Prozess

Tod von Hamburger Fahnder: Verteidigung fordert Freispruch

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Bei einer Festnahmeaktion in Hamburg-Lurup war ein Zielfahnder schwer verletzt worden. Er starb später im Krankenhaus. Der Angeklagte (l) und seine Verteidigerin (2. v. l.) im Gerichtssaal (Archivbild).

Bei einer Festnahmeaktion in Hamburg-Lurup war ein Zielfahnder schwer verletzt worden. Er starb später im Krankenhaus. Der Angeklagte (l) und seine Verteidigerin (2. v. l.) im Gerichtssaal (Archivbild).

Foto: Georg Wendt / picture alliance/dpa

Die Rechtsanwältinnen plädieren dafür, dass der 30-Jährige lediglich wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu verurteilen sei. 

Hamburg. Am Ende ist der Mann ausgesprochen kleinlaut. „Ich weiß, dass ich einen großen Fehler gemacht habe“, sagt Mahmut H. „Ich habe mich ins Auto gesetzt und bin losgefahren. Das war dumm von mir. Es tut mir sehr leid mit dem tragischen Vorfall.“

Der tragische Vorfall, den der 30-Jährige da bedauert, ist der Tod des Hamburger Zielfahnders Klaus-Ulrich H. Der Polizist war am 25. Februar vergangenen Jahres von dem jungen Mann bei dessen Festnahme und während eines missglückten Fluchtversuch im Auto gerammt und so schwer verletzt worden war, dass der Polizist acht Tage später verstarb.

Oberstaatsanwalt erkennt erstmals Reue des Angeklagten

Sieben Jahre Freiheitsstrafe hat die Staatsanwaltschaft jüngst im Schwurgerichtsprozess für den vielfach vorbestraften Angeklagten Mahmut H. gefordert. Der 30-Jährige sei wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu verurteilen. Am Freitag nun, nach dem letzten Wort des Angeklagten, reduziert Oberstaatsanwalt Lars Mahnke seinen Strafantrag auf sechs Jahre und zehn Monate.

„Erstmals“, so der Staatsanwalt, habe der Angeklagte glaubhaft Reue bekundet. Dies solle nun anerkannt werden. Die Reaktion der Verteidigung auf diesen ungewöhnlichen Schritt Mahnkes: „Chapeau!“

Toter Zivilfahnder: Verteidigung fordert Freispruch

Dies ist allerdings einer der wenigen Aspekte, bei denen an diesem Verhandlungstag im Prozess um den Tod des Zielfahnders Klaus-Ulrich H. zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung Eintracht herrscht. Die Rechtsanwältinnen Andrea Anisic und Ina Franck plädieren im Gegensatz zur Anklage auf einen Freispruch vom Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge für ihren Mandanten. Er sei lediglich wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu verurteilen, beantragen die Verteidigerinnen.

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„Der Tod eines Menschen ist immer eine Tragödie“, so Anisic. Es gehe im Prozess indes „nicht um moralische Verfehlungen“, sondern was Mahmut H. sich rechtlich zuschulden habe kommen lassen. Hier sei ganz entscheidend zu berücksichtigen, dass bei der geplanten Festnahme des 30-Jährigen ein Polizeibeamter auf den Beifahrersitz des Phaethon des jungen Mannes gesprungen sei, ihn gegen den Kopf geschlagen und ihm ins Lenkrad gegriffen habe. Dabei sei schon „streitig“, ob dieser Ermittler sich tatsächlich als Polizeibeamter zu erkennen gegeben habe.

Angeklagter sei wegen der Schläge beeinträchtigt gewesen

Darüber hinaus habe der Polizist vom Beifahrersitz aus das Lenkrad nach rechts gedreht, der Angeklagte habe gegengesteuert, um in der Fahrspur zu bleiben. Als der Polizist das Lenkrad dann überraschend losgelassen habe, sei es zu einem sogenannten Tauzieheffekt gekommen, bei dem das Fahrzeug durch die Gegenlenkbewegung des Angeklagten viel stärker nach links gesteuert worden sei, als von dem 30-Jährigen beabsichtigt, und er deshalb frontal mit dem Auto des Zielfahnders kollidiert sei.

Zudem sei Mahmut H. wegen der Schläge, die während dieser dynamischen Situation gegen seinen Kopf versetzt wurden, beeinträchtigt gewesen, betont Verteidigerin Franck. So habe der 30-Jährige nicht mehr die volle Kontrolle gehabt, wie stark er Gas gibt. „Es war eine Katastrophe“, so Franck. „Aber nicht nur, weil der Angeklagte Gas gegeben hat, sondern weil ganz viel zusammen kam.“ Das Urteil wird am 21. April verkündet.

( bem )

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