Coronaausbruch

Abendblatt-Dossier zu UKE-Tragödie winkt weiterer Preis

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Sie starben nach einer Corona-Infektion auf einer Krebsstation im UKE:  Ines Brandtjen, Niels Boldt (auf dem Bild mit seiner Enkelin) und Anne-Christa Falk (v.li.).

Sie starben nach einer Corona-Infektion auf einer Krebsstation im UKE: Ines Brandtjen, Niels Boldt (auf dem Bild mit seiner Enkelin) und Anne-Christa Falk (v.li.).

Foto: Privat / HA

Christoph Heinemann und Jens Meyer-Wellmann sind für den Theodor-Wolff-Preis nominiert. Zweimal wurde ihr Werk bereits prämiert.

Hamburg. Die Abendblatt-Redakteure Abendblatt-Redakteure Christoph Heinemann und Jens Meyer-Wellmann sind für den Theodor-Wolff-Preis 2021 in der Kategorie „Thema des Jahres: Corona – Leben im Ausnahmezustand“ nominiert worden. Die vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) vergebene Auszeichnung gehört zu den angesehensten Preisen im deutschsprachigen Journalismus. Sie ist pro Kategorie mit 6000 Euro dotiert.

Nominiert wurden Heinemann und Meyer-Wellmann für ihr Dossier „Der Ausbruch“, in dem sie den Coronaausbruch auf der Krebsstation des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE) rekonstruieren. Der Artikel wurde bereits im Dezember mit dem renommierten Deutschen Reporterpreis 2020 und jüngst auch dem Publizistikpreis Print 2021 der GlaxoSmithKline-Stiftung ausgezeichnet. Die Verleihung dieses mit 5000 Euro dotierten Preises soll aufgrund der Pandemie erst im Herbst in Göttingen stattfinden.

Sechsseitige Dokumentation der UKE-Tragödie

In der sechsseitigen Dokumentation einer Tragödie, die am 29. August 2020 im Magazin des Abendblattes erschien, haben die Autoren nachgezeichnet, wie sich das Coronavirus auf der Krebsstation des renommierten Klinikums ausbreiten konnte – und schließlich elf Menschen das Leben kostete. Viele von ihnen hätten wohl noch lange zu leben gehabt, manche galten als so gut wie geheilt von ihrer Krebserkrankung. Die Ausmaße des Ausbruchs zeigten sich auch daran, dass schließlich auch 40 Mitarbeiter des UKE dem Infektionsgeschehen zugeordnet werden können.

Drei Opfer des UKE-Ausbruchs begleitet

Bei der viermonatigen Recherche zu der Chronik ging es vor allem um eine Frage: Wie konnte all das geschehen – ausgerechnet auf der besonders schützenswerten Krebsstation einer der angesehensten deutschen Kliniken? Mithilfe von WhatsApp-Nachrichten, Dokumenten, Mails, Behandlungsverläufen und Dutzenden von Gesprächen mit UKE-Mitarbeitern und Hinterbliebenen haben Heinemann und Meyer-Wellmann die Ereignisse detailliert aufgearbeitet.

Dabei konnten sie auch die Angehörigen von drei Opfern des UKE-Ausbruchs begleiten – in ihrer Trauer und mit den Fragen, die sie beschäftigen. Die Chronik der letzten Lebenswochen einer jungen Frau, einer älteren Dame und eines sportlichen 74-Jährigen zeigten schließlich nicht nur die menschliche Tragik des Ausbruchs. Sie macht auch die weitgehende Hilflosigkeit der Institutionen in den ersten Wochen der Pandemie sichtbar und weist auf mögliche Fehler, aus denen alle Beteiligten lernen müssen, wenn sich eine solche Katastrophe nicht wiederholen soll.

Nächste Dekorierung für Abendblatt-Reporter

Christoph Heinemann hat 2020 bereits den renommierten Nannen-Preis gewonnen – für seine Geschichte über die Soko "Cold Cases" der Hamburger Polizei, die lange zurückliegende Kriminalfälle lösen sollte und stattdessen für einen Personalskandal sorgte.

Jens Meyer-Wellmann ist auch Träger des Erich-Klabunde-Preis des Deutschen Journalistenverbandes, den er für einen Artikel über einen krebskranken Vergewaltiger erhielt, der um Haftentlassung zum Sterben bittet.

( HA )

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