schumacher, „vielleicht doch.“

Fantasien wie kleine Filme

Nun schlägt Hinrichs einen Bogen vom Kopf zum Körper. „Das Resultat einer Therapie kann sein, wenn du nur gelernt hast, angespannt im Bett zu liegen, den Körper unter Hochspannung, dass du lernen musst, die Atmung zu verändern, die Bewegung. Dann hast du einfach eine Riesenchance zu sagen ,okay, meine Fantasien ändern sich‘. Ich habe oft Paare da, wo er sagt, seine Frau habe keine Lust und auch keine Fantasien, und sie sitzt da nur bedröppelt und fühlt sich schuldig. Ich sage denen dann, dass sie da durchaus etwas machen können.“ Doch ansonsten seien Fantasien etwas Tolles, wie kleine Filme, bei denen man selber Regie führt.

„Wenn Karl-Heinz und Inge ein liebevolles Abkommen haben und sich sagen, dass jeder Fantasien haben kann, so viel wie er will, ist das super. Wenn das aber nur die eine oder der andere hat, sehe ich ein Problem. Sollte man deshalb lieber im Zweifel einfach mal die Klappe halten und gar nicht erst über seine Fantasien miteinander reden?“, fragt Schumacher.

Sexuelle Fantasien nicht unbedingt sexuelle Wünsche

Hinrichs: „Fantasien sind etwas anderes als Wünsche. Aber: Wenn man seinem Mann sagt, ich kann mit dir nur Sex haben, wenn ich an Brad Pitt denke, sonst macht das keinen Spaß, ist das schon verletzend.“ Um in Fahrt zu kommen, sollte man dennoch dem anderen erlauben, in Gedanken etwas abzuschweifen. Jetzt hat Schumacher noch eine Spezialfrage „seines Freundes“: „Wo ist die Grenze bei Fantasien? Bei dem, was legal ist?“ Hinrichs: „Wenn es nachhaltig in den Bereich des Verbotenen geht, wird es Zeit, etwas zu tun.“

( HA )

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