Hamburger Lehrprojekt

Tierschützer bieten "Lösegeld" für Goofy – Schule verärgert

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Ochse Goofy (l.) dient Schülern des Walddörfer-Gymnasiums in Hamburg als Beispiel für traditionelle Landwirtschaft. Egbert Läufer vom Museumsdorf Volksdorf bringt getrocknete Brötchen auf die Weide.

Ochse Goofy (l.) dient Schülern des Walddörfer-Gymnasiums in Hamburg als Beispiel für traditionelle Landwirtschaft. Egbert Läufer vom Museumsdorf Volksdorf bringt getrocknete Brötchen auf die Weide.

Foto: Andreas Laible

Verein will Tier aus dem Museumsdorf Volksdorf befreien. Leiter des Walddörfer-Gymnasiums spricht von "Instrumentalisierung".

Hamburg. Das Vorhaben des Walddörfer-Gymnasiums, mit seinen Schülern die Aufzucht eines Kälbchens bis zur Schlachtung didaktisch zu begleiten, hat im Dezember heftige Proteste ausgelöst. Nun wird die Kontroverse um Goofy erneut angeheizt. Die Tierschutzorganisation Rüsselheim e.V. erhöht das – wie sie es formuliert – Lösegeldangebot auf 6000 Euro, um dem jungen Bullen "ein Leben in Freiheit und Sicherheit auf einem Lebenshof des Vereins" zu ermöglichen.

Schulleiter Jürgen Solf hält davon "gar nichts", wie er dem Abendblatt am Freitag sagte. "Der Verein mischt sich in ein Projekt zwischen Schule und dem Museumsdorf ein, und versucht das Tier zu instrumentalisieren." Von der Schlachtung war man zuletzt infolge des massiven öffentlichen Drucks abgerückt, nun dient Goofy als Zugochse.

Goofy lebt weiter im Museumsdorf Volksdorf in Hamburg

"An seinem Beispiel erleben und lernen die Schülerinnen und Schüler die Tierhaltung und traditionelle Landwirtschaft im Vergleich zur Massentierhaltung", sagte Solf. Zwar habe sich der Fokus auf dem Lehrplan von der Fleischproduktion zur Landwirtschaft verschoben, sagte der Schulleiter. "Goofy muss aber nicht gerettet werden. Er ist hier gut aufgehoben und wird bleiben." Das Schulprojekt zwischen dem Gymnasium und dem Museumsdorf Volksdorf werde fortgeführt.

Dort war das Tier einquartiert worden, nachdem die Schüler 2018 auf einer Klassenfahrt nach Zillertal in Tirol die Geburt des Kälbchens miterlebt hatten. Als sie erfuhren, dass der junge Bulle als Schlachttier verkauft werden sollte, wollten die Schüler ihn zunächst retten. Zwar erklärte sich das Hamburger Museumsdorf zur Übernahme von Goofy bereit, knüpfte diese jedoch an die Bedingung, das Tier letztlich zu schlachten. Die Klasse sollte nun Goofys Aufzucht bis zur anvisierten Tötung nach anderthalb Jahren begleiten.

Walddörfer Schüler lernten mehr über Fleichproduktion

"Goofy sollte seinem bestimmungsgemäßen Zweck als Gulasch und Braten zugeführt werden, zuvor aber den Gnadenerweis einer guten Versorgung erfahren", beschreibt es die Tierschutzorganisation Rüsselheim e.V. zynisch. Aus Sicht der Schule bestand der gesellschaftskritische Anspruch des Projekts aber darin, mit den Kindern hinter die Kulissen der Landwirtschaft zu schauen. Das Thema kam auf den Lehrplan. "Wir haben hier die einmalige Chance, unserem Fleisch ins Gesicht zu gucken", hatten die Schüler der Klasse 10c dem Abendblatt über den Plan mit Goofy gesagt.

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Anderthalb Jahre haben sie das Tier im landwirtschaftlichen Betrieb des Museumsdorfs versorgt. Als im Dezember die geplante Schlachtung des damaligen Stiers nahte, sammelten Gegner des Schulprojekts bei einer Online-Petition mehr als 23.000 Unterschriften zur Rettung des Tiers. Das löste eine Debatte um Ethik aus, in die sich bundesweit mehrere Tierschützer und Vereine einschalteten. Der Hamburger Tierschutzverein warf dem Museumsdorf nun Tierquälerei vor. Auch andere Organisationen wüteten.

Walddörfer-Gymnasium ließ Goofy doch nicht schlachten

"Schülerinnen und Schüler, Lehrende und die Schule selbst standen im Feuer der Tierschützerkampagne", beschreibt es Solf rückblickend. "Das ist kein Lernraum". Die Schule rückte von der Schlachtung ab, die Schüler fühlten sich überrumpelt: Nun sollte Goofy am Leben bleiben und als Zugochse im Museumsdorf eingesetzt werden.

Das genügt den Tierschützern nicht, sie wollen Goofy zu sich holen und sprechen von "Sklaverei". Beim Tierschutzverein aus Bayern ist man erzürnt: "In den Köpfen der Verantwortlichen ist offenbar kein Platz für die Vorstellung, dass ein Rind allein um seiner selbst willen leben möchte und ihm dieser Wunsch gewährt wird", heißt es bei Rüsselheim e.V. Experten bewerten die Arbeit am Walddörfer-Gymnasium dagegen anders: Im März zeichnete die gemeinnützige Cornelsen Stiftung Lehren und Lernen das Projekt „Go for Goofy“ als innovativ und vorbildlich aus.

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